Großartige Doku über Vincent van Gogh, auf Arte!

Wahn, Wut oder Wollust? Das Ohr von Vincent van Gogh

Vincent van Gogh, geboren am 30. März 1853 in Groot-Zundert, Niederlande, war einer der größten Künstler überhaupt. Getrieben und auf der Suche nach sich selbst, machte er seinen Weg, der schließlich mit nur 37 Jahren, am 29. Juli 1890, in Auvers-sur-Oise, in Frankreich endete. Innerlich zerrissen und immer wieder von seinen Dämonen geplagt schuf er ein großartiges Oeuvre, das heute in namhaften Museen weltweit zu bewundern ist und dessen Gemälde bei Auktionen und Sammlern in Millionenhöhe gehandelt werden.

Doch was führte den hochintelligenten Maler knapp zwei Jahre vor seinem Tod wirklich dazu, nach Arles in die Provence zu ziehen? Bekannt ist, dass er eine Künstlerkolonie gründen wollte. Der erste und einzige Versuch mit seinem Malerfreund Paul Gauguin scheiterte kläglich. Gauguin verließ im Dezember 1888 in einem Streit das kleine gelbe Haus in Arles – und Vincent van Gogh; in jener Nacht, in der es zu dem folgenschweren Zwischenfall kam und in der sich der verzweifelte Maler das rechte Ohr „abschnitt“.

Doch wie kam es dazu und warum brachte er einen Teil seines Ohrs einem Mädchen in einem Bordell? Auf Arte gibt es dazu heute Abend, um 20.15 Uhr, eine spannende Zeitreise, welche die van Gogh Expertin Bernadette Murphy bei der Spurensuche dessen, was damals geschah, begleitet. Ein Zünglein an der Waage war unter anderem der französische Arzt Dr. Felix Rey, dessen Porträt aktuell in einer fantastischen Ausstellung über die Ikonen der Modernen Kunst in der Fondation Louis Vuitton in Paris zu sehen ist.

Seit mehr als einem Jahrhundert streiten Experten darüber, was tatsächlich in der Nacht des 23. Dezember 1888 in Arles geschah, als sich der Künstler in einem Akt der Verzweiflung das rechte Ohr mit einem Rasiermesser abschnitt und es anschließend einem Mädchen in einem Bordell brachte. Was verrät diese Selbstverstümmelung über van Goghs psychische Verfassung? Und, schnitt er sich wirklich das ganze Ohr ab? Wer war die geheimnisvolle Prostituierte, die das Ohr offenbar entgegengenommen hatte?
Nach dem Vorfall versuchten einige, die Angelegenheit zu vertuschen: Van Goghs eigene Familie beispielsweise zerstörte kompromittierende Dokumente.

In akribischer Recherchearbeit trug die britische Autorin Bernadette Murphy, die in der Provence lebt, fünf Jahre lang die Puzzleteilchen zusammen, die van Goghs Leben in Arles in den Jahren 1888 und 1889 rekonstruieren. In minuziösen Nachforschungen förderte sie eine ganze Kette von Beweisen zutage, aus denen hervorgeht, was in jener Nacht geschah und wer alles mit diesen Vorkommnissen in Zusammenhang steht. Der Dokumentarfilm beleuchtet van Goghs Aufenthalt in Arles in seinem berühmten gelben Haus, die Menschen, die dem Fremden feindlich oder wohlgesonnen gestimmt waren, seinen unbändigen Schaffensrausch und Paul Gauguins Besuch, der einen Wendepunkt in van Goghs Leben darstellte. Auf der Grundlage von Murphys Forschungen und anhand der Werke des Malers wird das Arles des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder lebendig.

Eine Dokumentation die ich wärmstens empfehlen kann. Ein spannender Kunstkrimi mit  überraschendem Ausgang.

Filmtipp: Paula – Mein Leben soll ein Fest sein

Wie es scheint, hat das Kino die Künstler und ihr Leben entdeckt! Nachdem im November ein Biopic über den österreichischen Maler Egon Schiele angelaufen ist, startet am 15. Dezember 2016, ein Film über die deutsche Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907).

Carla Juri spielt die Künstlerin, frech, leicht und unbefangen. Sie zeichnet den Weg von den Sommer-Malkursen in der Künstlerkolonie Worpswede, wo Paula Becker ihren Mann, den Maler Otto Modersohn kennenlernt, bis hin zu ihrem Studienaufenthalt in Paris.

Entstanden ist ein unterhaltsamer Film, der zwar nicht zwingend etwas mit dem wirklichen Leben der Künstlerin gemein hat, aber das war laut Regisseur Christian Schwochow auch nicht beabsichtigt.

Und noch ein Tipp für Fans der Malerin: 

Vom 04. Februar bis zum 1. Mai 2017 zeigt das Bucerius Kunst Forum in Hamburg die Ausstellung: Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne

Dort sind u.a. auch Werke der Künstlern zu sehen, die im oben genannten Film in der Entstehung gezeigt wurden. Einen kleinen Appetithappen gibt es hier:

Die Ausstellung bildet den Auftakt einer Trilogie der Moderne im Bucerius Kunst Forum in den Jahren 2017 und 2018. Paula Modersohn-Becker (1876–1907) gehörte der Generation zwischen den Spätimpressionisten und den Expressionisten an. Ihr malerisches Werk behauptete sich in einem Moment, in dem die Kunst in Deutschland eine kleine Pause machte. Allein auf sich gestellt, holte sie sich ihre Anregungen aus Paris. Modersohn-Becker griff zwar Figuren aus ihrer heimatlichen Umgebung Worpswede auf, hat sie aber unter dem Eindruck ihrer umfassenden Pariser Kunsterfahrungen deutlich entschlackt, von allem Heimatlichen, von Folklore und „Stimmung“ befreit und in archetypische Konstellationen überführt. Damit erreichte sie in der Figurenmalerei nach Hans von Marées und Paul Gauguin eine neue avantgardistische Position.

Eine Ausstellung, die sich auf jeden Fall zum Vormerken und besuchen lohnt.

Vom 04. Februar bis zum 1. Mai 2017

Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne

Bucerius Kunst Forum gGmbh
Rathausmarkt 2

20095 Hamburg
Telefon: +49 / 40 / 36 09 96-0

Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr