Von Frankreichs Künsten über Monet bis zu Kandinsky – am Sonntag im TV

Am 2. Adventssonntag gibt es gleich drei Leckerbissen in Sachen Kunst im Fernsehen. Der erste Tipp „Macht und Pracht – Frankreichs Künste im zweiten Kaiserreich“ beginnt um 17.35 Uhr auf Arte.

Das zweite französische Kaiserreich (1852-1870) war geprägt von einer Politik der Inszenierung. Nie zuvor hatte ein Regime so eifrig an seiner Selbstdarstellung gefeilt. Das von Dekadenz und Opulenz geprägte Leben der Pariser Oberschicht bedeutete für das kulturelle Leben eine Blütezeit: Die Herrschaft Napoleons des III. hinterließ nachhaltige Spuren in Kunst, Kultur, Architektur, Gesellschaft und Wirtschaft. Maßgeblich war dabei jedoch nur die offizielle Kunst. Unabhängige Kunstformen stießen in Inhalt und Form auf die Ablehnung der Académie des Beaux-Arts. Die von Baron Haussmann in kaiserlichem Auftrag realisierten Großbauprojekte modernisierten das Stadtbild und beeinflussten das soziale Leben in der Hauptstadt maßgeblich. Zum Glück, wie ich finde, denn das wohl schönste Stadtbild der Welt hat nun mal PARIS. Eine sehenswerte und sehr informative Dokumentation.

Mehr dazu morgen, um 17.35 Uhr auf Arte! Die Sendung ist in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur noch für sieben Tage, bis zum 11. Dezember 2016, abrufbar.

Auf ARD-Alpha sind ab 22.15 zwei Dokumentationen über zwei ganz besondere Künstler zu sehen: Claude Monet und Wassily Kandinsky.

22.15 – Zum 90. Todestag: Claude Monet und die Moderne

Wie war Monets (14. November 1840 – 5. Dezember 1926) Einfluss auf die Moderne? Während die breite Öffentlichkeit erst in den letzten beiden Jahrzehnten den „Seerosenbildern“ große Anerkennung zukommen ließ, hatten Künstler der Avantgarde schon ab 1950 die Bedeutung Monets für ihre eigene Entwicklung entdeckt: Die Pariser Orangerie, wo Monets späte Seerosenpanoramen ausgestellt sind, wurde gar zur „Sixtinischen Kapelle der Moderne“ – und gehört bei jedem meiner Parisbesuche zum Pflichtprogramm.

Der Film begibt sich auf die Suche nach der Person Monets und lässt u.a. in Erzählungen seiner Urenkel seine außergewöhnliche Persönlichkeit lebendig werden. Er folgt den Spuren des Künstlers in dessen Haus und Garten nach Giverny – ein Ausflugstipp, falls man gerade in der Gegend oder in Paris ist, den ich Monetfans und Gartenfreunden nur wärmstens ans Herz legen kann. Eine Sequenz des Films begibt sich auch in das geheimnisvolle Venedig, ein anziehender Ort für viele Maler. Zum Thema Venedig gibt es in Hamburg, im Bucerius Kunstforum gerade eine schöne und sehenswerte Ausstellung – noch bis zum 17. Januar 2017.

Tipp: Ab dem 22. Januar bis zum 28. Mai 2017 zeigt die Fondation Beyeler in Riehen anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens ein Ausstellung über Claude Monet. Mehr dazu unter diesem Link

Gleich danach, um 23.00 Uhr: Wassily Kandinsky – Die Welt hinter den Dingen

Kandinsky (16. Dezember 1866-13. Dezember 1944) war einer der außergewöhnlichsten Maler der Moderne. Erst im Alter von 30 Jahren beschloss der Moskauer Jurist und Ethnologe, sich ganz der Kunst zu widmen und von seiner Heimatstadt in die damalige Kunstmetropole München zu ziehen. Dort wird er ab 1908 den Aufbruch in eine neue Malerei wagen: er löst sich in seinen Bildern nach und nach vom gegenständlichen Malen und macht als einer der ersten den Schritt in die Abstraktion. Seine Gemälde, die in München und Murnau entstehen, sind ein Feuerwerk aus Formen und Farbklängen – Ausdruck seiner Empfindung und seines Blickes in die Welt hinter den Dingen.

Aktuell findet, noch bis zum 22. Januar 2017, in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel, eine grandiose Ausstellung über „Marc, Kandinsky & Der Blaue Reiter“ statt (von dort stammen auch die oben gezeigten Bilder).

Die Doku, die anlässlich der großen Kandinsky-Schau im Münchner Lenbachhaus entstand, zeigt Hauptwerke aus allen Schaffensperioden und folgt den Spuren des Künstlers: ins „Russenhaus“ nach Murnau, in sein „Meisterhaus“ in Dessau und in seine letzte Wohnung in Neuilly bei Paris. Historische Filmaufnahmen vermitteln nicht nur authentisch die Zeit der radikalen politischen Umbrüche, sondern zeigen einen Ausnahmekünstler, der als einer der Väter der abstrakten Kunst in die Geschichte eingegangen ist, beim Malen.

Es lohnt sich also aufzubleiben!

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter – Fondation Beyeler, Riehen / Basel

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Franz Marc Die grossen blauen Pferde, 1911 – Öl auf Leinwand, Sammlung Walker Art Center, Minneapolis. Schenkung der T.B. Walker Foundation, Gilbert M. Walker Found, 1942 © starkandart.com

Von jeher gehört die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zu meinen Lieblingsmuseen. Selten wurden Landschaft und Architektur so in Einklang gebracht wie hier. Perfekt eingebettet an der Grenze zur südbadischen  Hügellandschaft ist das von Renzo Piano erbaute Vermächtnis von Ernst Beyeler nicht nur von aussen ein Genuss fürs Auge, drinnen erwarten den Besucher in klaren und lichtdurchfluteten Räumlichkeiten auch immer wieder wunderbare, auf den Punkt kuratierte Ausstellungen.

Seit dem 04. September 2016 kann man dort in die wunderbare Farbenwelt von Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter eintauchen. Die gleichnamige Künstlerbewegung wurde 1911 von den befreundeten Malern Franz Marc (1880-1916) und Wassily Kandinsky (1866-1944) ins Leben gerufen. Die beiden Freunde gaben 1912 in München einen legendären Almanach heraus, der den Umbruch in der Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts ankündigte und der Ausstellung ihren Namen gab:

„DER BLAUE REITER“

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Almanach Der Blaue Reiter, München, 1914, ahlers collection © Thomas Ganzenmüller, Hannover

 

Es war der Beginn eines Umdenkens in der Malerei. Losgelöst von Farben und Formen begannen jene Künstler in Deutschland, sich von dem was sie fühlten, inspirieren zu lassen. Mit ihren gewagten Farbkompositionen verabschiedeten sie sich von den bis dahin gängigen Konventionen. Es war eine kurzzeitige Revolution in der Kunst, mit München als Zentrum, der weitere Maler folgen sollten und die die Moderne in Deutschland einläutete: Eine neue Avantgarde war geboren!

Gleich im Eingangsbereich wird man mit einer gelungenen Projektion durch die Etappen ihres Schaffens und ihrer Entwicklung quer durch Europa geführt, bevor man in den danach beginnenden Ausstellungsräumen in eine exotische Welt der Farben eintaucht. Schwerpunkte sind Kandinsky und Marc, mit vielen ihrer Schlüsselwerke, zu sehen sind jedoch auch Bilder ihrer Weg- und Lebensgefährten wie Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky sowie dem wunderbaren August Macke. Es fiel mir sehr schwer, aus der gezeigten Vielfalt eine Auswahl zu treffen, deshalb habe ich die Exponate der jeweiligen Maler nach meinem Gusto zusammengestellt.

Beginnen wir mit den Werken Kandinskys in den Jahren 1908 und 1909…

Seine Bildsprache ist noch relativ gegenständlich, geht jedoch immer mehr ins Abstrakte über, wie diese und viele andere Werke aus den Jahren 1910 bis 1914 zeigen:

In Murnau, unweit von München, erwarb Gabriele Münter 1909 ein Haus (das heute noch dort steht und besichtigt werden kann), dass den Künstlern als Zuflucht und als Inspirationsquelle diente. Die Zusammenarbeit der befreundete Künstlerpaare Kandinsky und Münter sowie Werefkin und Jawlensky wurde von der lichtdurchfluteten oberbayrischen Seenlandschaft, die von der Alpenkette dominiert wird, befruchtet. Sie führte die Maler zu einer neuen Farbgebung, welche in der Ausstellung einen ersten Schwerpunkt bildet: Leuchtende, ungemischte Farben wurden als Flächen nebeneinander gesetzt. Dieser Prozess wurde von Gabriele Münter als „… vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhaltes – zum Abstrahieren – zum Geben eines Extraktes“ beschrieben, wobei eine wichtige Rolle dabei Alexej von Jawlensky und seinen Landschaftsbildern zukommt, mit ihren betont „einfachen“ Farbformen, wie an den Beispielen Kandinskys, Münsters und Jawlenskys unten zu sehen ist:

Im nahen Sindelsdorf lebte Franz Marc mit Maria Franck. 1911 trafen sich Kandinsky und Marc, was den entscheidenden Impuls für die Publikation des Almanachs „Der Blaue Reiter“, auslöste. Obwohl beide Künstler das Streben nach kultureller Erneuerung einte, waren sie doch sehr unterschiedlich in ihren künstlerischen Ausdrucksformen, wie bei der Bildsprache von Franz Marc deutlich zu erkennen ist. Marc wollte seine, vorwiegenden Tiermotive transzendental, als Ausdruck einer archaischen und unverfälschten Natur darstellen. So, wie er sie wahrgenommen hatte, losgelöst von der gewohnten Farbgebung.

Die Leuchtkraft der Farben und das Verschwinden der Realität, wird bei Franz Marc auch bei diesen beiden Meisterwerken, durch den Einfluss der Künstlerfreundschaft mit dem französischen Maler Robert Delaunay und dessen leuchtender, kraftvoller und farbenfrohen Bildsprache, deutlich:

Last, but not least, will ich noch die Bilder eines meiner besonderen Lieblinge und leider viel zu jung verstorbenen Malers, August Macke (1887-1914), aus dieser großartigen Ausstellung zeigen:

Eine Ausstellung, die sich wirklich lohnt. Viele der gezeigten Werke waren seit langem nicht mehr öffentlich zu sehen, außerdem gibt es einen speziell dem Almanach (Jahrbuch) gewidmeten Raum, in dem eine umfangreiche Auswahl an Werken, die im Blauen Reiter Almanach kombiniert wurden, zu sehen sind.

Vom 04. September 2016 bis zum 22. Januar 2017

FONDATION BEYELER
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Tel. 0041 / 61 / 645 97 00

Öffnungszeiten:
Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs: 10.00 bis 20.00 Uhr

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Empfehlenswert ist auch der zur Ausstellung erschienene Katalog im Hatje Cantz Verlag.
Mehr dazu unter Books & More.