Basquiat und Schiele – die Enfants Terrible der Kunstwelt…

Sowohl der österreichische Maler Egon Schiele (1890-1918), als auch der amerikanische Künstler Jean-Michel Basquiat (1960-88) erregten mit ihrem, oft verstörend anmutenden Oeuvre, die Gemüter ihrer Zeit. Die Fondation Louis Vuitton in Paris widmet sich derzeit (bis 14. Januar 2019) mit einer großartigen Gegenüberstellung dem Werk der beiden, viel zu jung verstorbenen Kunstgrößen.

Heute zeigt Arte eine sehenswerte Dokumentation über Jean-Michel Basquiat (1960-88), dem die Frankfurter Schirn in diesem Frühjahr die erste Basquiat-Retrospektive in Deutschland widmete (dort habe ich die gezeigten Fotos gemacht) und am Sonntag wird das Bild eines, wie Basquiat viel zu jung verstorbenen, genialen Künstlers aus Österreich gezeichnet: dem Maler Egon Schiele (1890-1918).

Jean-Michel Basqiuat war der erste afroamerikanische Künstler, der sich im überwiegend weißen amerikanischen Kunstmarkt etablieren konnte. Schon früh interessierte er sich für Kunst, war Dauergast in den Museen New Yorks und fing im Teenageralter an, seine Gedichte in den Straßen der Stadt auf Wänden zu verewigen. Gemeinsam mit seinem Freund Al Diaz nannten sie sich Samo, entstanden aus dem Spruch „The same old“, verkürzt auf Streetsprache, eben SAMe Old. Die 1980er waren seine Zeit, er machte Musik in Underground Bands, Seite an Seite mit Stars wie Debbie Harry, und begann schließlich seine Gedanken und Verse in Bildern darzustellen. Der Erfolg kam schnell und machte ihn weltweit einem breiten, kunstgierigen Publikum bekannt. Er ist bis heute einer der jüngsten Teilnehmer der documenta. Wegbegleiter und Idole waren für ihn u.a. Cy Twombly und allen voran Pop Art Ikone Andy Warhol.

Hier noch einige Impressionen der Frankfurter Retrospektive:

Der Expressionist Egon Schiele gehörte neben seinem Förderer Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne. Am 31. Oktober jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. Anlass für einige Museen, sich seinem Werk eingehender zu widmen. Eine der größten Sammlungen hat das Leopold Museum in Wien zu bieten. Die Sonderschau „Egon Schiele – Die Jubiläumsschau. Reloaded“, ist dort noch bis zum 10. März 2019 zu bewundern. Eine weitere große Ausstellung im Belvedere Museum, ebenfalls in Wien, zeigt ab heute „Egon Schiele – Wege einer Sammlung“ bis zum 17. Februar 2019.

Gefördert von seinem Kunstlehrer, wurde Schiele 1906, mit 16 Jahren, an der Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen. 1907 begegnete er Gustav Klimt, der ab da sein Mentor und Förderer wurde. 1911 war seine erste Einzelausstellung in der Wiener Galerie Miethke zu sehen, deren Werke die Nähe zu Klimt nicht verleugnen konnten. In vielen seiner späteren Arbeiten wurden die Grenzerfahrungen zwischen Eros und Tod sehr deutlich. Sujet und Farbwahl wirken teils radikal, teils verstörend auf den Betrachter. Dennoch wer sich die Mühe macht, sich davon nicht einschüchtern zu lassen, sondern hinter die Fassade zu blicken, dem sollte es auch gelingen, in seiner Kunst die Seele des Menschen Schiele zu erkennen. Ein Blick, der sich wirklich lohnt, den was – meines Erachtens – Schiele ehrt, ist die gnadenlose und fast schmerzhafte Ehrlichkeit, mit der er seine Werke zu Papier gebracht hat.

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Happy Birthday, David Hockney!

Heute feiert einer der ganz Großen in der Kunstwelt seinen 80. Geburtstag: Der Brite David Hockney. Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit und ist mit seinem unverkennbaren Werk wirklich einzigartig.

David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery ©starkandartcom
David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery © starkandart.com

Oft der Pop-Art zugerechnet, was er jedoch immer von sich wies, lassen sich bei ihm auch Einflüsse von Matisse, Picasso u. a. zuordnen. Seine Bilder sind realistisch, meist in leuchtenden Farben und lassen sich, kennt man beispielsweise die Motive seiner Heimat in Yorkshire, wunderbar nachempfinden.

Hockney studierte mit Weggefährten wie Regisseur Ridley Scott in London an der Royal Academy of Arts, die im vergangenen Jahr übrigens eine sensationelle Ausstellung mit 82 Porträts + 1 Still-Life zeigte. Wer gerade in Venedig ist, der hat das Glück, noch bis zum 22. Oktober 2017, diese wunderbare Ausstellung dort in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna zu besuchen. Ich hatte sie vergangenen September in London gesehen und war begeistert. Einige Beispiele daraus sind hier zu sehen:


Doch zurück zu Hockney. In den sechziger Jahren zog es ihn nach Kalifornien. Das freiere Leben dort zog ihn an. Er war damals bereits ein bekannter Künstler und experimentierte neben der Malerei auch mit Fotografie. Seine großartigen Gemälde aus dieser Zeit spiegeln die Vorstellungen vom Licht und der Landschaft an der US-Westküste wieder. Dort, in seinem Haus in Los Angeles entstanden auch seine berühmten Swimmingpool-Bilder, die ihn schließlich weltweit bekannt machten. Eines dieser kostbaren Werke hatte ich auf der vergangenen Art Basel gesehen. Es sollte für einen siebenstelligen Betrag den Besitzer wechseln.

Neben seinen Gemälden liebe ich seine Digitalprints. Die Leuchtkraft der Farben, die Sujets und dass er es dem Betrachter ermöglicht, in seine Bilder und die dort zu sehenden Landschaften einzutauchen ist etwas, das nicht vielen Künstlern gelingt.

In jungen Jahren war Hockney ein Rebell, ganz Dandy begann er früh seine Haare platinblond zu färben, was seinen Look unverwechselbar machte, Pop-Artist und Bohemien. Er ist ein Künstler, der mit der Zeit geht und die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks zu nutzen weiß, so entstehen viele seiner Werke heute am Computer oder auf dem iPad.

Die Tate in London ehrte ihn dieses Jahr bereits mit einer umfassenden Retrospektive. Diese ist nun, doppelt so groß, in meinem geliebten Paris, im Centre Pompidou, zu sehen. Bis zum 23. Oktober, hat man dort die Möglichkeit in Hockneys Werk einzutauchen und einen wunderbaren Blick über diese unglaublich schöne Stadt zu genießen. Ich empfehle jedoch, die Tickets vorab zu bestellen, da die Warteschlangen erfahrungsgemäß immer sehr lang sind.

Wer mehr über Hockney und sein Oeuvre erfahren und lernen will, dem kann ich am nächsten Sonntag, 16. Juli, um 17.30 Uhr, eine Dokumentation auf Arte nur wärmstens ans Herz legen. Mehr dazu unter Art & Culture on TV.