Happy Birthday, Gerhard Richter!

Einer der bedeutendsten deutschen Künstler feiert heute, am 09. Februar 2017, seinen 85. Geburtstag. Er arbeitet als Maler, Bildhauer und Fotograf und seine verkauften Werke gehören auf dem Kunstmarkt mit zu den teuersten eines lebenden Künstlers.

Richter, Jahrgang 1932, wuchs im damaligen Ostdeutschland in der Oberlausitz auf und begann zunächst als Bühnen- und Werbemaler zu arbeiten. 1961 dann die Flucht in den Westen, wo er bis 1964 an der Kunstakademie Düsseldorf studierte. Dort erhielt er auch wenige Jahre später, 1971, eine Professur für Malerei. Die behielt er bis 1993.

Doch was wirklich heraussticht, ist sein einzigartiges Oeuvre – weltweit geachtet und in schwindelerregenden Summen gehandelt, in den namhaftesten Galerien und Museen zu bewundern und vom Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken. Zwei Stile Richters die mir besonders zusagen, sind seine fotografisch nachgemalten Bilder – meines Erachtens sehr poetisch (siehe oben) – und seine großformatigen Werke, die mit Ölfarbe und Rakel auf die Leinwand aufgebracht werden (siehe unten).

Wer mehr über den Meister und seine Arbeit erfahren will, der kommt noch bis Dienstag, 14. Februar, auf Arte unter diesem Link in den Genuss einer großartigen Dokumentation: Gerhard Richter auf ARTE.

Besinnlich, sinnlich und sehr humorvoll: „Die Kerze“ im Museum Frieder Burda

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Oda Jaune, Untitled, 2011, ©starkandart.com

Passend zur dunklen Jahreszeit erhellt eines meiner Lieblingsmuseen, das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, die Kunstlandschaft des Südens mit dem Licht der Kerze. Viele namhafte zeitgenössische Künstler von Gerhard Richter über Marina Abramović, Thomas Demand, Jörg Immendorff, Oda Jaune (siehe links), Jeff Koons, Alicja Kwade, A. R. Penck, Thomas Ruff, Georg Baselitz u.v.a. mehr, haben dort ihre Spuren mit teils eigenwilligen und immer wieder bezaubernden und überraschenden Versionen einer Kerze hinterlassen.

Ausgangspunkt der von Helmut Friedel kuratierten Ausstellung ist „Die Kerze“, von Gerhard Richter. Insgesamt sind über 50 Gemälde, Skulpturen, Video- und andere Installationen sowie Fotografien zu sehen – vom Who’s Who der Kunstwelt.

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Gerhard Richter, Die Kerze, 1982 © starkandart.com

Wer weihnachtliche Stimmung erwartet – weit gefehlt. Zum Glück. Denn das, was es dort zu sehen gibt, ist äußerst erhellend und spannend. Versehen mit einem andern Blick auf einen jahrhundertealten Gebrauchsgegenstand, dessen eigentlicher Zweck, Licht ins Dunkel zu bringen, in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr in diesem Sinn gebraucht wird.

Besonders beeindruckend fand ich die Serie von Karin Kneffel (oben), einer Schülerin Gerhard Richters, die sich, wie Richter bei seinem Werk, in ebenfalls 100 x 100 cm messenden Bildern selbstbewusst und zauberhaft an die kreative Spur ihres Meisters heftet.

Die Kerze zeigt sich modern und, ja doch, teils besinnlich, aber auch poetisch. Meines Erachtens ist dies Nam June Paik mit einer zauberhaften Installation im Untergeschoss, genannt „One Candle“, 1988/89, besonders gut gelungen:

Doch es wird auch humorvoll – ganz klar, hier hat Jeff Koons knallbuntes Monumentalwerk Candle, von 2001, die Nase vorn, aber auch Jörg Immendorffs liebevolles „Negerchen mit Kerze“, von 1966. Wild und mitunter ganz schön sexy zeigen sich Werke u.a. von A.R. Penck oder Eric Fischl. Eine kleine Auswahl des Gezeigten gibt es hier:

In den hellen und klaren Räumen des Museums wird mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit viel Entdeckenswertes sowie einiges zum Staunen und zum Schmunzeln gezeigt. Grund genug, um sich auf die Reise zu machen und um die Kerze als Gegenstand oder Sinnbild in einem neuen Kontext für sich zu erfahren.

Ein ungewöhnliches Motto wurde hier auf leichte und kunstsinnige Weise interpretiert.

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Den Begleitkatalog zur Ausstellung kann ich ebenfalls sehr empfehlen. Er bietet einen wunderbaren Überblick dessen was gezeigt wird und ist unter diesem Link auch direkt im Shop zu bestellen, Kostenpunkt: 38,00 Euro. Darin wird u.a. das Thema, die Geschichte der Kerze in der bildenden Kunst, mit Beispielen der alten Meister bis hin zu Ernst Ludwig Kirchner und dem genialen Pablo Picasso von Katrin Schwarz und Georges Sturm, beschrieben und aufgezeigt. Und natürlich sind alle Exponate mit ausführlichen Beschreibungen zum jeweiligen Werk enthalten. Ein Buch, das man wirklich gerne zur Hand nimmt.

Ich finde, es ist eine wunderbare, vom Umfang her auf den Punkt kuratierte Ausstellung, die man mit Genuss erkundet und die ich jedem, der in Baden-Baden oder Umgebung weilt, nur wärmstens ans Herz legen kann. Und natürlich ist der Südwesten Deutschlands sowie immer einen Ausflug oder eine Reise wert.

Die Ausstellung geht noch bis zum 29. Januar 2017!

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b

76530 Baden-Baden

Öffnungszeiten:
Di. bis So., 10.00 bis 18.00 Uhr – an allen Feiertagen geöffnet!

Die Stiftung Sammlung Kurt Fried in Berlin, bei Ketterer Kunst

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Mark Rothko, Ohne Titel 1969, Öl und Gouache auf Papier auf Leinwand, 74,4 x 55,5 cm © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Oleg Kuchar, Ulm

Bei einem Berlinbesuch diese Woche konnte ich endlich mein lange geplantes Vorhaben, die Stiftung Sammlung Kurt Fried bei Ketterer Kunst in der Fasanenstraße anzuschauen, wahrmachen. Es war ein Genuss von A bis Z. Da ich des Öfteren die Webseiten großer Auktionshäuser besuche – man kann dort tolle Kunstwerke entdecken – stieß ich eben auch auf diese kleine, exquisite Ausstellung.

Kurt Fried (1906-81), war ein deutscher Publizist, Kunstsammler und Verleger der Schwäbischen Donau-Zeitung, der späteren Südwest Presse. Seine große Leidenschaft galt der Kunst, vor allem der Zeitgenössischen. Ende der 1950er Jahre eröffnete er in Ulm eine eigene Galerie, das „studio f“, das er bis zu seinem Tod selbst leitete. 1978 versah er das Ulmer Museum mit einer großzügigen Schenkung und ein wunderbarer Auszug dessen, 40 Exponate, sind noch bis zum 27. September 2016 in Berlin zu sehen.

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Gerhard Richter: Kurt Fried und Hans Jürgen Müller, 1966, Öl auf Leinwand, 50 x 65 cm © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Bernd Kegler

Schwerpunkt der gezeigten Auswahl ist die deutsche und amerikanische Kunstszene der 1950er und 60er Jahre sowie ein Exkurs in die 80er. Zu sehen sind Werke von Mark Rothko, Josef Albers, Horst Antes, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Max Bill, Antonio Calderara, Enrico Castellani, Lucio Fontana, Gotthard Graubner, Keith Haring, Robert Indiana, Ellsworth Kelly, Yves Klein, Franz Kline, Willem de Kooning, Roy Lichtenstein, Piero Manzoni, Almir da Silva Mavignier, Kenneth Noland, A.R. Penck, Karl Georg Pfahler, Otto Piene, Jackson Pollock, Gerhard Richter, Cy Twombly, Günther Uecker, Andy Warhol und Tom Wesselmann.

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Horst Antes, Grüne Figur, 1964, Gouache, farbige Wachskreiden, Tusche auf Papier, 42,8 x 30,8 cm © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Ingeborg Schmatz, Ulm

Die lichtdurchfluteten Räume der Galerie bilden einen schönen Rahmen, um – fast meditativ – in Kunst abzutauchen. Die überwiegend kleinformatigen Werke zeigen sich farbenfroh und lassen die Kernaussagen der jeweiligen Künstler deutlich werden. Ich kann diese Ausstellung nur wärmstens empfehlen. Wer vorab mehr davon sehen möchte, der kann sich auf der Webseite von Ketterer Kunst oder gleich hier die PDF-Datei mit den gezeigten Bildern herunterladen.

 

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Roy Lichtenstein, Yellow Sky, 1966, Kunstharzfarbe (Magna) auf Baumwolle, 91,5 x 172,5 cm  © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Reinhold Mayer, Ulm

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Der Genuss – unbezahlbar! Wer also gerade in Berlin ist, während der kommenden Berlin Art Week, vom 13. bis 18. September 2016, oder überhaupt, der / die sollte unbedingt einen Abstecher in die Fasanenstraße machen.

Ketterer Kunst
Fasanenstr. 70
10719 Berlin-Charlottenburg

Öffnungszeiten:
Mo. – Fr., von 10 bis 18 Uhr
Sa., von 11 bis 16 Uhr