Drei TV-Tipps fürs Wochenende: Von Georgia O’Keeffe über James Turrell bis Paul Gauguin…

Passend zur  Zeitumstellung, lohnt sich heute das Aufbleiben oder wer die Möglichkeit hat, das Aufzeichnen von drei tollen Dokumentationen. Zwei Highlights sind heute ab 23.25 auf 3Sat zu sehen, über Georgia O’Keeffe und James Turrell morgen geht es weiter mit Paul Gauguin, der ja gerade sehr im Trend ist – Biopic im Kino sowie eine große Ausstellung in Paris:  Seit dem 11. Oktober 2017 (noch bis 22. Januar 2018) ist im Grand Palais die Ausstellung „Gauguin – L’alchimiste“ zu sehen. Anlässlich dessen zeigt ARTE eine ansprechende Doku, in der das ungewöhnliche Leben des autodidaktischen Künstlers geschildert wird. In Trick- und Spielszenen taucht man in die Welt Gauguins (1848-1903) und seines ungewöhnlichen, viel zu kurzen Lebens ein. Mehr zu allen drei Sendungen unter Art & Culture on TV

Frauen in der Kunst

8. März – Weltfrauentag!

Ein willkommener Grund für mich, den Künstlerinnen, deren Werke mich in den vergangenen Jahren berührt haben, einen Beitrag zu widmen. Redet man von der großen Kunst, dann fallen einem sofort Namen wie Picasso, Gauguin, Monet, Matisse, Gerhard Richter oder Jeff Koons ein. Doch wo sind die Frauen in der Kunst? Sind sie auch so präsent wie die Männer? Leider nein. Ausstellungen sind eher selten und so pilgere ich, wenn möglich, in freudiger Erwartung dorthin, wo sie stattfinden, wie z.B. die großartige Schau der deutschen Malerin Katharina Grosse im Sommer 2016, im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, die große Georgia O’Keeffe-Ausstellung in 2016 in der Tate Modern, London oder aktuell, die wunderbar kuratierte Paula Modersohn-Becker Ausstellung in Hamburg, im Bucerius Kunst Forum, um nur drei zu nennen.

Eine Frau war es auch, die mich vor einigen Jahren wieder auf den Pfad der Kunst brachte: die herrlich schräge amerikanische Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (1898-1979). Durch sie und ihre atemberaubende Autobiografie (kann ich nur empfehlen) tauchte ich wieder in die Welt der Kunst ein und allem, was damit verbunden ist.

Malerinnen beeindruckten schon im 16. Jahrhundert mit ihrem Können. Zu den bekanntesten zählen die italienische Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola (1532-1625) sowie die ebenfalls aus Italien stammende Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593-1653). Sie gehörten zu den Besten ihrer Zeit. Nur zwei Jahrhunderte später setzte die Französin Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842) mit ihren hinreißenden Porträts Zeichen. Selbst Marie-Antoinette ließ sich von ihr malen. Vigée-Lebrun hat ein umfassendes Oeuvre hinterlassen, das in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu finden ist. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten sich bei den Impressionisten zwei herausragende Frauen, deren Werk ich sehr schätze durch: die französische Malerin Berthe Morisot (1841-1895) und die US-amerikanische Malerin und Graphikerin Mary Cassatt (1844-1926). In Deutschland erlangten die expressionistischen Malerinnen Gabriele Münter (1877-1962), langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky und die aus Russland stammende Marianne von Werefkin (1860-1938), Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky mit ihren prachtvollen Farben und Motiven Bekanntheit. Die Liste lässt sich – zum Glück – endlos weiterführen, ich nenne im Anschluss nur die, die mich am meisten berührt haben.

Danke an all die wunderbaren Künstlerinnen (auch jene, die nicht hier genannt sind):

Berthe Morisot (1841-1895), französische Malerin
Mary Cassatt (1844-1926), US-amerikanische Malerin und Graphikerin
Marianne von Werefkin (1860-1938), rusischen Malerin
Camille Claudel (1864-1943), französische Künstlerin
Suzanne Valadon (1865-1938), französische Malerin
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Deutsche Malerin
Gabriele Münter (1877-1962), deutsche Malerin
Marie Laurencin (1883-1956), französische Malerin
Sonia Delaunay-Terk (1885-1979), russisch-französische Malerin und Designerin
Anita Rée (1885-1933), deutsche Malerin
Georgia O’Keeffe (1887-1986), amerikanische Malerin
Sophie Teuber-Arp (1889-1943), deutsche Künstlerin
Frida Kahlo (1907-1954), mexikanische Malerin
Dora Maar (1907-1997), französische Fotografin und Malerin
Dorothea Tanning (1910-2012), amerikanische Malerin und Bildhauerin
Louis Bourgois (1911-2010), französisch-amerikanische Bildhauerin
Leonora Carrington (1917-2011), britisch-mexikanische Künstlerin
Sonia Sekula (1918-1963), Schweizer Malerin
Maria Lasnig (1919-2014), österreichische Künstlerin
Joan Mitchell (1925-1992), amerikanische Malerin
Yayoi Kusama (Jahrgang 1929), japanische Künstlerin
Nikki de Saint Phalle (1930-2002), französische Künstlerin
Annette Messager (Jahrgang 1943), französische Künstlerin
Marina Abramović (Jahrgang 1946), serbische Performance Künstlerin
Marlene Dumas (Jahrgang 1953), südafrikanische Künstlerin
Katharina Grosse (Jahrgang 1961), deutsche Malerin
Haegue Young (Jahrgang 1971), koreanische Künstlerin
Alicja Kwade (Jahrgang 1979), deutsche Malerin

 

Georgia O’Keeffe – Tate Modern, London

Die Tate Modern würdigt, ein Jahrhundert nach ihrem Debüt, die bedeutendste amerikanische Künstlerin der Moderne mit der größten Ausstellung die jemals ausserhalb der USA in einer Retrospektive gezeigt wurde. Mit über 100 Gemälden und Fotografien wird ein umfassendes Bild ihres Œuvres gezeigt. Also, auf nach London, denn das, was es in der Tate zu entdecken gilt, ist unbedingt sehenswert!

Schon seit vielen Jahren begeistert mich die Malerei der amerikanischen Künstlerin Georgia O’Keeffe (1887-1986). Das erste Mal begegnete ich ihrem Werk in den späten 1980er Jahren in der Frankfurter Schirn. Ein kleines Gemälde aus der Zeit in Abiquiú, New Mexico, faszinierte mich vom ersten Augenblick an. In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich intensiv mit ihrem Schaffen und ihrer Vita. Ich entdeckte einen Menschen der sich, trotz einiger signifikanter Einbrüche, kompromißlos und souverän seiner Kunst widmete. Und als einer ihrer größten Fans lasse ich es mir natürlich nicht entgehen, wenn ihre Werke irgendwo gezeigt werden.

Erste Bekanntheit erreichte sie 1916 durch eine Gruppenausstellung in der Galerie „291“ in New York. Deren Inhaber, Alfred Stieglitz, war nicht nur ein bedeutender Pionier der Fotografie, er wurde auch die Liebe ihres Lebens und späterer Ehemann. Stieglitz war der Einzige, der es zu jener Zeit wagte, moderne Künstler auszustellen. Ein Jahr später, 1917, folgte ihre erste Einzelausstellung, die allerdings nur drei Tage andauerte, da die USA in den Ersten Weltkrieg eintrat. Die Galerie wurde geschlossen. In jenem Jahr bat Stieglitz O’Keeffe darum, für ihn Modell zu stehen. Eine künstlerische Symbiose nahm ihren Lauf.

Obwohl Georgia O’Keeffe es abstritt, wurden vor allem ihre floralen Motive stets erotischen Bezügen zugeordnet. Eines ihrer Blumenbilder, das 1932 entstandene Gemälde Jimson Weed/White Flower No. 1 (unten links) wurde im November 2014 bei Sotheby’s für 44,4 Millionen Dollar versteigert. Damit ist sie die teuerste Malerin der Kunstgeschichte. Das Bild ziert auch den Katalog sowie das Ausstellungsplakat der Londoner Retrospektive.

Eine umfassende Sammlung ihrer Gemälde sowie Fotografien von Alfred Stieglitz, Ansel Adams und anderen zeichnen ein großartiges Bild vom Leben und Schaffen der Künstler. Die Ausstellung ist in folgende Bereiche unterteilt: Von ihren ersten Jahren und „291“, Abstraktionen und Gefühle, O’Keefe, Stieglitz und ihr Kreis, New Yorks Stadtlandschaften, Lake George, Blumen und Stillleben, New Mexico: Taos und Alcalde bis hin zu: Von der Ferne, nahebei: Die Skull Paintings.

Ich liebe ihre klare Farben- und Formensprache, die schnörkellose und mich immer wieder tief beeindruckenden Kompositionen, mit der sie den Betrachter für ihre Werke einnimmt. Ob es die Blumenbilder sind oder ihre späteren Gemälde mit Tierschädeln, Landschaftsmotiven aus ihrer Wahlheimat New Mexico, die New Yorker Stadtbilder oder Wolkenkompositionen, die sie, inspiriert durch ihre Flugreisen, in ihren späteren Jahren mit dem Pinsel auf die Leinwand zauberte. Ihr Stil, angesiedelt zwischen Figürlichem und Abstraktion, ist zeitlos und schlicht und einfach umwerfend.

Es ist schade, dass so wenig über weibliche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts bekannt ist. Umso bedeutender ist diese Ausstellung, wunderbar kuratiert von Tanya Barson, die einen tief in das Werk dieser großartigen Malerin eintauchen lässt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auch in O’Keeffes Biographie einzulesen. Diese beeindruckende Frau war ihrer Zeit um Lichtjahre voraus. In jeder Beziehung.

Georgia O’Keeffe, vom 6. Juli bis 30. Oktober 2016

Tate Modern
Bankside, London, SE1 9TG
Tel.: 0044 / 20 / 7887 8888

Öffnungszeiten:
So. bis Do. von 10.00 bis 18.00 Uhr
Fr. und Sa. von 10.00 bis 22.00 Uhr

Wie man zur Tate kommt, sieht man hier. Ich empfehle, je nachdem, wo man logiert, einen Spaziergang entlang des Themse-Ufers zu machen. Und wenn man schon vor Ort ist, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen und auch die anderen Galerien sowie  den Rundgang im Switch-House, im zehnten Stock, mit herrlichem Blick über London, erkunden. Es lohnt sich!