Drei TV-Tipps fürs Wochenende: Von Georgia O’Keeffe über James Turrell bis Paul Gauguin…

Passend zur  Zeitumstellung, lohnt sich heute das Aufbleiben oder wer die Möglichkeit hat, das Aufzeichnen von drei tollen Dokumentationen. Zwei Highlights sind heute ab 23.25 auf 3Sat zu sehen, über Georgia O’Keeffe und James Turrell morgen geht es weiter mit Paul Gauguin, der ja gerade sehr im Trend ist – Biopic im Kino sowie eine große Ausstellung in Paris:  Seit dem 11. Oktober 2017 (noch bis 22. Januar 2018) ist im Grand Palais die Ausstellung „Gauguin – L’alchimiste“ zu sehen. Anlässlich dessen zeigt ARTE eine ansprechende Doku, in der das ungewöhnliche Leben des autodidaktischen Künstlers geschildert wird. In Trick- und Spielszenen taucht man in die Welt Gauguins (1848-1903) und seines ungewöhnlichen, viel zu kurzen Lebens ein. Mehr zu allen drei Sendungen unter Art & Culture on TV

Der Bildhauer Constantin Brancusi

Jedes Mal, wenn ich in Paris vor dem Centre Pompidou stehe, nehme ich mir vor, endlich einmal das Atelier des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brancusi (1876-1957) zu besuchen. Ich habe schon so viel von ihm gesehen und über ihn gelesen, aber dennoch bin ich nach den Ausstellungen im Beaubourg meist zu platt, um dann noch ins Atelier Brancusi zu gehen. Brancusi vermachte sein komplettes Studio dem französischen Staat. Eine genaue Rekonstruktion dessen wurde 1997 vor dem Centre Pompidou in Paris erbaut und ist heute Besuchern zugänglich.

Skulpturen - Constantin Brancusi
Constantin Brancusi, Variation der „Muse endormie“ © Artline Films

Arte zeigt morgen früh eine preisgekrönte, halbstündige Doku über den Bildhauer, die sich wirklich anzuschauen lohnt! Man erfährt viel über den Künstler und sein Oeuvre. Mehr dazu unter Art & Culture on TV

 

Happy Birthday, David Hockney!

Heute feiert einer der ganz Großen in der Kunstwelt seinen 80. Geburtstag: Der Brite David Hockney. Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit und ist mit seinem unverkennbaren Werk wirklich einzigartig.

David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery ©starkandartcom
David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery © starkandart.com

Oft der Pop-Art zugerechnet, was er jedoch immer von sich wies, lassen sich bei ihm auch Einflüsse von Matisse, Picasso u. a. zuordnen. Seine Bilder sind realistisch, meist in leuchtenden Farben und lassen sich, kennt man beispielsweise die Motive seiner Heimat in Yorkshire, wunderbar nachempfinden.

Hockney studierte mit Weggefährten wie Regisseur Ridley Scott in London an der Royal Academy of Arts, die im vergangenen Jahr übrigens eine sensationelle Ausstellung mit 82 Porträts + 1 Still-Life zeigte. Wer gerade in Venedig ist, der hat das Glück, noch bis zum 22. Oktober 2017, diese wunderbare Ausstellung dort in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna zu besuchen. Ich hatte sie vergangenen September in London gesehen und war begeistert. Einige Beispiele daraus sind hier zu sehen:


Doch zurück zu Hockney. In den sechziger Jahren zog es ihn nach Kalifornien. Das freiere Leben dort zog ihn an. Er war damals bereits ein bekannter Künstler und experimentierte neben der Malerei auch mit Fotografie. Seine großartigen Gemälde aus dieser Zeit spiegeln die Vorstellungen vom Licht und der Landschaft an der US-Westküste wieder. Dort, in seinem Haus in Los Angeles entstanden auch seine berühmten Swimmingpool-Bilder, die ihn schließlich weltweit bekannt machten. Eines dieser kostbaren Werke hatte ich auf der vergangenen Art Basel gesehen. Es sollte für einen siebenstelligen Betrag den Besitzer wechseln.

Neben seinen Gemälden liebe ich seine Digitalprints. Die Leuchtkraft der Farben, die Sujets und dass er es dem Betrachter ermöglicht, in seine Bilder und die dort zu sehenden Landschaften einzutauchen ist etwas, das nicht vielen Künstlern gelingt.

In jungen Jahren war Hockney ein Rebell, ganz Dandy begann er früh seine Haare platinblond zu färben, was seinen Look unverwechselbar machte, Pop-Artist und Bohemien. Er ist ein Künstler, der mit der Zeit geht und die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks zu nutzen weiß, so entstehen viele seiner Werke heute am Computer oder auf dem iPad.

Die Tate in London ehrte ihn dieses Jahr bereits mit einer umfassenden Retrospektive. Diese ist nun, doppelt so groß, in meinem geliebten Paris, im Centre Pompidou, zu sehen. Bis zum 23. Oktober, hat man dort die Möglichkeit in Hockneys Werk einzutauchen und einen wunderbaren Blick über diese unglaublich schöne Stadt zu genießen. Ich empfehle jedoch, die Tickets vorab zu bestellen, da die Warteschlangen erfahrungsgemäß immer sehr lang sind.

Wer mehr über Hockney und sein Oeuvre erfahren und lernen will, dem kann ich am nächsten Sonntag, 16. Juli, um 17.30 Uhr, eine Dokumentation auf Arte nur wärmstens ans Herz legen. Mehr dazu unter Art & Culture on TV.

Kunst und Kultur auf Arte

 

Ich will an dieser Stelle auf drei tolle Sendungen aufmerksam machen, die morgen Abend, am 31. Mai, ab 20.15 Uhr, auf Arte ausgestrahlt werden. Als altes Modemädchen komme ich nicht umhin, auch den Film über den genialen Yves Saint Laurent mit anzukündigen (zwar etwas zu lange geraten, dennoch sehenswert), schließlich ist Mode auch eine besondere Form der Kunst, allein, wenn man die großartigen Entwürfe Saint Laurents, wie z.B. die berühmten Mondrian-Kleider, berücksichtigt. Im Anschluss folgt dann um 22.40 Uhr eine Dokumentation über Filmikonen „Magnum Photos und das Kino“ und zu guter Letzt um 23.35 Uhr „Im Kunstrausch“, eine wirklich sehenswerte Dokumentation über den Kunstmarkt und dessen Entwicklung. Für mich war es spannend, diesen Beitrag zu sehen, gerade hinsichtlich der anstehenden Art Basel und dem damit verbundenen Geschehen vor Ort. Selbstverständlich werde ich dort sein und von den Geschehnissen berichten. Es wird bestimmt spannend, zumal das Rahmenprogramm als auch die Museenlandschaft in und um Basel herum wieder einiges zu bieten haben.

Weitere, ausführliche Infos zu den Sendungen findet ihr unter Art & Culture on TV, ebenso die Links direkt zu den Sendungen.

Farbgewaltige Bilderwelten von starken Frauen und mehr, auf Arte

In der unter Art & Culture on TV bereits angekündigten 4-tlg. Reihe „Künstlerinnen“, Sonntagvormittags auf Arte, kuratiert heute Katharina Grosse, eine meiner Lieblingskünstlerinnen, eine imaginäre Ausstellung mit großartiger Kunst von Frauen.

Grosse gehört zu den erfolgreichsten Malerinnen Deutschlands. Ich liebe ihre großformatigen, oft raumfüllenenden und -übergreifenden Arbeiten (siehe auch „Eine Meditation in Farbe“), die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Installation sprengen. Mit ihren Sprayarbeiten verwandelt sie Innen- und Außenräume in komplexe und atemberaubende Farbwelten. Ihr Werk liefert einen neuen Ansatz für das, was Malerei sein kann – oder meines Erachtens unbedingt ist: ein unbegrenztes und wunderbares Feld vielfältiger Möglichkeiten.

In ihrer virtuellen Ausstellung (oben) stellt Grosse Künstlerinnen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor: Lieblingskünstlerinnen wie Isa Genzken, Maria Lassnig und Valie Export, Neuentdeckungen wie die lange in Vergessenheit geratene Georgiana Houghton oder die einzigartige Aborigine-Malerin Emily Kame Kngwarreye sowie jüngere Künstlerinnen wie Pamela Rosenkranz, Camille Henrot, Wangechi Mutu und die Neuseeländerin Judy Millar. Die Doku begleitet den Entstehungsprozess der Ausstellung und liefert Informationen über die vorgestellten Künstlerinnen.
Online ist der Beitrag in der Arte Mediathek in der Rubrik „Kunst & Kultur“ noch bis zum 17. Juni 2017 abrufbar oder man klickt gleich hier Katharina Grosse kuratiert

Und um 17.30 werden ebenfalls auf Arte, Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei, beleuchtet. Mehr unter Art & Culture on TV

 

 

 

3 tolle TV-Tipps in Sachen Kunst

Auf Arte gibt es heute (und in der Arte Mediathek) drei sehr unterschiedlich gelagerte, aber sehenswerte Beiträge. Es beginnt mit der ersten Folge der vierteiligen Dokureihe über Künstlerinnen. Auftakt macht die Amerikanerin Kiki Smith, dann folgt eine großartige Doku über den niederländischen Maler Jan Vermeer van Delf und zum Schluß noch eine Dokumentation über den polarisierenden deutschen Maler Otto Dix, mehr unter Arts & Culture on TV

Großartige Doku über Vincent van Gogh, auf Arte!

Wahn, Wut oder Wollust? Das Ohr von Vincent van Gogh

Vincent van Gogh, geboren am 30. März 1853 in Groot-Zundert, Niederlande, war einer der größten Künstler überhaupt. Getrieben und auf der Suche nach sich selbst, machte er seinen Weg, der schließlich mit nur 37 Jahren, am 29. Juli 1890, in Auvers-sur-Oise in Frankreich endete. Innerlich zerrissen und immer wieder von seinen Dämonen geplagt schuf er ein großartiges Oeuvre, das heute in namhaften Museen weltweit zu bewundern ist und dessen Gemälde bei Auktionen und Sammlern in Millionenhöhe gehandelt werden.

Doch was führte den hochintelligenten Maler knapp zwei Jahre vor seinem Tod wirklich dazu, nach Arles in die Provence zu ziehen? Bekannt ist, dass er eine Künstlerkolonie gründen wollte. Der erste und einzige Versuch mit seinem Malerfreund Paul Gauguin scheiterte kläglich. Gauguin verließ im Dezember 1888 in einem Streit das kleine gelbe Haus in Arles – und Vincent van Gogh; in jener Nacht, in der es zu dem folgenschweren Zwischenfall kam und in der sich der verzweifelte Maler das rechte Ohr abschnitt.

Doch wie kam es dazu und warum brachte er sein Ohr einem Mädchen in einem Bordell? Auf Arte gibt es dazu heute Abend um 20.15 Uhr, eine spannende Zeitreise, welche die van Gogh Expertin Bernadette Murphy bei der Spurensuche dessen, was damals geschah, begleitet. Ein Zünglein an der Waage war unter anderem der französische Arzt Dr. Felix Rey, dessen Porträt aktuell in einer fantastischen Ausstellung über die Ikonen der Modernen Kunst in der Fondation Louis Vuitton in Paris zu sehen ist.

Seit mehr als einem Jahrhundert streiten Experten darüber, was tatsächlich in der Nacht des 23. Dezember 1888 in Arles geschah, als sich der Künstler in einem Akt der Verzweiflung das rechte Ohr mit einem Rasiermesser abschnitt und es anschließend einem Mädchen in einem Bordell brachte. Was verrät diese Selbstverstümmelung über van Goghs psychische Verfassung? Und, schnitt er sich wirklich das ganze Ohr ab? Wer war die geheimnisvolle Prostituierte, die das Ohr offenbar entgegengenommen hatte?
Nach dem Vorfall versuchten einige, die Angelegenheit zu vertuschen: Van Goghs eigene Familie beispielsweise zerstörte kompromittierende Dokumente.

In akribischer Recherchearbeit trug die britische Autorin Bernadette Murphy, die in der Provence lebt, fünf Jahre lang die Puzzleteilchen zusammen, die van Goghs Leben in Arles in den Jahren 1888 und 1889 rekonstruieren. In minuziösen Nachforschungen förderte sie eine ganze Kette von Beweisen zutage, aus denen hervorgeht, was in jener Nacht geschah und wer alles mit diesen Vorkommnissen in Zusammenhang steht. Der Dokumentarfilm beleuchtet van Goghs Aufenthalt in Arles in seinem berühmten gelben Haus, die Menschen, die dem Fremden feindlich oder wohlgesonnen gestimmt waren, seinen unbändigen Schaffensrausch und Paul Gauguins Besuch, der einen Wendepunkt in van Goghs Leben darstellte. Auf der Grundlage von Murphys Forschungen und anhand der Werke des Malers wird das Arles des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder lebendig.

Es ist eine Dokumentation, die ich wärmstens empfehlen kann. Ein spannender Kunstkrimi mit einem überraschenden – wahren Ausgang. Die Wiederholung gibt es morgen, um 14.30 Uhr – auf Arte. Und natürlich direkt über diesen Link in der Mediathek auf Arte.tv