Kunstmuseum Basel

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Impressionen der Eingangshalle und dem Über- bzw. „Unter“gang in den Neubau © starkandart.com

Lange hatte ich gespannt auf die Wiedereröffnung des Museums gewartet. Bislang hatte ich auf der Durchreise in Basel immer nur das Hauptgebäude besucht, es aber leider nie in den Neubau geschafft. Umso neugieriger war ich auf das, was sich dort nun bietet.

Vorweg sei gesagt, dass ich schon immer ein Problem mit Monumentalarchitektur hatte. Meines Erachtens dient sie lediglich dazu, den Menschen klein zu machen im erhabenen Angesicht dessen, was um ihn herum ist – allerdings im Bereich Kunst und Kultur ein völlig falscher Ansatz – meiner Meinung nach. Bei einem Museum kann das durch die ausgestellte Kunst aufgehoben werden, wenn das Innere das Äußere überstrahlt. Und das tut es zum Glück im Kunstmuseum Basel und macht einen Besuch dort mit Sicherheit lohnenswert.

Da stand ich nun vor dem Portal, Tickets werden jetzt draussen verkauft, nicht mehr im Eingangsbereich. Als ich über den Innenhof ins Hauptgebäude kam, empfing mich – LEERE. Zuvor war links der Ticketverkauf, rechts hinten der Museumsshop und jetzt: Nichts, außer der farblosen Information. Im Inneren ist nach wie vor alles in Grau/Beige gehalten. Gut, dem war auch zuvor so, aber durch den Ticket- und Shopbereich, kam wenigstens etwas Farbe und durch die Menschen dort, Leben in den Raum. Ich weiß nicht, wie es anderen Besuchern damit geht, aber mich beschlich das Gefühl, als wäre man in einer menschenleeren Bahnhofshalle gelandet. Irgendwie kam ich mir etwas verloren vor.

Doch ich wollte die Barnett Newman-Ausstellung besuchen. Und natürlich die ständige Sammlung in der zweiten Etage, mit allen den wunderbaren Werken von Picasso, Klee, Leger, Modigliani, Mondrian, van Gogh etc. Auf dem Weg dahin begleitete mich trotz der Vorfreude erneut das Gefühl der Leere. Das riesige Treppenhaus wirkt nicht gerade einladend. Zuvor schon fühlte man sich fast erschlagen, doch großformatige Werke an den Wänden lockerten diesen Eindruck auf. Kunst hängt jetzt dort keine mehr. Das beklemmende Gefühl ist zum Glück passé sobald man die hellen und klar gestalteten Ausstellungsräume betritt.

Ich denke, so kontrovers wie Kunst beim Betrachter ankommt, so differenziert ist auch die Meinung über die Gebäude, die sie beherbergen. Was geblieben ist, dass sind auf jeden Fall die zauberhaften und hilfsbereiten Mitarbeiter und allem voran natürlich die großartige Kunst, die es dort in vielfältiger Weise zu bewundern gibt.

Mein Vorschlag fürs Treppenhaus und den Eingangsbereich: Macht die Wände bunter oder Weiß, hängt wieder Bilder und stellt Skulpturen auf und heißt die Besucher im Innenbereich mit Kunst willkommen! Warum gestaltet man diese großen und nüchternen Flächen nicht von Künstlern selbst? Kunst soll einladen, inspirieren, erlebbar sein und vor allem: Freude machen.

Doch nun zum Neubau!

Das Gebäude der Architekten Christ & Gantenbein ist in der Tat sehr beeindruckend. Kann man nicht anders sagen. Dennoch überkam mich auch hier im Innern der Eindruck, etwas erschlagen zu werden von der überdimensionalen kalten grauen Marmorwelt, die einem empfängt.

Geht man vom Hauptgebäude hinab in den Neubau, landet man zunächst in einer riesigen Halle, dem Foyer. Zum Glück belohnt einem in dieser Umgebung u.a. ein farbenfrohes, großformatiges Werk des amerikanischen Künstlers Frank Stella.

Frank Stella
Damascus Gate im Foyer des Kunstmuseums Basel I Neubau © Gina Folly

Natürlich kann man das Museum auch durch den Eingang an der Straße betreten. Was einem vielleicht das Monumentale auf den ersten Blick erspart.

Ganz anders jedoch die Ausstellungsräume: Licht und hell wird zeitgenössischen Künstlern im ersten Obergeschoss für ihre teils großformatigen Werke viel Raum gegeben. Sobald ich die magischen Bilder von meinem Lieblingsmaler, Mark Rothko und all die vielen anderen vom Twombly, Newman bis Warhol gesehen hatte, war ich dann auch wieder mit der Welt versöhnt!

Mein Fazit: Egal, wie man die Architektur der beiden Gebäude empfinden mag,
der großartigen Kunst wegen, sollte man sich einen Besuch im Kunstmuseum nicht entgehen lassen. Und so freue ich mich auch schon auf die Ausstellung „Der figurative Pollock“, die vom 2. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017, im Neubau zu sehen ist.

Kunstmuseum Basel / Galerie der Gegenwart / Neubau
St. Alban-Rheinweg 60
CH-4010 Basel
Öffnungszeiten:
Di., Mi., Fr.- So. 10–18 Uhr
Do. 10–20 Uhr
Mo. geschlossen

 

 

Paul Klee Ausstellung „Irony at Work“, im Centre Pompidou, Paris

Paul Klee - Insula dulcamara. 1938, 481. Zentrum Paul Klee, Bern
Paul Klee – Insula dulcamara. 1938, 481. Zentrum Paul Klee, Bern © starkandart.com

Da das Centre Pompidou zu den Museen gehört, die montags geöffnet sind, habe ich mir die Ausstellung einer meiner Lieblingsmaler, Paul Klee, für den letzten Tag meines Paris Aufenthalts aufgehoben. Unter dem Titel: „Ironie im Werk“ (L’Ironie À L’Œuvre) ist dort eine wunderbare und teils sehr humorvolle Zusammenstellung seiner Arbeiten noch bis zum 1. August 2016, zu sehen.

Klee (1879-1940) war ein musisch hoch begabter Mensch. Zu Beginn seiner Karriere musste er sich entscheiden, ob er seinen Weg als Violinist oder vielleicht doch als Maler gestalten will. Zum Glück hat er sich für das Letztere entschieden.

Die Ausstellung ist in sechs Themenbereiche aufgeteilt und spannt einen weiten Bogen, von satirischen Zeichnungen über seine Begegnungen mit dem Kubismus sowie dem Konstruktivismus über Rückblenden, seiner Begegnung mit Picasso bis hin zu der schwierigen Zeit des Nationalsozialismus, in der er auch seiner Tätigkeit als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf enthoben und als entarteter Künstler deklassiert wurde.

1911 schloß sich Klee der Münchner Kunstvereinigung „Der blaue Reiter“ an. Doch so richtig zur Farbe fand er bei seiner berühmten Tunisreise, die er 1914 zusammen mit den Malern August Macke und Louis Moilliet unternommen hatte. Beeindruckt von dem, was er dort sah, fertigte er unzählige Aquarelle und Zeichnungen, auf denen er seinem Gefühl für Farbe freien Lauf ließ.

1920 wurde er von Walter Gropius ans Bauhaus nach Weimar berufen. Er prägte als Lehrer mit Kollegen wie Wassily Kandinsky, Georg Muche, Lyonel Feininger oder Oskar Schlemmer u. a., das Zeitgeschehen in Sachen Kunst und Stil – die Moderne – entscheidend mit. Von dort ging er 1931 nach Düsseldorf, um an der Kunstakademie zu unterrichten. Im Jahr darauf fand dort eine große Ausstellung Klees mit über 250 Werken statt. Doch seine Kunst gefiel nicht jedem. Und so verließ er 1933 Deutschland unter dem Druck der Nationalsozialisten und ging zurück in sein Geburtsland, die Schweiz, wo er 1940 verstarb.

Klee gehörte zu den wenigen Malern, die ihr Werk kontinuierlich durchnummerierten. Und so kamen im Lauf seines bewegten Lebens über 9000 Werke zusammen, die auch immer wieder von seiner zweiten großen Begabung, der Musik, beeinflusst waren.

„Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, Paul Klee

Unter der Rubrik „Books & More“ gibt es einen tollen Buchtipp zu Klee!

Adresse:
Place Georges-Pompidou, 
75004 Paris, Frankreich
Öffnungszeiten:
Täglich ausser Dienstag, von 11 bis 22 Uhr