Doku über Bernard Buffet

Der wilde Maler 

Am Sonntag, 06. November, um 17.35 Uhr, zeigt Arte eine Dokumentation über einen aussergewöhnlichen Künstler, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist: Bernard Buffet (1928-1999). Sein prägnanter Strich und sein unverkennbarer Stil waren sein Markenzeichen und hatten einen hohen Wiedererkennungswert. Kaum ein Künstler hat einen derartigen Aufstieg und anschließend so tiefen Fall erlebt wie er. Er galt in Frankreich als einer der bedeutendsten Maler der Nachkriegszeit, was er in der Tat war. Buffet genoss seinen Ruhm, war eine Figur des Jetsets und wurde als legitimer Nachfolger von Jahrhundertkünstler Pablo Picasso bezeichnet, bevor sich die Kunstwelt mehr und mehr von ihm abwandte.

Immerhin war der japanische Sammler Kiichiro Okano von Buffets Werk so begeistert, dass er ihm zu Ehren ein Museum gebaut hat. Es wurde 1973 eröffnet und liegt in der Präfektur Shizuoka-ken. Buffets Sohn Nicolas sowie sein zeitweiliger Lebensgefährte Pierre Bergé (dieser wandte sich dem jungen Yves Saint Laurent zu und war ab dann bis zu dessen Tod mit ihm zusammen) geben Einblick in das Leben und Wirken eines lange verkannten Künstlers, der als Vorläufer der Pop-Art gilt.

ARTE zeigt die Doku anlässlich der Ausstellung, die das Musée d’Art Moderne de Paris noch bis zum 26. Februar 2017 zeigt.

Die Sendung ist im Anschluss an die Ausstrahlung bis zum 05. Januar 2017 in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur abrufbar. Dort ist übrigens noch eine weitere absolut sehenswerte Dokumentation zu sehen, die ich allen, die Interesse an Kunst und am Kunstmarkt haben empfehlen kann: GELD MACHT KUNST. Sie ist bis zum 17. Januar in der Arte Mediathek zu finden oder eben hier.

Ein paar Gedanken zu Pablo Picasso

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Pablo Picasso, Detail eines Porträts, fotografiert auf der Art Basel 2014 © starkandart.com

Am 25. Oktober 1881, wurde der Jahrhundertkünstler in Málaga, Spanien, geboren. Ob er sein Talent von seinem Vater, einem Maler und Kunstlehrer in die Wiege gelegt bekam? Bereits als Kind begann er, auch unter Anleitung seines Vaters, zu malen. Mit 14 wurde er in Barcelona an der Kunstakademie aufgenommen. Um die Jahrhundertwende zog es ihn das erste Mal nach Paris, wo er im Lauf der Zeit auf die anderen großen Lichtgestalten der Malerei traf.

Der Rest ist Geschichte.

Der Künstler Picasso erfand sich immer wieder neu – auch dank seiner endlosen Frauengeschichten, die ihm stets Modell und Muse waren. Trotz seiner vielen abstrakten Frauenporträts weiß man immer sofort, wer auf dem Gemälde dargestellt ist. Ob es Olga, seine erste Ehefrau oder Jaqueline, seine zweite und letzte war – und all die anderen dazwischen, mit denen er eine innige Verbundenheit und auch einige Kinder hatte.

Zu seinen bekanntesten Gemälden zählt sicherlich „Les Desmoiselles D’Avignon“, 1907, ein kubistisch geprägtes Bild aus seiner Rosa Periode, zu dem es auch unzählige Studien gibt, einige sind im Musée Piscasso in Paris zu bewundern:

Das Werk selbst hängt im Museum of Modern Art in New York. Oder Guernica, 1937. Sein Protest gegen das deutsche Bombardement der gleichnamigen nordspanischen Stadt, das selbige in Schutt und Asche legte. Das Werk wurde für die Pariser Weltausstellung im Jahr 1937 gemalt und dessen Entstehung von der Fotografin Dora Maar dokumentiert. Picasso verfügte, dass das Bild dem spanischen Staat geschenkt werden soll – allerdings erst, wenn dort wieder eine Demokratie als Staatsform ist. Nachdem es um die Welt tourte verblieb es bis zur Rückkehr nach Spanien ebenfalls im Museum of Modern Art in New York. Seit 1992 ist es im Museo Reina Sofia in Madrid zu bewundern. Und dort wird es auch bleiben.

Man kann viel über den kleinen Mann mit dem intensiven Blick sagen, aber ich will lieber seine Kunst sprechen lassen. Mit ein paar Bildern, die ich über die Jahre in diversen Museen und auf Kunstmessen fotografiert habe. Pablo Picasso verstarb am 8. April 1973 im Alter von 92 Jahren in Mougins, Frankreich. Er hinterließ unzählige Werke, Bilder, Skulpturen, Keramikarbeiten etc. Und einige Weisheiten, die zum Nachdenken anregen.

Mit einem meiner Lieblingssätze will ich schließen:

„Kunst wäscht den Staub des Alltag von der Seele.“

Auf dass viele Sorgen und so mancher Kummer beim Betrachten von Kunst – ob von Picasso oder anderen – weggewaschen werden und die Seele wieder atmen kann…

Kunstmuseum Basel

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Impressionen der Eingangshalle und dem Über- bzw. „Unter“gang in den Neubau © starkandart.com

Lange hatte ich gespannt auf die Wiedereröffnung des Museums gewartet. Bislang hatte ich auf der Durchreise in Basel immer nur das Hauptgebäude besucht, es aber leider nie in den Neubau geschafft. Umso neugieriger war ich auf das, was sich dort nun bietet.

Vorweg sei gesagt, dass ich schon immer ein Problem mit Monumentalarchitektur hatte. Meines Erachtens dient sie lediglich dazu, den Menschen klein zu machen im erhabenen Angesicht dessen, was um ihn herum ist – allerdings im Bereich Kunst und Kultur ein völlig falscher Ansatz – meiner Meinung nach. Bei einem Museum kann das durch die ausgestellte Kunst aufgehoben werden, wenn das Innere das Äußere überstrahlt. Und das tut es zum Glück im Kunstmuseum Basel und macht einen Besuch dort mit Sicherheit lohnenswert.

Da stand ich nun vor dem Portal, Tickets werden jetzt draussen verkauft, nicht mehr im Eingangsbereich. Als ich über den Innenhof ins Hauptgebäude kam, empfing mich – LEERE. Zuvor war links der Ticketverkauf, rechts hinten der Museumsshop und jetzt: Nichts, außer der farblosen Information. Im Inneren ist nach wie vor alles in Grau/Beige gehalten. Gut, dem war auch zuvor so, aber durch den Ticket- und Shopbereich, kam wenigstens etwas Farbe und durch die Menschen dort, Leben in den Raum. Ich weiß nicht, wie es anderen Besuchern damit geht, aber mich beschlich das Gefühl, als wäre man in einer menschenleeren Bahnhofshalle gelandet. Irgendwie kam ich mir etwas verloren vor.

Doch ich wollte die Barnett Newman-Ausstellung besuchen. Und natürlich die ständige Sammlung in der zweiten Etage, mit allen den wunderbaren Werken von Picasso, Klee, Leger, Modigliani, Mondrian, van Gogh etc. Auf dem Weg dahin begleitete mich trotz der Vorfreude erneut das Gefühl der Leere. Das riesige Treppenhaus wirkt nicht gerade einladend. Zuvor schon fühlte man sich fast erschlagen, doch großformatige Werke an den Wänden lockerten diesen Eindruck auf. Kunst hängt jetzt dort keine mehr. Das beklemmende Gefühl ist zum Glück passé sobald man die hellen und klar gestalteten Ausstellungsräume betritt.

Ich denke, so kontrovers wie Kunst beim Betrachter ankommt, so differenziert ist auch die Meinung über die Gebäude, die sie beherbergen. Was geblieben ist, dass sind auf jeden Fall die zauberhaften und hilfsbereiten Mitarbeiter und allem voran natürlich die großartige Kunst, die es dort in vielfältiger Weise zu bewundern gibt.

Mein Vorschlag fürs Treppenhaus und den Eingangsbereich: Macht die Wände bunter oder Weiß, hängt wieder Bilder und stellt Skulpturen auf und heißt die Besucher im Innenbereich mit Kunst willkommen! Warum gestaltet man diese großen und nüchternen Flächen nicht von Künstlern selbst? Kunst soll einladen, inspirieren, erlebbar sein und vor allem: Freude machen.

Doch nun zum Neubau!

Das Gebäude der Architekten Christ & Gantenbein ist in der Tat sehr beeindruckend. Kann man nicht anders sagen. Dennoch überkam mich auch hier im Innern der Eindruck, etwas erschlagen zu werden von der überdimensionalen kalten grauen Marmorwelt, die einem empfängt.

Geht man vom Hauptgebäude hinab in den Neubau, landet man zunächst in einer riesigen Halle, dem Foyer. Zum Glück belohnt einem in dieser Umgebung u.a. ein farbenfrohes, großformatiges Werk des amerikanischen Künstlers Frank Stella.

Frank Stella
Damascus Gate im Foyer des Kunstmuseums Basel I Neubau © Gina Folly

Natürlich kann man das Museum auch durch den Eingang an der Straße betreten. Was einem vielleicht das Monumentale auf den ersten Blick erspart.

Ganz anders jedoch die Ausstellungsräume: Licht und hell wird zeitgenössischen Künstlern im ersten Obergeschoss für ihre teils großformatigen Werke viel Raum gegeben. Sobald ich die magischen Bilder von meinem Lieblingsmaler, Mark Rothko und all die vielen anderen vom Twombly, Newman bis Warhol gesehen hatte, war ich dann auch wieder mit der Welt versöhnt!

Mein Fazit: Egal, wie man die Architektur der beiden Gebäude empfinden mag,
der großartigen Kunst wegen, sollte man sich einen Besuch im Kunstmuseum nicht entgehen lassen. Und so freue ich mich auch schon auf die Ausstellung „Der figurative Pollock“, die vom 2. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017, im Neubau zu sehen ist.

Kunstmuseum Basel / Galerie der Gegenwart / Neubau
St. Alban-Rheinweg 60
CH-4010 Basel
Öffnungszeiten:
Di., Mi., Fr.- So. 10–18 Uhr
Do. 10–20 Uhr
Mo. geschlossen

 

 

Sculpture on the Move 1946–2016 Kunstmuseum Basel

Ellsworth Kelly; Blue Red Rocker; 1963
Ellsworth Kelly, Blue Red Rocker, 1963 (185 x 101 x 155 cm; Bemaltes Aluminium) – Collection Stedelijk Museum Amsterdam © Ellsworth Kelly

Als ich Ende Juli in meiner Heimat im Süden weilte, nutzte ich die Gelegenheit vor meinem Rückflug einen Museumsstop in Basel einzulegen. Die schöne Stadt im Dreiländereck hat viel zu bieten. Vor allem eine Menge Kunst! Ich nenne es das Goldene Dreieck, da in dieser Region wirklich großartige Museen beheimatet sind. Und ausserdem findet dort auch mein jährliches Highlight statt: Die Art Basel. Aber, ich will nicht abschweifen, kommen wir zu „Sculpture on the Move 1946–2016“ im Kunstmuseum Basel. Die von Bernhard Mendes Bürgi kuratierte Ausstellung ist noch bis zum 18. September 2016, im Neubau des Museums zu besichtigen.

Bei Skulpturen tue ich mich manchmal etwas schwer. Mitunter mag es helfen, wenn man eine Erklärung dafür bekommt, was der Erschaffer damit ausdrücken wollte, aber ich finde, Kunstwerke sollten die Kraft haben für sich zu sprechen und zu berühren. Tun sie das nicht, muss ich auch nicht länger darüber nachdenken oder auf der Suche nach einem Zugang davor verweilen – und so habe ich bis heute keinen zu Beuys und einigen seiner Kollegen gefunden. Dafür beeindrucken mich Künstler wie Max Bill, Richard Serra, Ellsworth Kelly, Alexander Calder oder einer meiner Lieblinge, Jeff Koons, mit ihrer Fantasie und der Leichtigkeit, die sie ihren Werken und den dafür verwendeten Materialien abtrotzen.

Start der Ausstellung ist im zweiten Obergeschoss. Ich hatte unten angefangen und mich nach oben durchgearbeitet. Resümierend empfehle ich tatsächlich oben zu beginnen, da man für das, was unten zu finden ist, eher die chronologischen Zusammenhänge erkennt.

Die ausgestellten Werke konzentrieren sich auf das künstlerische Medium der Skulptur vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute. Im oberen Bereich sind Spätwerke von Constantin Brancusi und Alberto Giacometti zu finden. Des Weiteren werden dort in einer weitmaschigen Chronologie und unter wechselnden Gesichtspunkten exemplarisch wichtige Werke der 1940er bis 1970er Jahre gezeigt. Von Alexander Calder, Hans Arp, Max Bill, Henry Moore, Louise Bourgeois, Pablo Picasso, Eduardo Chillida, David Smith, Jean Tinguely, Claes Oldenburg, Duane Hanson, John Chamberlain, Donald Judd, Carl Andre, Joseph Beuys, Mario Merz, Bruce Nauman, Eva Hesse, Richard Serra und Robert Smithson.

Im Erdgeschoss wird den Skulpturen der 1980er Jahre, wie schon im oberen Bereich in heller, lichter Umgebung, sehr viel Raum gegeben. Unter anderem sind Werke von Peter Fischli und David Weiss, Robert Gober, Charles Ray, Mike Kelley, Jeff Koons, Katharina Fritsch, Franz West zu bewundern. Die Ausstellung endet im Kunstmuseum Basel / Gegenwart mit wichtigen Exponaten der 1990er-Jahre bis heute. Zu sehen sind Skulpturen u. a. von Gabriel Orozco, Matthew Barney, Absalon, Damien Hirst, Danh Vo, Monika Sosnowska und Oscar Tuazon.

Die Sonderausstellung mit ausgewählten Werken aus dem Kunstmuseum Basel und Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen findet anlässlich der Eröffnung des erweiterten Kunstmuseums Basel statt und zeigt die dynamische Entwicklung, wie die klassische Vorstellung und Form von Skulptur in Bewegung gerät.

Und ich muss sagen, das ist durchaus gelungen. Es hat Spass gemacht, sich auf Neues einzulassen und sich über „Alt“ Bewährtes zu erfreuen. Prädikat: Empfehlenswert!

Kunstmuseum Basel, Neubau

St. Alban-Graben 20
CH-4010 Basel
Tel.: +41 61 206 62 62
Öffnungszeiten:
Di., Mi., Fr., Sa., So. 10–18 Uhr
Do. 10–20 Uhr
Mo. geschlossen

 

 

 

 

 

Joan Miró in der kunsthalle messmer, in Riegel am Kaiserstuhl

Am vergangen Sonntag war ich in der Ende Juni eröffneten Ausstellung des spanisch, katalanischen Künstlers Joan Miró (1893-1983). Im idyllischen Riegel am Kaiserstuhl zeigt die kunsthalle messmer noch bis zum 27. November eine umfassende und fantastisch zusammengestellte Auswahl des Multitalents, der als Maler, Bildhauer, Grafiker und Keramiker zu den wichtigsten Vertretern der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts gehört.

Die Kunsthalle befindet sich am südlichen Ortsrand von Riegel in einem ehemaligen Brauereigebäude, umgeben von Kunst, fast mitten im Grünen nahe dem Leopoldskanal und perfekt eingebunden in die Schönheit der südbadischen Landschaft.

Doch bevor ich weiter über meine Heimat Südbaden schwärme, zurück zur Ausstellung: Bereits der Titel „Der leidenschaftliche Malerpoet“ deutet die enge Beziehung Mirós zu Poesie und Dichtung an – was in den gezeigten Bildern überwiegend farbenfroh zum Ausdruck kommt. Zart, spielerisch und verträumt erscheinen die vorgestellten, in zwölf Räume unterteilten Werke seines Œuvres.

Die Schau mit 120 Beispielen seines Schaffens besteht überwiegend aus Grafiken, darunter Originale sowie Lithografien, Radierungen, Fotografien etc. Sie spannt einen Bogen vom Surrealismus der 1930er Jahre bis hin zum eher düsteren Spätwerk des Künstlers und vermittelt einen wunderbaren Eindruck über sein Werk. Mehr über die Ausstellung und Miró finden Sie hier…