Der Bildhauer Constantin Brancusi

Jedes Mal, wenn ich in Paris vor dem Centre Pompidou stehe, nehme ich mir vor, endlich einmal das Atelier des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brancusi (1876-1957) zu besuchen. Ich habe schon so viel von ihm gesehen und über ihn gelesen, aber dennoch bin ich nach den Ausstellungen im Beaubourg meist zu platt, um dann noch ins Atelier Brancusi zu gehen. Brancusi vermachte sein komplettes Studio dem französischen Staat. Eine genaue Rekonstruktion dessen wurde 1997 vor dem Centre Pompidou in Paris erbaut und ist heute Besuchern zugänglich.

Skulpturen - Constantin Brancusi
Constantin Brancusi, Variation der „Muse endormie“ © Artline Films

Arte zeigt morgen früh eine preisgekrönte, halbstündige Doku über den Bildhauer, die sich wirklich anzuschauen lohnt! Man erfährt viel über den Künstler und sein Oeuvre. Mehr dazu unter Art & Culture on TV

 

Happy Birthday, David Hockney!

Heute feiert einer der ganz Großen in der Kunstwelt seinen 80. Geburtstag: Der Brite David Hockney. Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit und ist mit seinem unverkennbaren Werk wirklich einzigartig.

David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery ©starkandartcom
David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery © starkandart.com

Oft der Pop-Art zugerechnet, was er jedoch immer von sich wies, lassen sich bei ihm auch Einflüsse von Matisse, Picasso u. a. zuordnen. Seine Bilder sind realistisch, meist in leuchtenden Farben und lassen sich, kennt man beispielsweise die Motive seiner Heimat in Yorkshire, wunderbar nachempfinden.

Hockney studierte mit Weggefährten wie Regisseur Ridley Scott in London an der Royal Academy of Arts, die im vergangenen Jahr übrigens eine sensationelle Ausstellung mit 82 Porträts + 1 Still-Life zeigte. Wer gerade in Venedig ist, der hat das Glück, noch bis zum 22. Oktober 2017, diese wunderbare Ausstellung dort in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna zu besuchen. Ich hatte sie vergangenen September in London gesehen und war begeistert. Einige Beispiele daraus sind hier zu sehen:


Doch zurück zu Hockney. In den sechziger Jahren zog es ihn nach Kalifornien. Das freiere Leben dort zog ihn an. Er war damals bereits ein bekannter Künstler und experimentierte neben der Malerei auch mit Fotografie. Seine großartigen Gemälde aus dieser Zeit spiegeln die Vorstellungen vom Licht und der Landschaft an der US-Westküste wieder. Dort, in seinem Haus in Los Angeles entstanden auch seine berühmten Swimmingpool-Bilder, die ihn schließlich weltweit bekannt machten. Eines dieser kostbaren Werke hatte ich auf der vergangenen Art Basel gesehen. Es sollte für einen siebenstelligen Betrag den Besitzer wechseln.

Neben seinen Gemälden liebe ich seine Digitalprints. Die Leuchtkraft der Farben, die Sujets und dass er es dem Betrachter ermöglicht, in seine Bilder und die dort zu sehenden Landschaften einzutauchen ist etwas, das nicht vielen Künstlern gelingt.

In jungen Jahren war Hockney ein Rebell, ganz Dandy begann er früh seine Haare platinblond zu färben, was seinen Look unverwechselbar machte, Pop-Artist und Bohemien. Er ist ein Künstler, der mit der Zeit geht und die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks zu nutzen weiß, so entstehen viele seiner Werke heute am Computer oder auf dem iPad.

Die Tate in London ehrte ihn dieses Jahr bereits mit einer umfassenden Retrospektive. Diese ist nun, doppelt so groß, in meinem geliebten Paris, im Centre Pompidou, zu sehen. Bis zum 23. Oktober, hat man dort die Möglichkeit in Hockneys Werk einzutauchen und einen wunderbaren Blick über diese unglaublich schöne Stadt zu genießen. Ich empfehle jedoch, die Tickets vorab zu bestellen, da die Warteschlangen erfahrungsgemäß immer sehr lang sind.

Wer mehr über Hockney und sein Oeuvre erfahren und lernen will, dem kann ich am nächsten Sonntag, 16. Juli, um 17.30 Uhr, eine Dokumentation auf Arte nur wärmstens ans Herz legen. Mehr dazu unter Art & Culture on TV.

„Entdecken durch Verhüllen“ – „Christo & Jeanne-Claude“ in der kunsthalle messmer in Riegel – noch bis 18. Juni 2017!

Große Kunst findet oft im Kleinen statt. Gekonnt vermittelt das seit Jahren Jürgen A. Messmer mit seiner idyllisch gelegenen kunsthalle messmer in einer alten Brauerei. Dabei hat er keine Scheu vor großen Namen und macht diese kunst- und kulturinteressierten Besuchern im südlichen Breisgau in Riegel am Kaiserstuhl, zugänglich. Ein Leckerbissen ganz besonderer Art ist derzeit die Ausstellung mit rund 100 Objekten, Zeichnungen und Collagen vom Meister der Verhüllung: Christo & Jeanne-Claude.

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Verhüllter Pont-Neuf, 1995, Paris. Foto: Wolfgang Volz © CHRISTO

Der als Christo Wladimirow Jawaschew am 13. Juni 1935 in Bulgarien geborene Künstler gewann mit seinen spektakulären Aktionen und Inszenierungen weltweit großes Ansehen. Jüngstes Objekt waren die im vergangenen Jahr geschaffenen, wunderschönen „Floating Piers“ auf dem Lago D’Iseo, in Italien.

 

Untrennbar mit Christo verbunden ist seine Frau Jeanne-Claude. Sie war die Liebe seines Lebens und teilte seine Leidenschaft und die Hingabe zur Kunst. Wie er wurde auch sie am 13. Juni 1935 geboren, verstarb jedoch bereits im November 2009 in New York. Beide lernten sich 1958 in Paris kennen. Im Lauf ihres gemeinsamen Lebens entwickelten sie zahlreiche spektakuläre Projekte rund um den Globus. Fällt sein Name, wird auch immer der von Jeanne-Claude genannt, vereint in alle Ewigkeit.

Wichtig für ihn: Er ist KEIN Verpackungskünstler. Er verhüllt und gibt dem, was dann nur zu erahnen ist, damit eine ganz besondere Dimension. „Offenbaren durch Verbergen“, wie Kunstkritiker und Journalist David Bourdon es treffend beschreibt. Christos Karriere kam Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre in Paris in Fahrt. Erste Verhüllungsobjekte waren damals ganz gewöhnliche Alltagsgegenstände wie Dosen, Flaschen, Stühle – einfach alles, was er finden konnte. Ende der Sechziger Jahre wurden die verhüllten Objekte größer, das erste Gebäude, dass unter seinen Stoffbahnen verschwand, war die Kunsthalle Bern im Jahr 1968. Es folgten „The Umbrellas“, 1980-83, in Kalifornien und Japan, der verhüllte Reichstag in Berlin, 1995 oder „The Gates“, 2005, im Central Park, New York, um nur einige zu nennen.

Das Besondere an Christos & Jeanne-Claudes Oeuvre ist für mich die absolute Unabhängigkeit des Künstlers. Er legt Wert darauf, alles selbst zu finanzieren. Dies geschieht unter anderem durch die Verkäufe von Skizzen, Zeichnungen etc. Was nach Beendigung einer Aktion übrig bleibt, wird ebenso verkauft oder recycelt. Allem voran steht der Gedanke der Nachhaltigkeit.

Die Ausstellung zeigt einige Raritäten neben wunderbaren Fotografien, u. a. vom Berliner Reichstag, 1995, von Wolfgang Volz, der auch als Projektmanager für Christo tätig war. Aktionen wie der verhüllte Reichstag in Berlin waren und sind eine logistische Herausforderung. Die Vorbereitungen dafür begannen bereits 1971, bis zur endgültigen Verhüllung 1995. Die Stoffe für seine Objekte werden übrigens in Deutschland hergestellt.

Das nächste Projekt, dass der Künstler in Planung hat, ist eine Mastaba. Standort Abu Dhabi. Sie soll sein Vermächtnis werden. Wer aber nicht bis zur Fertigstellung dessen warten will, dem empfehle ich einen Besuch in Riegel in der kunsthalle messmer. Der Südwesten Deutschlands lohnt sich immer, befindet er sich doch im Goldenen Dreieck mit der Schweiz und Frankreich – verbunden mit zahlreichen Museen, spektakulären Ausstellung und Vielem mehr.

Und für Picasso Fans wie mich, gibt es ab dem 24. Juni auch gleich die nächste großartige Ausstellung in der kunsthalle messmer: Picasso und die Frauen.

kunsthalle messmer
Grossherzog-Leopold-Platz 1
79359 Riegel am Kaiserstuhl
Tel.: +49 (0) 7642 / 92 01 62 – 0
info@kunsthallemessmer.de
Öffnungszeiten: Di. – So., 10.00 – 17.00 Uhr

 

Happy Birthday, Cy Twombly!

Twombly (25. April 1928, in den USA) gehört schon seit langem zu meinem Lieblingskünstlern. Die einen mögen seine Kunst zwar als großformatiges Gekritzel sehen, andere jedoch entdecken darin – wie ich – die besondere Poesie, die immer wieder aus seinen Werken spricht. Egal, ob es seine Gemälde sind oder die wunderbaren Fotografien, stets mit einem Hauch Unschärfe, die einen wie aus der Zeit gerückt erscheinen. Für mich ist er der Poet unter den Malern.

Sein Oeuvre wird dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus zugerechnet. Wichtige Vertreter dieser Stilrichtung sind beispielsweise Jackson Pollock, Robert Motherwell, Jasper Johns oder Franz Kline. Einer seiner Freunde und Weggefährten war Robert Rauschenberg. Sie hatten sich Anfang der Fünfziger Jahre an einem College in den USA kennengelernt und lange ein Atelier miteinander geteilt.

Wenngleich Twomblys Werk meines Erachtens subtiler und leichter ist. Manchmal erinnern sie an wilde Kritzeleien, dennoch üben sie eine besondere Magie auf den Betrachter aus, wie man anhand der vorgestellten Bilder erkennen kann. Die vier unten entstammen den „Nine Discourses on Commodus“, entstanden im Jahr 1963, kurz nach der Ermordung John F. Kennedys. Sie sollen an unterschiedliche Episoden im Leben und Tod des Römischen Kaisers Commodus (161-192) mit all seiner Tragik, den Höhen und Tiefen erinnern. Leider hatte ich nicht alle fotografiert, aber ich hoffe, dass anhand des Gezeigten in etwa die Komplexität von Twomblys Ansinnen zu erkennen ist.

Das Centre Pompidou in Paris widmete dem im Juli 2011, in seiner Wahlheimat Rom verstorbenen Künstler, vom 30. November 2016 bis zum 24. April 2017, eine große Ausstellung. Ich hatte das Glück, im Dezember in seine Welt eintauchen zu können und freue mich, nun einige seiner Werke heute, an seinem Geburtstag, mit euch zu teilen.

3 tolle TV-Tipps in Sachen Kunst

Auf Arte gibt es heute (und in der Arte Mediathek) drei sehr unterschiedlich gelagerte, aber sehenswerte Beiträge. Es beginnt mit der ersten Folge der vierteiligen Dokureihe über Künstlerinnen. Auftakt macht die Amerikanerin Kiki Smith, dann folgt eine großartige Doku über den niederländischen Maler Jan Vermeer van Delf und zum Schluß noch eine Dokumentation über den polarisierenden deutschen Maler Otto Dix, mehr unter Arts & Culture on TV

Happy Birthday, Gerhard Richter!

Einer der bedeutendsten deutschen Künstler feiert heute, am 09. Februar 2017, seinen 85. Geburtstag. Er arbeitet als Maler, Bildhauer und Fotograf und seine verkauften Werke gehören auf dem Kunstmarkt mit zu den teuersten eines lebenden Künstlers.

Richter, Jahrgang 1932, wuchs im damaligen Ostdeutschland in der Oberlausitz auf und begann zunächst als Bühnen- und Werbemaler zu arbeiten. 1961 dann die Flucht in den Westen, wo er bis 1964 an der Kunstakademie Düsseldorf studierte. Dort erhielt er auch wenige Jahre später, 1971, eine Professur für Malerei. Die behielt er bis 1993.

Doch was wirklich heraussticht, ist sein einzigartiges Oeuvre – weltweit geachtet und in schwindelerregenden Summen gehandelt, in den namhaftesten Galerien und Museen zu bewundern und vom Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken. Zwei Stile Richters die mir besonders zusagen, sind seine fotografisch nachgemalten Bilder – meines Erachtens sehr poetisch (siehe oben) – und seine großformatigen Werke, die mit Ölfarbe und Rakel auf die Leinwand aufgebracht werden (siehe unten).

Wer mehr über den Meister und seine Arbeit erfahren will, der kommt noch bis Dienstag, 14. Februar, auf Arte unter diesem Link in den Genuss einer großartigen Dokumentation: Gerhard Richter auf ARTE.

Filmtipp: Paula – Mein Leben soll ein Fest sein – Mit Nikolaus-Verlosung!

Wie es scheint, hat das Kino die Künstler und ihr Leben entdeckt! Nachdem im November ein Biopic über den österreichischen Maler Egon Schiele angelaufen ist, startet am 15. Dezember 2016, ein Film über die deutsche Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907).

Carla Juri spielt die Künstlerin, frech, leicht und unbefangen. Sie zeichnet den Weg von den Sommer-Malkursen in der Künstlerkolonie Worpswede, wo Paula Becker ihren Mann, den Maler Otto Modersohn kennenlernt, bis hin zu ihrem Studienaufenthalt in Paris.

Entstanden ist ein unterhaltsamer Film, der zwar nicht zwingend etwas mit dem wirklichen Leben der Künstlerin gemein hat, aber das war laut Regisseur Christian Schwochow auch nicht beabsichtigt.

Wer Lust auf einen Ausflug in die Welt des Fin de Siècle, nach Worpswede und Paris und das teils harte Leben einer ambitionierten Malerin bekommen hat, kann Eintrittskarten gewinnen. Pandora Film hat 2 x 2 Karten zur Verfügung gestellt. Sie sind bundesweit einsetzbar. Einen kleinen Vorgeschmack auf den Film sehen Sie hier…

Wer bis Montag, 12.12.2016, 24 Uhr, Einsendeschluss, die folgende Frage richtig beantwortet, hat die Chance auf einen lauschigen Kinoabend: 

Wie heißt die norddeutsche Künstlerkolonie nahe Bremen, in der die Karriere von Paula Modersohn-Becker ihren Anfang nahm? – Kleiner Tipp: Steht im Beitrag!

Die richtige Antwort geht an: info@starketexte.deViel Glück! 🍀

Wichtig: Die Anschrift nicht vergessen! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Gewinner werden umgehend benachrichtigt und die Karten per Post zugesandt.

Und noch ein kleiner Hinweis für Fans der Malerin: 

Vom 04. Februar bis zum 1. Mai 2017 zeigt das Bucerius Kunst Forum in Hamburg die Ausstellung: Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne

Dort sind u.a. auch Werke der Künstlern zu sehen, die im oben genannten Film in der Entstehung gezeigt wurden. Einen kleinen Appetithappen gibt es hier:

Die Ausstellung bildet den Auftakt einer Trilogie der Moderne im Bucerius Kunst Forum in den Jahren 2017 und 2018. Paula Modersohn-Becker (1876–1907) gehörte der Generation zwischen den Spätimpressionisten und den Expressionisten an. Ihr malerisches Werk behauptete sich in einem Moment, in dem die Kunst in Deutschland eine kleine Pause machte. Allein auf sich gestellt, holte sie sich ihre Anregungen aus Paris. Modersohn-Becker griff zwar Figuren aus ihrer heimatlichen Umgebung Worpswede auf, hat sie aber unter dem Eindruck ihrer umfassenden Pariser Kunsterfahrungen deutlich entschlackt, von allem Heimatlichen, von Folklore und „Stimmung“ befreit und in archetypische Konstellationen überführt. Damit erreichte sie in der Figurenmalerei nach Hans von Marées und Paul Gauguin eine neue avantgardistische Position.

Eine Ausstellung, die sich auf jeden Fall zum Vormerken und besuchen lohnt.

Vom 04. Februar bis zum 1. Mai 2017

Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne

Bucerius Kunst Forum gGmbh
Rathausmarkt 2

20095 Hamburg
Telefon: +49 / 40 / 36 09 96-0

Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr