Frauen in der Kunst

8. März – Weltfrauentag!

Ein willkommener Grund für mich, den Künstlerinnen, deren Werke mich in den vergangenen Jahren berührt haben, einen Beitrag zu widmen. Redet man von der großen Kunst, dann fallen einem sofort Namen wie Picasso, Gauguin, Monet, Matisse, Gerhard Richter oder Jeff Koons ein. Doch wo sind die Frauen in der Kunst? Sind sie auch so präsent wie die Männer? Leider nein. Ausstellungen sind eher selten und so pilgere ich, wenn möglich, in freudiger Erwartung dorthin, wo sie stattfinden, wie z.B. die großartige Schau der deutschen Malerin Katharina Grosse im Sommer 2016, im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, die große Georgia O’Keeffe-Ausstellung in 2016 in der Tate Modern, London oder aktuell, die wunderbar kuratierte Paula Modersohn-Becker Ausstellung in Hamburg, im Bucerius Kunst Forum, um nur drei zu nennen.

Eine Frau war es auch, die mich vor einigen Jahren wieder auf den Pfad der Kunst brachte: die herrlich schräge amerikanische Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (1898-1979). Durch sie und ihre atemberaubende Autobiografie (kann ich nur empfehlen) tauchte ich wieder in die Welt der Kunst ein und allem, was damit verbunden ist.

Malerinnen beeindruckten schon im 16. Jahrhundert mit ihrem Können. Zu den bekanntesten zählen die italienische Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola (1532-1625) sowie die ebenfalls aus Italien stammende Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593-1653). Sie gehörten zu den Besten ihrer Zeit. Nur zwei Jahrhunderte später setzte die Französin Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842) mit ihren hinreißenden Porträts Zeichen. Selbst Marie-Antoinette ließ sich von ihr malen. Vigée-Lebrun hat ein umfassendes Oeuvre hinterlassen, das in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu finden ist. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten sich bei den Impressionisten zwei herausragende Frauen, deren Werk ich sehr schätze durch: die französische Malerin Berthe Morisot (1841-1895) und die US-amerikanische Malerin und Graphikerin Mary Cassatt (1844-1926). In Deutschland erlangten die expressionistischen Malerinnen Gabriele Münter (1877-1962), langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky und die aus Russland stammende Marianne von Werefkin (1860-1938), Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky mit ihren prachtvollen Farben und Motiven Bekanntheit. Die Liste lässt sich – zum Glück – endlos weiterführen, ich nenne im Anschluss nur die, die mich am meisten berührt haben.

Danke an all die wunderbaren Künstlerinnen (auch jene, die nicht hier genannt sind):

Berthe Morisot (1841-1895), französische Malerin
Mary Cassatt (1844-1926), US-amerikanische Malerin und Graphikerin
Marianne von Werefkin (1860-1938), rusischen Malerin
Camille Claudel (1864-1943), französische Künstlerin
Suzanne Valadon (1865-1938), französische Malerin
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Deutsche Malerin
Gabriele Münter (1877-1962), deutsche Malerin
Marie Laurencin (1883-1956), französische Malerin
Sonia Delaunay-Terk (1885-1979), russisch-französische Malerin und Designerin
Anita Rée (1885-1933), deutsche Malerin
Georgia O’Keeffe (1887-1986), amerikanische Malerin
Sophie Teuber-Arp (1889-1943), deutsche Künstlerin
Frida Kahlo (1907-1954), mexikanische Malerin
Dora Maar (1907-1997), französische Fotografin und Malerin
Dorothea Tanning (1910-2012), amerikanische Malerin und Bildhauerin
Louis Bourgois (1911-2010), französisch-amerikanische Bildhauerin
Leonora Carrington (1917-2011), britisch-mexikanische Künstlerin
Sonia Sekula (1918-1963), Schweizer Malerin
Maria Lasnig (1919-2014), österreichische Künstlerin
Joan Mitchell (1925-1992), amerikanische Malerin
Yayoi Kusama (Jahrgang 1929), japanische Künstlerin
Nikki de Saint Phalle (1930-2002), französische Künstlerin
Annette Messager (Jahrgang 1943), französische Künstlerin
Marina Abramović (Jahrgang 1946), serbische Performance Künstlerin
Marlene Dumas (Jahrgang 1953), südafrikanische Künstlerin
Katharina Grosse (Jahrgang 1961), deutsche Malerin
Haegue Young (Jahrgang 1971), koreanische Künstlerin
Alicja Kwade (Jahrgang 1979), deutsche Malerin

 

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter – Fondation Beyeler, Riehen / Basel

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Franz Marc Die grossen blauen Pferde, 1911 – Öl auf Leinwand, Sammlung Walker Art Center, Minneapolis. Schenkung der T.B. Walker Foundation, Gilbert M. Walker Found, 1942 © starkandart.com

Von jeher gehört die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zu meinen Lieblingsmuseen. Selten wurden Landschaft und Architektur so in Einklang gebracht wie hier. Perfekt eingebettet an der Grenze zur südbadischen  Hügellandschaft ist das von Renzo Piano erbaute Vermächtnis von Ernst Beyeler nicht nur von aussen ein Genuss fürs Auge, drinnen erwarten den Besucher in klaren und lichtdurchfluteten Räumlichkeiten auch immer wieder wunderbare, auf den Punkt kuratierte Ausstellungen.

Seit dem 04. September 2016 kann man dort in die wunderbare Farbenwelt von Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter eintauchen. Die gleichnamige Künstlerbewegung wurde 1911 von den befreundeten Malern Franz Marc (1880-1916) und Wassily Kandinsky (1866-1944) ins Leben gerufen. Die beiden Freunde gaben 1912 in München einen legendären Almanach heraus, der den Umbruch in der Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts ankündigte und der Ausstellung ihren Namen gab:

„DER BLAUE REITER“

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Almanach Der Blaue Reiter, München, 1914, ahlers collection © Thomas Ganzenmüller, Hannover

 

Es war der Beginn eines Umdenkens in der Malerei. Losgelöst von Farben und Formen begannen jene Künstler in Deutschland, sich von dem was sie fühlten, inspirieren zu lassen. Mit ihren gewagten Farbkompositionen verabschiedeten sie sich von den bis dahin gängigen Konventionen. Es war eine kurzzeitige Revolution in der Kunst, mit München als Zentrum, der weitere Maler folgen sollten und die die Moderne in Deutschland einläutete: Eine neue Avantgarde war geboren!

Gleich im Eingangsbereich wird man mit einer gelungenen Projektion durch die Etappen ihres Schaffens und ihrer Entwicklung quer durch Europa geführt, bevor man in den danach beginnenden Ausstellungsräumen in eine exotische Welt der Farben eintaucht. Schwerpunkte sind Kandinsky und Marc, mit vielen ihrer Schlüsselwerke, zu sehen sind jedoch auch Bilder ihrer Weg- und Lebensgefährten wie Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky sowie dem wunderbaren August Macke. Es fiel mir sehr schwer, aus der gezeigten Vielfalt eine Auswahl zu treffen, deshalb habe ich die Exponate der jeweiligen Maler nach meinem Gusto zusammengestellt.

Beginnen wir mit den Werken Kandinskys in den Jahren 1908 und 1909…

Seine Bildsprache ist noch relativ gegenständlich, geht jedoch immer mehr ins Abstrakte über, wie diese und viele andere Werke aus den Jahren 1910 bis 1914 zeigen:

In Murnau, unweit von München, erwarb Gabriele Münter 1909 ein Haus (das heute noch dort steht und besichtigt werden kann), dass den Künstlern als Zuflucht und als Inspirationsquelle diente. Die Zusammenarbeit der befreundete Künstlerpaare Kandinsky und Münter sowie Werefkin und Jawlensky wurde von der lichtdurchfluteten oberbayrischen Seenlandschaft, die von der Alpenkette dominiert wird, befruchtet. Sie führte die Maler zu einer neuen Farbgebung, welche in der Ausstellung einen ersten Schwerpunkt bildet: Leuchtende, ungemischte Farben wurden als Flächen nebeneinander gesetzt. Dieser Prozess wurde von Gabriele Münter als „… vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhaltes – zum Abstrahieren – zum Geben eines Extraktes“ beschrieben, wobei eine wichtige Rolle dabei Alexej von Jawlensky und seinen Landschaftsbildern zukommt, mit ihren betont „einfachen“ Farbformen, wie an den Beispielen Kandinskys, Münsters und Jawlenskys unten zu sehen ist:

Im nahen Sindelsdorf lebte Franz Marc mit Maria Franck. 1911 trafen sich Kandinsky und Marc, was den entscheidenden Impuls für die Publikation des Almanachs „Der Blaue Reiter“, auslöste. Obwohl beide Künstler das Streben nach kultureller Erneuerung einte, waren sie doch sehr unterschiedlich in ihren künstlerischen Ausdrucksformen, wie bei der Bildsprache von Franz Marc deutlich zu erkennen ist. Marc wollte seine, vorwiegenden Tiermotive transzendental, als Ausdruck einer archaischen und unverfälschten Natur darstellen. So, wie er sie wahrgenommen hatte, losgelöst von der gewohnten Farbgebung.

Die Leuchtkraft der Farben und das Verschwinden der Realität, wird bei Franz Marc auch bei diesen beiden Meisterwerken, durch den Einfluss der Künstlerfreundschaft mit dem französischen Maler Robert Delaunay und dessen leuchtender, kraftvoller und farbenfrohen Bildsprache, deutlich:

Last, but not least, will ich noch die Bilder eines meiner besonderen Lieblinge und leider viel zu jung verstorbenen Malers, August Macke (1887-1914), aus dieser großartigen Ausstellung zeigen:

Eine Ausstellung, die sich wirklich lohnt. Viele der gezeigten Werke waren seit langem nicht mehr öffentlich zu sehen, außerdem gibt es einen speziell dem Almanach (Jahrbuch) gewidmeten Raum, in dem eine umfangreiche Auswahl an Werken, die im Blauen Reiter Almanach kombiniert wurden, zu sehen sind.

Vom 04. September 2016 bis zum 22. Januar 2017

FONDATION BEYELER
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Tel. 0041 / 61 / 645 97 00

Öffnungszeiten:
Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs: 10.00 bis 20.00 Uhr

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Empfehlenswert ist auch der zur Ausstellung erschienene Katalog im Hatje Cantz Verlag.
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