Farbgewaltige Bilderwelten von starken Frauen und mehr, auf Arte

In der unter Art & Culture on TV bereits angekündigten 4-tlg. Reihe „Künstlerinnen“, Sonntagvormittags auf Arte, kuratiert heute Katharina Grosse, eine meiner Lieblingskünstlerinnen, eine imaginäre Ausstellung mit großartiger Kunst von Frauen.

Grosse gehört zu den erfolgreichsten Malerinnen Deutschlands. Ich liebe ihre großformatigen, oft raumfüllenenden und -übergreifenden Arbeiten (siehe auch „Eine Meditation in Farbe“), die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Installation sprengen. Mit ihren Sprayarbeiten verwandelt sie Innen- und Außenräume in komplexe und atemberaubende Farbwelten. Ihr Werk liefert einen neuen Ansatz für das, was Malerei sein kann – oder meines Erachtens unbedingt ist: ein unbegrenztes und wunderbares Feld vielfältiger Möglichkeiten.

In ihrer virtuellen Ausstellung (oben) stellt Grosse Künstlerinnen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor: Lieblingskünstlerinnen wie Isa Genzken, Maria Lassnig und Valie Export, Neuentdeckungen wie die lange in Vergessenheit geratene Georgiana Houghton oder die einzigartige Aborigine-Malerin Emily Kame Kngwarreye sowie jüngere Künstlerinnen wie Pamela Rosenkranz, Camille Henrot, Wangechi Mutu und die Neuseeländerin Judy Millar. Die Doku begleitet den Entstehungsprozess der Ausstellung und liefert Informationen über die vorgestellten Künstlerinnen.
Online ist der Beitrag in der Arte Mediathek in der Rubrik „Kunst & Kultur“ noch bis zum 17. Juni 2017 abrufbar oder man klickt gleich hier Katharina Grosse kuratiert

Und um 17.30 werden ebenfalls auf Arte, Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei, beleuchtet. Mehr unter Art & Culture on TV

 

 

 

Frauen in der Kunst

8. März – Weltfrauentag!

Ein willkommener Grund für mich, den Künstlerinnen, deren Werke mich in den vergangenen Jahren berührt haben, einen Beitrag zu widmen. Redet man von der großen Kunst, dann fallen einem sofort Namen wie Picasso, Gauguin, Monet, Matisse, Gerhard Richter oder Jeff Koons ein. Doch wo sind die Frauen in der Kunst? Sind sie auch so präsent wie die Männer? Leider nein. Ausstellungen sind eher selten und so pilgere ich, wenn möglich, in freudiger Erwartung dorthin, wo sie stattfinden, wie z.B. die großartige Schau der deutschen Malerin Katharina Grosse im Sommer 2016, im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, die große Georgia O’Keeffe-Ausstellung in 2016 in der Tate Modern, London oder aktuell, die wunderbar kuratierte Paula Modersohn-Becker Ausstellung in Hamburg, im Bucerius Kunst Forum, um nur drei zu nennen.

Eine Frau war es auch, die mich vor einigen Jahren wieder auf den Pfad der Kunst brachte: die herrlich schräge amerikanische Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (1898-1979). Durch sie und ihre atemberaubende Autobiografie (kann ich nur empfehlen) tauchte ich wieder in die Welt der Kunst ein und allem, was damit verbunden ist.

Malerinnen beeindruckten schon im 16. Jahrhundert mit ihrem Können. Zu den bekanntesten zählen die italienische Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola (1532-1625) sowie die ebenfalls aus Italien stammende Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593-1653). Sie gehörten zu den Besten ihrer Zeit. Nur zwei Jahrhunderte später setzte die Französin Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842) mit ihren hinreißenden Porträts Zeichen. Selbst Marie-Antoinette ließ sich von ihr malen. Vigée-Lebrun hat ein umfassendes Oeuvre hinterlassen, das in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu finden ist. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten sich bei den Impressionisten zwei herausragende Frauen, deren Werk ich sehr schätze durch: die französische Malerin Berthe Morisot (1841-1895) und die US-amerikanische Malerin und Graphikerin Mary Cassatt (1844-1926). In Deutschland erlangten die expressionistischen Malerinnen Gabriele Münter (1877-1962), langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky und die aus Russland stammende Marianne von Werefkin (1860-1938), Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky mit ihren prachtvollen Farben und Motiven Bekanntheit. Die Liste lässt sich – zum Glück – endlos weiterführen, ich nenne im Anschluss nur die, die mich am meisten berührt haben.

Danke an all die wunderbaren Künstlerinnen (auch jene, die nicht hier genannt sind):

Berthe Morisot (1841-1895), französische Malerin
Mary Cassatt (1844-1926), US-amerikanische Malerin und Graphikerin
Marianne von Werefkin (1860-1938), rusischen Malerin
Camille Claudel (1864-1943), französische Künstlerin
Suzanne Valadon (1865-1938), französische Malerin
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Deutsche Malerin
Gabriele Münter (1877-1962), deutsche Malerin
Marie Laurencin (1883-1956), französische Malerin
Sonia Delaunay-Terk (1885-1979), russisch-französische Malerin und Designerin
Anita Rée (1885-1933), deutsche Malerin
Georgia O’Keeffe (1887-1986), amerikanische Malerin
Sophie Teuber-Arp (1889-1943), deutsche Künstlerin
Frida Kahlo (1907-1954), mexikanische Malerin
Dora Maar (1907-1997), französische Fotografin und Malerin
Dorothea Tanning (1910-2012), amerikanische Malerin und Bildhauerin
Louis Bourgois (1911-2010), französisch-amerikanische Bildhauerin
Leonora Carrington (1917-2011), britisch-mexikanische Künstlerin
Sonia Sekula (1918-1963), Schweizer Malerin
Maria Lasnig (1919-2014), österreichische Künstlerin
Joan Mitchell (1925-1992), amerikanische Malerin
Yayoi Kusama (Jahrgang 1929), japanische Künstlerin
Nikki de Saint Phalle (1930-2002), französische Künstlerin
Annette Messager (Jahrgang 1943), französische Künstlerin
Marina Abramović (Jahrgang 1946), serbische Performance Künstlerin
Marlene Dumas (Jahrgang 1953), südafrikanische Künstlerin
Katharina Grosse (Jahrgang 1961), deutsche Malerin
Haegue Young (Jahrgang 1971), koreanische Künstlerin
Alicja Kwade (Jahrgang 1979), deutsche Malerin

 

Cy Twombly im Museum Frieder Burda

cat. 127 à 143 Lemons (Gaète), 1998-2008
Cy Twombly: cat. 127 à 143 Lemons (Gaète), 1998-2008 © starkandart.com

Klein, aber fein sind vom 11. Juni – 09. Oktober 2016, im Untergeschoss des Museums 35 ausgewählte Fotografien der Jahre 1944-2006, des amerikanischen Künstlers zu sehen.

Ich liebe den mitunter sehr poetischen Stil von Cy Twombly (1928-2011). Nicht nur in seinen Gemälden, auch in seinen Fotografien kommt eine sensible und berührende Bildsprache zum Ausdruck. Schon in seiner Studienzeit am Black Mountain College beschäftigte er sich mit Fotografie. Aber erst ab den 1980er Jahren zeigt er diese Arbeiten öffentlich. Sie stellen vornehmlich Dinge und Situationen aus dessen Alltagsleben dar: sein Atelier, Blumen, Landschaften und Skulpturen. Die eingefangenen Momente, die Farben und das Licht verraten den Blick des Künstlers für die Harmonie des Einfachen, die Poesie des Augenblicks. Fast Gemälden gleich, zeichnet mit der Kamera nicht die reine Wiedergabe des Gegenstands, sondern vielmehr ein zartes Zusammenspiel von Licht, Form und Farben. Damit verzaubern die zeitlos wirkenden Fotografien und zeigen die unverwechselbare Stimmung des Aufnahmeorts. Seit 1957 lebte Cy Twombly vornehmlich in Italien. Ein Vergleich zwischen den in Amerika und Italien entstandenen Fotografien macht deutlich, wie sehr das mediterrane Licht, die italienische Kultur und Geschichte sein Arbeiten geprägt haben. Twombly gelingt es, seine eigene, subjektive Wahrnehmung bestimmter Situationen im Bild festzuhalten und damit für alle sichtbar zu machen.

Wer also sowieso gerade im Museum Frieder Burda ist und sich die wunderbare Katharina Grosse Ausstellung anschaut, dem kann kann ich diesen kleinen Einblick in die Welt des großen Cy Twombly nur wärmstens ans Herz legen.

Vom 11. Juni – 09. Oktober 2016 im Untergeschoss des Museums zu finden!

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b
76530 Baden-Baden

Öffnungszeiten:
Di-So, 10-18 Uhr, feiertags (auch Mo) geöffnet, 24.12. und 31.12. geschlossen

 

Eine Meditation in Farbe: Katharina Grosse im Museum Frieder Burda

Katharina Grosse (Jahrgang 61) gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen ihrer Generation. Geboren in Freiburg, lebt und arbeitet sie heute in Berlin. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, widmet ihren Werken die diesjährige Sommerausstellung. Wie ich finde, ist den Kuratoren damit eine wunderbare Symbiose vor allem im Kontext mit der Architektur des Museums gelungen. Die Bilder haben Platz zum Wirken und beeindrucken. Mit ihren Farben, ihrer Tiefe und der Größe. Mehr im Bereich Exhibitions