Die Seerosen – Claude Monets Vermächtnis, am 11.11.2018 auf Arte

Wer schon einmal in Paris war und die Orangerie in den Tuillerien besucht hat, kommt nicht umhin, Claude Monets Vermächtnis an den französischen Staat zu bewundern: In zwei großen, ovalen Sälen befinden sich übergroße Werke seiner berühmten Seerosenbilder. Es ist ein fast meditatives Erlebnis dort einzutauchen und, falls man gerade einmal so gut wie alleine in einem der Räume ist, dann kann man tatsächlich in der Schönheit der Werke versinken. Monet soll über 300 seiner zauberhaften Seerosenbilder gemalt haben. Für mich gehört ein Besuch in der Orangerie zum Must see eines jeden Paris-Aufenthaltes. Vor einiger Zeit fiel mir im ersten der beiden Säle etwas Besonderes auf. Irgendwie erschien es mir, als ob Monet im hinteren Drittel des Bildes auf der linken Seite ein Gesicht/Porträt versteckt hat (siehe Foto). Ich frage mich, ob es sich vielleicht um das Konterfei von Georges Clemenceau handelt?

Arte zeigt morgen um 16.30 eine Dokumentation, wie es zu dieser Schenkung kam und beleuchtet dabei die lebenslange und tiefe Freundschaft zwischen dem Staatsmann Georges Clemenceau und dem Impressionisten Claude Monet. Mehr unter Art & Culture on TV

Amedeo Modigliani in der Tate Modern, London, vom 23.11.2017 bis 2.4.2018

Die Tate Modern in London zeigt seit dem 23. November 2017 eine große Retrospektive des italienischen Malers Amedeo Modigliani (1884-1920). Schon Monate vorab hatte ich mich darauf gefreut – und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil! Die Ausstellung, kuratiert von Nancy Ireson, Simonetta Fraquelli und Annette King, ist großartig und lässt einem völlig in die Welt dieses Ausnahmetalents eintauchen.

 

Amedeo Modigliani wurde am 12. Juli 1884 in Livorno, Italien geboren. Schon früh macht sich bei ihm das zeichnerische Talent bemerkbar. Dieses vertiefte und verfeinerte er in italienischen Museen durch Studien der Künste, von der Antike bis hin zur Renaissance. Bis es ihn dann 1906, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in den damaligen Nabel der Kunstwelt, nach Paris zog, um dort neue Eindrücke, Techniken und Denkweisen zu erlernen und gewinnen. Er traf Künstler wie Pablo Picasso, Amadeo de Souza-Cardoso, Paul Cézanne, Chaïm Soutine und den Bildhauer Constantin Brâncuși, der 1909 ein Atelier neben dem von Modigliani bezog, und schloss mit einigen von ihnen enge Freundschaften.

 

In seiner Anfangszeit in Paris widmete er sich zunächst der Bildhauerei, ein Raum der Ausstellung ist daher ausschließlich seinen Büsten und Skulpturen gewidmet. Ab 1914 wandte er sich jedoch hauptsächlich der Malerei zu. Seine wunderbaren, für mich auch immer irgendwie melancholischen Porträts und Aktzeichnungen sollten ab dann Geschichte schreiben. Vor allem seine Akte: Denn Modigliani malte die Frauen so, wie die Natur sie schuf, inklusive Schambehaarung! Welch ein Skandal! Es gab zwar schon immer Aktdarstellungen, doch wurden diese stets ohne jegliche Körperbehaarung auf die Leinwand gebannt. Wie obszön die Bilder des Italieners zu jener Zeit auf den Betrachter wirken mussten – und wie wunderschön waren sie anzusehen. Wenn man vor diesen meisterhaften Gemälden steht, erkennt man erst, was für ein grandioser Künstler Modigliani war. Beim Betrachten hat man das Gefühl das, wenn man die Haut bzw. den Körper auf den Bildern berühren, diesen auch spüren könnte. Seine Farbpalette ist sehr vielschichtig und zeigt alle Nuancen an Hauttönen. Einige dieser Werke wirken fast dreidimensional, wenn man sich auf sie einlässt.

 

Gleich zu Beginn der Ausstellung taucht man zunächst in eine Art Orientierungsphase des Malers ein. Seine ersten Jahre in Paris sind unter anderem von Künstlern wie Picasso oder Cézanne beeinflusst. Bei einigen Bildern war ich erstaunt, dass sie von Modigliani waren, sie sahen aus wie Cézannes. Auch in ihrer Farbigkeit: Wie bei Cézanne dominieren in den Werken sowohl Grün- und Blautöne, auch die Anmutung der Motive ähnelt einander.

Als ich in einem Raum mit diversen Porträts stand und mich umschaute, wurde mir nach und nach bewusst, dass Modigliani eigentlich nur mit einer beschränkten Farbpalette malte: Weiß, Schwarz, Blutrot und einem ganz bestimmten Petrolblau und natürlich die Hauttöne. Doch aus diesen Farben hat er das Maximale an Nuancen herausgeholt und seine Figuren zum Leben erweckt. Auch die Ähnlichkeit mit den Porträtierten ist gleich ersichtlich. Eines seiner besonderen Kennzeichen neben den langgezogen Gesichtern, Hälsen etc., sind die „toten“ Augen in seinen Bildern. Obwohl sie nicht so wirken, ist es verwunderlich. „Wenn ich dir in die Seele blicken kann, dann male ich auch deine Augen“, soll er diesbezüglich einmal geäußert haben.

 

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges ging Modigliani, u.a. aus gesundheitlichen Gründen, nach Südfrankreich. Dort teilte er sich ein Haus mit dem Maler Chaïm Soutine. Seine Farbpalette erweiterte sich und die Farben des Midi übernahmen die Regie. In dieser Zeit entstanden wunderbare Kinderporträts und – für Modigliani eher ungewöhnlich – Landschaftsbilder (unten rechts). Insgesamt sind nur vier erhalten bzw. bekannt.

 

Zeitlebens von seiner Lungenkrankheit und später von schweren Alkoholproblemen begleitet, starb Modigliani am 24. Januar 1920 mit nur 35 Jahren in Paris. Nur zwei Tage später stürzte sich seine hochschwangere Frau und Muse Jeanne Hébuterne (oben links) in den Tod. Sie ist auf vielen der in der Ausstellung gezeigten Werke zu sehen.

Ein weiteres Highlight der umfangreichen Ausstellung wartet ziemlich am Schluss des Rundgangs: „The Ochre Atelier“. Mittels Virtual Reality kann man einen Besuch in Modiglianis letztem Studio machen. Die Karten dafür sind umsonst und werden am Eingang der Ausstellung ausgegeben. Da diese aufgrund der Besucheranzahl und der Zeiten begrenzt sind, ist es empfehlenswert, sich diese gleich zu sichern. Einen ersten Vorgeschmack bekommt man hier!

Es ist eine sehr gelungene und in ihren Themenbereichen perfekt aufgebaute Ausstellung. Wer sich vorab über den Maler und seine Akte informieren will, der kann dies bei Arte tun. Unter Art & Culture on TV findet ihr den TV-Tipp zur Dokumentation über Modigliani. Diese ist bis zum 10. März 2018 abrufbar.

Auch den Katalog zur Ausstellung (nur auf Englisch) kann ich wärmstens empfehlen.
Als Paperback kostet er £ 25.00, Hardcover £ 35.00.

TATE MODERN

Bankside
London SE1 9TG

Öffnungszeiten:

Donnerstags bis Sonntag 10.00–18.00

Freitag und Samstag 10.00–22.00

Eintritt (Erwachsene) £ 19.50 – £ 12.50 (inkl. Spende)

 

 

 

 

Handwerk und Poesie – Der Maler Pierre Soulages

Der französische Künstler Pierre Soulages, Jahrgang 1919, gehört zu den letzten lebenden Legenden der abstrakten Kunst. Schwarz ist seine Farbe und wie kaum ein anderer vermag er es, dieser lichtschluckenden Nichtfarbe Intensität und Glanz zu verleihen, wie seine dem Abstrakten zuzuordnenden Werke zeigen. Mit 97 Jahren ist er immer noch voller Schaffensdrang. Ich hatte das Glück, einige seiner beeindruckenden Werke zu sehen, zuletzt das Rot/Schwarze oben bei einer ganz besonderen Ausstellung, der „Tokyo-Paris, Bridgestone Museum of Art, Collection Ishibashi Foundation“, in der Orangerie in Paris.
Auf Arte ist morgen um 17.30 eine wunderbare Doku über diesen Ausnahmekünstler zu sehen. Mehr zur Sendung und dem Maler findet ihr unter Art & Culture on TV

Van Gogh vs. Gauguin – Teil 2 – Künstlerduelle auf Arte

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Künstlerduelle, heute, um 17.35 auf Arte  ZDF / © Wende Varga

Heute, um 17.35 Uhr, auf ARTE, folgt der zweite Teil, der Dokureihe „Künstlerduelle“.
Zwei der großartigsten Maler unserer Zeit werden dabei in einem für viele vielleicht ungewöhnlichen Licht beleuchtet. Und um Licht geht es in Arles, um 1888. Dorthin zog es Vincent van Gogh, um sich seinen großen Lebenstraum zu erfüllen: Er ist in der Provence, in seinem kleinen „gelben Haus“, dem Atelier des Südens. Dort will er mit Malerkollege Paul Gauguin eine zukunftsweisende Künstlerkolonie gründen. Im Oktober des Vorjahres hatten sich die beiden in Paris kennengelernt. Es ist die Zeit der Bohème und eines neuen Typs des antibürgerlichen Künstlers. Doch Vincent will so schnell wie möglich die Stadt verlassen. Finanziert von seinem Bruder Theo lässt er sich in Arles nieder, malt Sonnenblumen ohne Ende…

…und träumt von einer Künstler-WG. Er lädt Paul Gauguin ein, ihm zu folgen. Doch beide sind schwierige Charaktere. Sie diskutieren, streiten, kämpfen. Es geht um künstlerische Arbeitsweisen und Vorbilder – und wie fast immer, um Frauen. Nach zwei Monaten eskaliert die Lage in der klaustrophobischen Künstler-WG. Van Gogh hat ein Ohr weniger und ein Mythos ist geboren. Was geschah wirklich in der Nacht zum 24. Dezember 1888? Diese und weitere Fragen werden in der Doku erörtert, mit teils erstaunlichen Ansichten.

Die Sendung ist im Anschluss bis zum 11. Dezember 2016 in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur abrufbar.

Am nächsten Sonntag, 27.11., folgt der letzte Teil: „Nolde vs. Liebermann“

Und vorab, um 16.50 läuft das Kulturmagazin Metropolis. Dort werden u. a. Otto Dix in Colmar und die Raumzeichnungen von Monika Grzymala vorgestellt.

Auch diese Sendung ist im Anschluss an die Ausstrahlung für sieben Tage in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur abrufbar.

 

Doku über Bernard Buffet

Der wilde Maler 

Am Sonntag, 06. November, um 17.35 Uhr, zeigt Arte eine Dokumentation über einen aussergewöhnlichen Künstler, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist: Bernard Buffet (1928-1999). Sein prägnanter Strich und sein unverkennbarer Stil waren sein Markenzeichen und hatten einen hohen Wiedererkennungswert. Kaum ein Künstler hat einen derartigen Aufstieg und anschließend so tiefen Fall erlebt wie er. Er galt in Frankreich als einer der bedeutendsten Maler der Nachkriegszeit, was er in der Tat war. Buffet genoss seinen Ruhm, war eine Figur des Jetsets und wurde als legitimer Nachfolger von Jahrhundertkünstler Pablo Picasso bezeichnet, bevor sich die Kunstwelt mehr und mehr von ihm abwandte.

Immerhin war der japanische Sammler Kiichiro Okano von Buffets Werk so begeistert, dass er ihm zu Ehren ein Museum gebaut hat. Es wurde 1973 eröffnet und liegt in der Präfektur Shizuoka-ken. Buffets Sohn Nicolas sowie sein zeitweiliger Lebensgefährte Pierre Bergé (dieser wandte sich dem jungen Yves Saint Laurent zu und war ab dann bis zu dessen Tod mit ihm zusammen) geben Einblick in das Leben und Wirken eines lange verkannten Künstlers, der als Vorläufer der Pop-Art gilt.

ARTE zeigt die Doku anlässlich der Ausstellung, die das Musée d’Art Moderne de Paris noch bis zum 26. Februar 2017 zeigt.

Die Sendung ist im Anschluss an die Ausstrahlung bis zum 05. Januar 2017 in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur abrufbar. Dort ist übrigens noch eine weitere absolut sehenswerte Dokumentation zu sehen, die ich allen, die Interesse an Kunst und am Kunstmarkt haben empfehlen kann: GELD MACHT KUNST. Sie ist bis zum 17. Januar in der Arte Mediathek zu finden oder eben hier.