Die Fundació Pilar und Joan Miró auf Mallorca

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Eines der Highlights meines letzten Inselaufenthaltes war ein Besuch in der Fundació Miró in Palma de Mallorca. Wer immer auf der Insel weilt, dem kann ich dieses schöne Museum nur wärmstens ans Herz legen.

Miró (Jahrgang 1893) lebte und arbeitete seit 1956 bis zu seinem Tod 1983 auf Mallorca. Dort hinterließ er ein umfangreiches Oeuvre: Skulpturen, Zeichnungen, Graphiken, Dokumente, Gemälde und sein traumhaft schönes Atelier, entworfen von Josep Lluís Sert. Wenn man es betritt, hat man das Gefühl, als ob der Künstler gleich irgendwo um die Ecke kommt. Als ich das Gebäude sah, musste ich sofort an die Fondation Maeght in St. Paul de Vence in Südfrankreich denken. Die wurde ebenfalls von Sert erbaut und liegt in einem, wirklich magisch anmutendem Wäldchen.

Der Künstler, zu dessen Pariser Zeit Förderer wie sein Landsmann Picasso zählten, gilt als einer der Urväter des Surrealismus. Arte zeigt heute um 15.30 eine umfassende Dokumentation über Joan Miró, seine Anfänge, die radikale Denkweise des erklärten Franco Gegners und Künstlers mit einem intensiven Blick auf seine Zeit auf Mallorca.

Das Museum zeigt Wechselausstellungen mit den Werken Mirós. Ein paar Impressionen meines Besuches:

Fundació Pilar und Joan Miró
Calle Joan de Saridakis, 29
07015  Palma, Mallorca

Öffnungszeiten:

Von Mai bis September:

Di. bis Sa.: 10.00 bis 19.00 Uhr

Sonn- und Feiertage: 10.00 bis 15.00 Uhr

 

Von September bis Mai:

Di. bis Sa.: 10.00 bis 18.00 Uhr

Sonn- und Feiertage: 10.00 bis 15.00 Uhr

 

Tipp:Samstags ab 15.00 Uhr ist der Eintritt frei, ebenso jeder erste Sonntag des Monats!

 

„Entdecken durch Verhüllen“ – „Christo und Jeanne-Claude“ in der kunsthalle messmer in Riegel – bis 18. Juni 2017!

Große Kunst findet oft im Kleinen statt. Gekonnt vermittelt das seit Jahren Jürgen A. Messmer mit seiner idyllisch gelegenen kunsthalle messmer in einer alten Brauerei. Dabei hat er keine Scheu vor großen Namen und macht diese kunst- und kulturinteressierten Besuchern im südlichen Breisgau in Riegel am Kaiserstuhl, zugänglich. Ein Leckerbissen ganz besonderer Art ist derzeit die Ausstellung mit rund 100 Objekten, Zeichnungen und Collagen vom Meister der Verhüllung: Christo & Jeanne-Claude.

Der als Christo Wladimirow Jawaschew am 13. Juni 1935 in Bulgarien geborene Künstler gewann mit seinen spektakulären Aktionen und Inszenierungen weltweit großes Ansehen. Jüngstes Objekt waren die im vergangenen Jahr geschaffenen, wunderschönen „Floating Piers“ auf dem Lago D’Iseo, in Italien.

Untrennbar mit Christo verbunden ist seine Frau Jeanne-Claude. Sie war die Liebe seines Lebens und teilte seine Leidenschaft und die Hingabe zur Kunst. Wie er wurde auch sie am 13. Juni 1935 geboren, verstarb jedoch bereits im November 2009 in New York. Beide lernten sich 1958 in Paris kennen. Im Lauf ihres gemeinsamen Lebens entwickelten sie zahlreiche spektakuläre Projekte rund um den Globus. Fällt sein Name, wird auch immer der von Jeanne-Claude genannt, vereint in alle Ewigkeit.

Wichtig für ihn: Er ist KEIN Verpackungskünstler. Er verhüllt und gibt dem, was dann nur zu erahnen ist, damit eine ganz besondere Dimension. „Offenbaren durch Verbergen“, wie Kunstkritiker und Journalist David Bourdon es treffend beschreibt. Christos Karriere kam Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre in Paris in Fahrt. Erste Verhüllungsobjekte waren damals ganz gewöhnliche Alltagsgegenstände wie Dosen, Flaschen, Stühle – einfach alles, was er finden konnte. Ende der Sechziger Jahre wurden die verhüllten Objekte größer, das erste Gebäude, dass unter seinen Stoffbahnen verschwand, war die Kunsthalle Bern im Jahr 1968. Es folgten „The Umbrellas“, 1980-83, in Kalifornien und Japan, der verhüllte Reichstag in Berlin, 1995 oder „The Gates“, 2005, im Central Park, New York, um nur einige zu nennen.

Das Besondere an Christos & Jeanne-Claudes Oeuvre ist für mich die absolute Unabhängigkeit des Künstlers. Er legt Wert darauf, alles selbst zu finanzieren. Dies geschieht unter anderem durch die Verkäufe von Skizzen, Zeichnungen etc. Was nach Beendigung einer Aktion übrig bleibt, wird ebenso verkauft oder recycelt. Allem voran steht der Gedanke der Nachhaltigkeit.

Die Ausstellung zeigt einige Raritäten neben wunderbaren Fotografien, u. a. vom Berliner Reichstag, 1995, von Wolfgang Volz, der auch als Projektmanager für Christo tätig war. Aktionen wie der verhüllte Reichstag in Berlin waren und sind eine logistische Herausforderung. Die Vorbereitungen dafür begannen bereits 1971, bis zur endgültigen Verhüllung 1995. Die Stoffe für seine Objekte werden übrigens in Deutschland hergestellt.

Das nächste Projekt, dass der Künstler in Planung hat, ist eine Mastaba. Standort Abu Dhabi. Sie soll sein Vermächtnis werden. Wer aber nicht bis zur Fertigstellung dessen warten will, dem empfehle ich einen Besuch in Riegel in der kunsthalle messmer. Der Südwesten Deutschlands lohnt sich immer, befindet er sich doch im Goldenen Dreieck mit der Schweiz und Frankreich – verbunden mit zahlreichen Museen, spektakulären Ausstellung und Vielem mehr.

Und für Picasso Fans wie mich, gibt es ab dem 24. Juni auch gleich die nächste großartige Ausstellung in der kunsthalle messmer: Picasso und die Frauen.

kunsthalle messmer
Grossherzog-Leopold-Platz 1
79359 Riegel am Kaiserstuhl
Tel.: +49 (0) 7642 / 92 01 62 – 0
info@kunsthallemessmer.de
Öffnungszeiten: Di. – So., 10.00 – 17.00 Uhr

 

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter – Fondation Beyeler, Riehen / Basel

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Franz Marc Die grossen blauen Pferde, 1911 – Öl auf Leinwand, Sammlung Walker Art Center, Minneapolis. Schenkung der T.B. Walker Foundation, Gilbert M. Walker Found, 1942 © starkandart.com

Von jeher gehört die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zu meinen Lieblingsmuseen. Selten wurden Landschaft und Architektur so in Einklang gebracht wie hier. Perfekt eingebettet an der Grenze zur südbadischen  Hügellandschaft ist das von Renzo Piano erbaute Vermächtnis von Ernst Beyeler nicht nur von aussen ein Genuss fürs Auge, drinnen erwarten den Besucher in klaren und lichtdurchfluteten Räumlichkeiten auch immer wieder wunderbare, auf den Punkt kuratierte Ausstellungen.

Seit dem 04. September 2016 kann man dort in die wunderbare Farbenwelt von Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter eintauchen. Die gleichnamige Künstlerbewegung wurde 1911 von den befreundeten Malern Franz Marc (1880-1916) und Wassily Kandinsky (1866-1944) ins Leben gerufen. Die beiden Freunde gaben 1912 in München einen legendären Almanach heraus, der den Umbruch in der Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts ankündigte und der Ausstellung ihren Namen gab:

„DER BLAUE REITER“

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Almanach Der Blaue Reiter, München, 1914, ahlers collection © Thomas Ganzenmüller, Hannover

 

Es war der Beginn eines Umdenkens in der Malerei. Losgelöst von Farben und Formen begannen jene Künstler in Deutschland, sich von dem was sie fühlten, inspirieren zu lassen. Mit ihren gewagten Farbkompositionen verabschiedeten sie sich von den bis dahin gängigen Konventionen. Es war eine kurzzeitige Revolution in der Kunst, mit München als Zentrum, der weitere Maler folgen sollten und die die Moderne in Deutschland einläutete: Eine neue Avantgarde war geboren!

Gleich im Eingangsbereich wird man mit einer gelungenen Projektion durch die Etappen ihres Schaffens und ihrer Entwicklung quer durch Europa geführt, bevor man in den danach beginnenden Ausstellungsräumen in eine exotische Welt der Farben eintaucht. Schwerpunkte sind Kandinsky und Marc, mit vielen ihrer Schlüsselwerke, zu sehen sind jedoch auch Bilder ihrer Weg- und Lebensgefährten wie Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky sowie dem wunderbaren August Macke. Es fiel mir sehr schwer, aus der gezeigten Vielfalt eine Auswahl zu treffen, deshalb habe ich die Exponate der jeweiligen Maler nach meinem Gusto zusammengestellt.

Beginnen wir mit den Werken Kandinskys in den Jahren 1908 und 1909…

Seine Bildsprache ist noch relativ gegenständlich, geht jedoch immer mehr ins Abstrakte über, wie diese und viele andere Werke aus den Jahren 1910 bis 1914 zeigen:

In Murnau, unweit von München, erwarb Gabriele Münter 1909 ein Haus (das heute noch dort steht und besichtigt werden kann), dass den Künstlern als Zuflucht und als Inspirationsquelle diente. Die Zusammenarbeit der befreundete Künstlerpaare Kandinsky und Münter sowie Werefkin und Jawlensky wurde von der lichtdurchfluteten oberbayrischen Seenlandschaft, die von der Alpenkette dominiert wird, befruchtet. Sie führte die Maler zu einer neuen Farbgebung, welche in der Ausstellung einen ersten Schwerpunkt bildet: Leuchtende, ungemischte Farben wurden als Flächen nebeneinander gesetzt. Dieser Prozess wurde von Gabriele Münter als „… vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhaltes – zum Abstrahieren – zum Geben eines Extraktes“ beschrieben, wobei eine wichtige Rolle dabei Alexej von Jawlensky und seinen Landschaftsbildern zukommt, mit ihren betont „einfachen“ Farbformen, wie an den Beispielen Kandinskys, Münsters und Jawlenskys unten zu sehen ist:

Im nahen Sindelsdorf lebte Franz Marc mit Maria Franck. 1911 trafen sich Kandinsky und Marc, was den entscheidenden Impuls für die Publikation des Almanachs „Der Blaue Reiter“, auslöste. Obwohl beide Künstler das Streben nach kultureller Erneuerung einte, waren sie doch sehr unterschiedlich in ihren künstlerischen Ausdrucksformen, wie bei der Bildsprache von Franz Marc deutlich zu erkennen ist. Marc wollte seine, vorwiegenden Tiermotive transzendental, als Ausdruck einer archaischen und unverfälschten Natur darstellen. So, wie er sie wahrgenommen hatte, losgelöst von der gewohnten Farbgebung.

Die Leuchtkraft der Farben und das Verschwinden der Realität, wird bei Franz Marc auch bei diesen beiden Meisterwerken, durch den Einfluss der Künstlerfreundschaft mit dem französischen Maler Robert Delaunay und dessen leuchtender, kraftvoller und farbenfrohen Bildsprache, deutlich:

Last, but not least, will ich noch die Bilder eines meiner besonderen Lieblinge und leider viel zu jung verstorbenen Malers, August Macke (1887-1914), aus dieser großartigen Ausstellung zeigen:

Eine Ausstellung, die sich wirklich lohnt. Viele der gezeigten Werke waren seit langem nicht mehr öffentlich zu sehen, außerdem gibt es einen speziell dem Almanach (Jahrbuch) gewidmeten Raum, in dem eine umfangreiche Auswahl an Werken, die im Blauen Reiter Almanach kombiniert wurden, zu sehen sind.

Vom 04. September 2016 bis zum 22. Januar 2017

FONDATION BEYELER
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Tel. 0041 / 61 / 645 97 00

Öffnungszeiten:
Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs: 10.00 bis 20.00 Uhr

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Empfehlenswert ist auch der zur Ausstellung erschienene Katalog im Hatje Cantz Verlag.
Mehr dazu unter Books & More.

Egon Schiele – Tod und Mädchen – Filmstart mit Verlosung!

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Typische Zeichnung von Egon Schiele, gesehen auf der Art Basel © starkandart.com

Am nächsten Donnerstag, 17. November 2016, ist der bundesweite Start für das Biopic „Egon Schiele – Tod und Mädchen“  über den großartigen österreichischen Maler (1890-1918). Schiele war ein Vertreter des Expressionismus und zählt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne.

Seine Begabung wurde durch seine Lehrer früh erkannt und entsprechend gefördert.
Eines seiner ersten Modelle war seine jüngere Schwester Gertrud, genannt Gerti. Doch wie sich zeigte, war er das Akademieleben bereits nach zwei Jahren wieder leid. Mit einigen Kommilitonen gründete er dann die Wiener Neukunstgruppe. Nach der Kontaktaufnahme Schieles zu Gustav Klimt im Jahr 1907, konnte man in seinen Werken auch Parallelen zu Klimts Stil erkennen. Dieser wurde in den folgenden Jahren einer seiner Förderer.

Der Film entführt einem in die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit all ihren Höhen und Tiefen, dem Ersten Weltkrieg, und den vielen Frauengeschichten, die Schieles Leben und Schaffen ausmachten, allen voran seine große Liebe Wally Neuzil, dargestellt von Valerie Pachner. Noah Saavedra verkörpert den Maler mit viel Authentizität.

Prädikat: Absolut sehenswert, nicht nur für Kunstfans. Und wer nun neugierig geworden ist, der kann Eintrittskarten gewinnen. Alamode Film hat 1 x 2 Karten zur Verfügung gestellt. Sie sind bundesweit einsetzbar.

Wer bis Sonntag, 13.11.2016, 24 Uhr, Einsendeschluss, die folgende Frage richtig beantwortet, hat die Chance auf einen lauschigen Kinoabend:

Wie heißt die Schwester von Egon Schiele, die ihm zuerst Modell stand? Kleiner Tipp: Steht im Beitrag!

Die richtige Antwort geht an: info@starketexte.deViel Glück!

Wichtig: Die Anschrift nicht vergessen! Die zehnte Einsendung gewinnt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der/die Gewinner werden umgehend benachrichtigt und die Karten per Post zugesandt.

Doku über Bernard Buffet

Der wilde Maler 

Am Sonntag, 06. November, um 17.35 Uhr, zeigt Arte eine Dokumentation über einen aussergewöhnlichen Künstler, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist: Bernard Buffet (1928-1999). Sein prägnanter Strich und sein unverkennbarer Stil waren sein Markenzeichen und hatten einen hohen Wiedererkennungswert. Kaum ein Künstler hat einen derartigen Aufstieg und anschließend so tiefen Fall erlebt wie er. Er galt in Frankreich als einer der bedeutendsten Maler der Nachkriegszeit, was er in der Tat war. Buffet genoss seinen Ruhm, war eine Figur des Jetsets und wurde als legitimer Nachfolger von Jahrhundertkünstler Pablo Picasso bezeichnet, bevor sich die Kunstwelt mehr und mehr von ihm abwandte.

Immerhin war der japanische Sammler Kiichiro Okano von Buffets Werk so begeistert, dass er ihm zu Ehren ein Museum gebaut hat. Es wurde 1973 eröffnet und liegt in der Präfektur Shizuoka-ken. Buffets Sohn Nicolas sowie sein zeitweiliger Lebensgefährte Pierre Bergé (dieser wandte sich dem jungen Yves Saint Laurent zu und war ab dann bis zu dessen Tod mit ihm zusammen) geben Einblick in das Leben und Wirken eines lange verkannten Künstlers, der als Vorläufer der Pop-Art gilt.

ARTE zeigt die Doku anlässlich der Ausstellung, die das Musée d’Art Moderne de Paris noch bis zum 26. Februar 2017 zeigt.

Die Sendung ist im Anschluss an die Ausstrahlung bis zum 05. Januar 2017 in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur abrufbar. Dort ist übrigens noch eine weitere absolut sehenswerte Dokumentation zu sehen, die ich allen, die Interesse an Kunst und am Kunstmarkt haben empfehlen kann: GELD MACHT KUNST. Sie ist bis zum 17. Januar in der Arte Mediathek zu finden oder eben hier.

Toller TV-Beitrag über das Kunstmuseum Basel

Auf  3Sat lief am Sonntag die Sendung Museums-Check mit Markus Brock. Dieses Mal hatte er das Kunstmuseum in Basel besucht und einen ausführlichen Rundgang von alter zu neuer Kunst und der beeindruckenden Architektur der dazugehörenden drei Häuser gemacht. Da die Schweiz und vor allem auch Basel mit zu meinen Lieblingsorten gehören, vor allem, was Kunst betrifft, war es ein Genuss, die Sendung und die vertraute Umgebung zu sehen. Und das will ich meinen Followern nicht vorenthalten.

Für Kunstfans ist das eine absolut sehenswerte Sendung. Wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich zur Architektur vor Ort ein leicht gespaltenes Verhältnis habe. Siehe mein Beitrag über das Museum vom 21. August diesen Jahres. Aber nichtsdestotrotz steht die unglaubliche Kunstsammlung, die es dort zu bewundern gibt und die in wirklich schönen Räumlichkeiten präsentiert wird, im Vordergrund. Ich weiß nicht, wie lange die Sendung (dauert knapp 30 Minuten) noch online ist, daher schnell hier klicken und einen visuellen Ausflug zur Kultur und Basel machen.

Falls jemand gerade vor Ort ist:
Aktuell findet u. a. eine Ausstellung zum Thema „Der figurative Pollock“ statt.
Seit dem 02. Oktober und noch bis zum 22. Januar 2017
Mehr dazu unter: Kunstmuseum Basel

Sandro Botticelli auf ARTE

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Der Frühling, 1482, Sandro Botticelli  © Les Poissons Volants. Foto: ARTE France

Aus der Reihe „Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse“ – eine großartige Dokureihe über die Hintergründe großer Werke, steht heute das Gemälde „Primavera“ von Sandro Botticelli (1445-1510) im Fokus. Wer mehr über das Meisterwerk erfahren will, klickt hier!

Georgia O’Keeffe – Tate Modern, London

Die Tate Modern würdigt, ein Jahrhundert nach ihrem Debüt, die bedeutendste amerikanische Künstlerin der Moderne mit der größten Ausstellung die jemals ausserhalb der USA in einer Retrospektive gezeigt wurde. Mit über 100 Gemälden und Fotografien wird ein umfassendes Bild ihres Œuvres gezeigt. Also, auf nach London, denn das, was es in der Tate zu entdecken gilt, ist unbedingt sehenswert!

Schon seit vielen Jahren begeistert mich die Malerei der amerikanischen Künstlerin Georgia O’Keeffe (1887-1986). Das erste Mal begegnete ich ihrem Werk in den späten 1980er Jahren in der Frankfurter Schirn. Ein kleines Gemälde aus der Zeit in Abiquiú, New Mexico, faszinierte mich vom ersten Augenblick an. In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich intensiv mit ihrem Schaffen und ihrer Vita. Ich entdeckte einen Menschen der sich, trotz einiger signifikanter Einbrüche, kompromißlos und souverän seiner Kunst widmete. Und als einer ihrer größten Fans lasse ich es mir natürlich nicht entgehen, wenn ihre Werke irgendwo gezeigt werden.

Erste Bekanntheit erreichte sie 1916 durch eine Gruppenausstellung in der Galerie „291“ in New York. Deren Inhaber, Alfred Stieglitz, war nicht nur ein bedeutender Pionier der Fotografie, er wurde auch die Liebe ihres Lebens und späterer Ehemann. Stieglitz war der Einzige, der es zu jener Zeit wagte, moderne Künstler auszustellen. Ein Jahr später, 1917, folgte ihre erste Einzelausstellung, die allerdings nur drei Tage andauerte, da die USA in den Ersten Weltkrieg eintrat. Die Galerie wurde geschlossen. In jenem Jahr bat Stieglitz O’Keeffe darum, für ihn Modell zu stehen. Eine künstlerische Symbiose nahm ihren Lauf.

Obwohl Georgia O’Keeffe es abstritt, wurden vor allem ihre floralen Motive stets erotischen Bezügen zugeordnet. Eines ihrer Blumenbilder, das 1932 entstandene Gemälde Jimson Weed/White Flower No. 1 (unten links) wurde im November 2014 bei Sotheby’s für 44,4 Millionen Dollar versteigert. Damit ist sie die teuerste Malerin der Kunstgeschichte. Das Bild ziert auch den Katalog sowie das Ausstellungsplakat der Londoner Retrospektive.

Eine umfassende Sammlung ihrer Gemälde sowie Fotografien von Alfred Stieglitz, Ansel Adams und anderen zeichnen ein großartiges Bild vom Leben und Schaffen der Künstler. Die Ausstellung ist in folgende Bereiche unterteilt: Von ihren ersten Jahren und „291“, Abstraktionen und Gefühle, O’Keefe, Stieglitz und ihr Kreis, New Yorks Stadtlandschaften, Lake George, Blumen und Stillleben, New Mexico: Taos und Alcalde bis hin zu: Von der Ferne, nahebei: Die Skull Paintings.

Ich liebe ihre klare Farben- und Formensprache, die schnörkellose und mich immer wieder tief beeindruckenden Kompositionen, mit der sie den Betrachter für ihre Werke einnimmt. Ob es die Blumenbilder sind oder ihre späteren Gemälde mit Tierschädeln, Landschaftsmotiven aus ihrer Wahlheimat New Mexico, die New Yorker Stadtbilder oder Wolkenkompositionen, die sie, inspiriert durch ihre Flugreisen, in ihren späteren Jahren mit dem Pinsel auf die Leinwand zauberte. Ihr Stil, angesiedelt zwischen Figürlichem und Abstraktion, ist zeitlos und schlicht und einfach umwerfend.

Es ist schade, dass so wenig über weibliche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts bekannt ist. Umso bedeutender ist diese Ausstellung, wunderbar kuratiert von Tanya Barson, die einen tief in das Werk dieser großartigen Malerin eintauchen lässt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auch in O’Keeffes Biographie einzulesen. Diese beeindruckende Frau war ihrer Zeit um Lichtjahre voraus. In jeder Beziehung.

Georgia O’Keeffe, vom 6. Juli bis 30. Oktober 2016

Tate Modern
Bankside, London, SE1 9TG
Tel.: 0044 / 20 / 7887 8888

Öffnungszeiten:
So. bis Do. von 10.00 bis 18.00 Uhr
Fr. und Sa. von 10.00 bis 22.00 Uhr

Wie man zur Tate kommt, sieht man hier. Ich empfehle, je nachdem, wo man logiert, einen Spaziergang entlang des Themse-Ufers zu machen. Und wenn man schon vor Ort ist, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen und auch die anderen Galerien sowie  den Rundgang im Switch-House, im zehnten Stock, mit herrlichem Blick über London, erkunden. Es lohnt sich!

Wie arbeitet ein Auktionshaus? – Ein Besuch bei AUCTIONATA in Berlin

Als Kunstsüchtige schaue ich immer mal gerne auf die Webseiten großer Auktionshäuser. Allerdings weniger um zu kaufen, eher um mich an den dort gezeigten Werken zu erfreuen. Man kann neue Künstler entdecken und erfährt vieles über ihre Bilder, Skulpturen etc., schließlich lernt man nie aus. So kam es auch, dass ich über einen Freund auf Auctionata, ein Berliner Online-Kunst- und Auktionshaus gestossen bin. Das junge Unternehmen mischt seit 2012 im Markt mit und ist steil auf dem Weg nach oben. Im Mai 2016 kam die Fusion mit Paddle 8, einem amerikanischen Auktionshaus mit Sitz in New York.

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Doch was geschieht eigentlich hinter den Kulissen? Wie kommen die Objekte dorthin? Wer ist für was verantwortlich und überhaupt… Da ich bei einer kleinen Lithographie selbst schwach geworden bin, machte ich mich also auf den Weg nach Berlin, um mein Objekt abzuholen und um dort einmal hinter die Kulissen zu schauen.

In einem schönen Rotklinkerbau in der Franklinstraße residiert das Unternehmen. Junge und gut gelaunte Mitarbeiter schwirren durch die Gänge, an den Wänden u.a. Bilder versteigerter Objekte. Wie ich von Alice Hinrichs aus der Pressestelle erfahre, sind es jedoch nicht meine geliebten Gemälde, die dort die Nase im Auktionssegment vorn haben sondern vor allem seltene Asiatika, Luxusautos und -uhren. Hinter verschlossenen Türen sitzen diverse Departments, die sich um die jeweiligen Bereiche kümmern,  u.a. auch darum, was letztendlich in den Verkauf kommt. Von rund 180 Anfragen täglich kommen nur etwa 30 Prozent der angebotenen Artikel in die engere Wahl für den Online Verkauf. Diese werden von rund 400 Experten weltweit geprüft, geschätzt und mit dem Anbieter ein Start- bzw. Verkaufspreis erarbeitet. Es folgt die Katalogisierung, das Fotoshooting, schließlich will der Kunde, der am Computer sitzt, das Werk auch mit allen wichtigen Details sehen…

…und schließlich die Beschreibung für die Auktion und den Katalog. In hellen lichten Räumen sitzen Kunsthistoriker und Redakteure hinter ihren Bildschirmen inmitten von Büchern über allerlei Wissenswertes im Bereich von Kunst- und Luxusartikeln. Ich komme mir vor wie im Schlaraffenland. Überall Artefakte, Gemälde und mehr. Interessenten bleiben über den Newsletter sowie die Website auf dem Laufenden und können sich dann für Auktionen anmelden. Wer will, hat die Möglichkeit, vor Ort dabei zu sein, aber im medialen Zeitalter ist es, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auch sehr spannend, das Geschehen live am Bildschirm zu verfolgen. Vor allem dann, wenn man selbst mitbietet. Auf internationaler Ebene wird rund zehn Stunden täglich versteigert. In Deutschland geschieht dies in zwei Filmstudios nahe Berlin, vier HD Kameras garantieren die bestmögliche Darstellung des Objekts. Wie das Ganze vonstatten geht, ist hier zu sehen, beim teuersten Objekt, das im Juni 2015 bei Auctionata bislang versteigert wurde: Eine Kaiserliche Chinesische Automatenuhr, wechselte in einer großen internationalen Auktion für 3,370.000 Euro den Besitzer. Doch nicht nur im TV-Studio kommen die Dinge unter den Hammer. Wie ich erfahre, können Luxusautos auch mal im Rahmen eines abendlichen Events an speziellen Locations oder wie jüngst, wertvolles Porzellan von KPM, direkt aus der Manufaktur in Berlin versteigert werden. Dank Splitscreen ist der Zuschauer / Interessent an beiden Orten gleichzeitig live dabei, kann das Wunschobjekt in Augenschein nehmen und bieten.

Ich will natürlich auch wissen, was die kuriosesten Objekte waren, die bei Auctionata versteigert wurden und staune nicht schlecht, als ich höre, dass dies ein Raumanzug für Hunde!!! war. Der kam aus einer Sammlung von Memorabilia aus der sowjetischen Raumfahrtgeschichte und wurde für satte 16.800 € an den Mann gebracht.

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Soviet Space Memorabilia, Canine pressurised space suit © Auctionata

Ebenfalls aussergewöhnlich war die Auktion eines überdimensionalen, noch intakten Eis des inzwischen ausgestorbenen Elefantenvogels. Erstaunlich, wofür Sammler ihr Geld ausgeben. Aber wenn es denjenigen glücklich macht, dann ist alles so, wie es sein soll.

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Riesiges intaktes Ei eines Elefantenvogels, Madagaskar, 17. Jh. © Auctionata

Schätzungen sind für Interessenten, die etwas zu verkaufen haben, kostenfrei. Der Gewinn eines Auktionshauses errechnet sich durch das Käuferaufgeld, das mit dem Erwerb eines Objektes anfällt. Das war bei meiner Lithografie zwar nicht so hoch wie bei der chinesischen Uhr, aber die Freude darüber ist bei beiden Bietern wohl gleich.

Ich werde also meiner Kunst treu bleiben und mich weiterhin auf der Website von Auctionata und anderen tummeln, das Vorgestellte genießen und vielleicht, wenn’s passt, auch wieder einmal zuschlagen.

Auctionata AG
Franklinstraße 13
10587 Berlin

Nachtrag: Wie einige vielleicht gelesen haben, musste das Auktionshaus im April 2017 Insolvenz anmelden. Schade, wie ich finde, denn ich habe dort sehr zuvorkommende und engagierte Mitarbeiter gesehen, denen ich von Herzen wüsche, dass sie ihre tolle Arbeit bei einem anderen Auktionshaus fortsetzen können.

Kunstmuseum Basel

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Impressionen der Eingangshalle und dem Über- bzw. „Unter“gang in den Neubau © starkandart.com

Lange hatte ich gespannt auf die Wiedereröffnung des Museums gewartet. Bislang hatte ich auf der Durchreise in Basel immer nur das Hauptgebäude besucht, es aber leider nie in den Neubau geschafft. Umso neugieriger war ich auf das, was sich dort nun bietet.

Vorweg sei gesagt, dass ich schon immer ein Problem mit Monumentalarchitektur hatte. Meines Erachtens dient sie lediglich dazu, den Menschen klein zu machen im erhabenen Angesicht dessen, was um ihn herum ist – allerdings im Bereich Kunst und Kultur ein völlig falscher Ansatz – meiner Meinung nach. Bei einem Museum kann das durch die ausgestellte Kunst aufgehoben werden, wenn das Innere das Äußere überstrahlt. Und das tut es zum Glück im Kunstmuseum Basel und macht einen Besuch dort mit Sicherheit lohnenswert.

Da stand ich nun vor dem Portal, Tickets werden jetzt draussen verkauft, nicht mehr im Eingangsbereich. Als ich über den Innenhof ins Hauptgebäude kam, empfing mich – LEERE. Zuvor war links der Ticketverkauf, rechts hinten der Museumsshop und jetzt: Nichts, außer der farblosen Information. Im Inneren ist nach wie vor alles in Grau/Beige gehalten. Gut, dem war auch zuvor so, aber durch den Ticket- und Shopbereich, kam wenigstens etwas Farbe und durch die Menschen dort, Leben in den Raum. Ich weiß nicht, wie es anderen Besuchern damit geht, aber mich beschlich das Gefühl, als wäre man in einer menschenleeren Bahnhofshalle gelandet. Irgendwie kam ich mir etwas verloren vor.

Doch ich wollte die Barnett Newman-Ausstellung besuchen. Und natürlich die ständige Sammlung in der zweiten Etage, mit allen den wunderbaren Werken von Picasso, Klee, Leger, Modigliani, Mondrian, van Gogh etc. Auf dem Weg dahin begleitete mich trotz der Vorfreude erneut das Gefühl der Leere. Das riesige Treppenhaus wirkt nicht gerade einladend. Zuvor schon fühlte man sich fast erschlagen, doch großformatige Werke an den Wänden lockerten diesen Eindruck auf. Kunst hängt jetzt dort keine mehr. Das beklemmende Gefühl ist zum Glück passé sobald man die hellen und klar gestalteten Ausstellungsräume betritt.

Ich denke, so kontrovers wie Kunst beim Betrachter ankommt, so differenziert ist auch die Meinung über die Gebäude, die sie beherbergen. Was geblieben ist, dass sind auf jeden Fall die zauberhaften und hilfsbereiten Mitarbeiter und allem voran natürlich die großartige Kunst, die es dort in vielfältiger Weise zu bewundern gibt.

Mein Vorschlag fürs Treppenhaus und den Eingangsbereich: Macht die Wände bunter oder Weiß, hängt wieder Bilder und stellt Skulpturen auf und heißt die Besucher im Innenbereich mit Kunst willkommen! Warum gestaltet man diese großen und nüchternen Flächen nicht von Künstlern selbst? Kunst soll einladen, inspirieren, erlebbar sein und vor allem: Freude machen.

Doch nun zum Neubau!

Das Gebäude der Architekten Christ & Gantenbein ist in der Tat sehr beeindruckend. Kann man nicht anders sagen. Dennoch überkam mich auch hier im Innern der Eindruck, etwas erschlagen zu werden von der überdimensionalen kalten grauen Marmorwelt, die einem empfängt.

Geht man vom Hauptgebäude hinab in den Neubau, landet man zunächst in einer riesigen Halle, dem Foyer. Zum Glück belohnt einem in dieser Umgebung u.a. ein farbenfrohes, großformatiges Werk des amerikanischen Künstlers Frank Stella.

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Damascus Gate im Foyer des Kunstmuseums Basel I Neubau © Gina Folly

Natürlich kann man das Museum auch durch den Eingang an der Straße betreten. Was einem vielleicht das Monumentale auf den ersten Blick erspart.

Ganz anders jedoch die Ausstellungsräume: Licht und hell wird zeitgenössischen Künstlern im ersten Obergeschoss für ihre teils großformatigen Werke viel Raum gegeben. Sobald ich die magischen Bilder von meinem Lieblingsmaler, Mark Rothko und all die vielen anderen vom Twombly, Newman bis Warhol gesehen hatte, war ich dann auch wieder mit der Welt versöhnt!

Mein Fazit: Egal, wie man die Architektur der beiden Gebäude empfinden mag,
der großartigen Kunst wegen, sollte man sich einen Besuch im Kunstmuseum nicht entgehen lassen. Und so freue ich mich auch schon auf die Ausstellung „Der figurative Pollock“, die vom 2. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017, im Neubau zu sehen ist.

Kunstmuseum Basel / Galerie der Gegenwart / Neubau
St. Alban-Rheinweg 60
CH-4010 Basel
Öffnungszeiten:
Di., Mi., Fr.- So. 10–18 Uhr
Do. 10–20 Uhr
Mo. geschlossen