Handwerk und Poesie – Der Maler Pierre Soulages

Der französische Künstler Pierre Soulages, Jahrgang 1919, gehört zu den letzten lebenden Legenden der abstrakten Kunst. Schwarz ist seine Farbe und wie kaum ein anderer vermag er es, dieser lichtschluckenden Nichtfarbe Intensität und Glanz zu verleihen, wie seine dem Abstrakten zuzuordnenden Werke zeigen. Mit 97 Jahren ist er immer noch voller Schaffensdrang. Ich hatte das Glück, einige seiner beeindruckenden Werke zu sehen, zuletzt das Rot/Schwarze oben bei einer ganz besonderen Ausstellung, der „Tokyo-Paris, Bridgestone Museum of Art, Collection Ishibashi Foundation“, in der Orangerie in Paris.
Auf Arte ist morgen um 17.30 eine wunderbare Doku über diesen Ausnahmekünstler zu sehen. Mehr zur Sendung und dem Maler findet ihr unter Art & Culture on TV

Das Atelier Brancusi in Paris

Wie im vorherigen Beitrag bereits angekündigt, konnte ich mein Vorhaben bei meinem letzten Parisaufenthalt endlich in die Tat umsetzen und habe das Atelier des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brancusi (1876-1957) besucht. Nach dem TV-Beitrag auf Arte war ich erst recht neugierig auf das, was in dem flachen Gebäude, erbaut von Renzo Piano, links neben dem Haupteingang des Centre Pompidou vorzufinden ist. Und nach einem langen Spaziergang durch die heiße Stadt (über 33 Grad), war ich froh, in das helle und vor allem gut klimatisierte Atelier abtauchen zu können.

Im ersten Teil sind seine wunderbaren Arbeiten zu sehen. Brancusi hatte nach seinem Tod 1957, das komplette Atelier an den französischen Staat vermacht. Die aktuelle Variante, eine exakte Rekonstruktion des ursprünglichen Ateliers wurde 1997 auf dem Platz links vor dem Centre Pompidou erbaut. Es beinhaltet u. a. 137 Skulpturen, 87 Grundlagen, 41 Zeichnungen, zwei Gemälde und über 1600 Fotografie-Platten aus Glas und natürlich die Werkzeuge mit den Brancusi seine Skulpturen erarbeitete.

Die Räumlichkeiten selbst sind durch Glaswände geschützt, was mir dabei sehr gut gefallen hat, waren die rundum aufgestellten Bänke, so dass man sich setzen und die Vielzahl des Gezeigten in aller Ruhe auf sich wirken lassen konnte. Fast wie eine kleine Meditation in Sachen Kunst. Die Beschreibungen an den Seiten ähnelten wegen der Vielzahl dessen, was zu sehen war, eher Suchbildern, daher waren die Bänke eine willkommene Option, Werk und Formenvielfalt aufzunehmen und zu genießen.

Wenn man sich von den Objekten gelöst hat, geht es weiter zum eigentlichen Atelierbereich, wo u.a. sein Handwerkszeug, Skulpturen (fertige und sich in Arbeit befindende), Gemälde, Fotografien sowie der Rückzugsbereich des Künstlers vorzufinden sind.

Wer also auf Kunsttour in meiner Lieblingsstadt ist, dem kann ich einen Besuch in diesem kleinen, aber feinen Museum nur wärmstens empfehlen. Der Eintritt ist frei und der Eindruck dessen, was man geboten bekommt – unbezahlbar.

 

Atelier BrancusiIMG_5636

Täglich von 14.00 bis 18.00 – ausser dienstags – geöffnet!

Der Eintritt ist frei!

 

 

Neuland: Jose Dávila. Die Feder und der Elefant, in der Hamburger Kunsthalle

Vom 2. Juni 2017 bis zum 3. Juni 2018

Nach Haegue Yang ist der mexikanische Künstler Jose Dávila (geb. 1974, in Guadalajara) der Zweite, der eine ganzjährige Ausstellung in der Galerie der Gegenwart mit seinen Skulpturen und Installationen bestückt. „Neuland“ ist ein Ausstellungsformat der Hamburger Kunsthalle, dass es Künstlern ermöglicht, ihre Werke mit Hintergrund globaler Veränderungen über einen langen Zeitraum zu präsentieren. Die ausgestellten Werke werden eigens dafür konzipiert, so auch die sieben Exponate Dávilas, der übrigens das erste Mal in Deutschland ausstellt.

Zu seinen bevorzugten Materialen zählen alle Arten von Glas, von Plexi- bis Spiegelglas, für ihn ein absolut zeitgemäßes Material, als auch Marmor. Für die Exponate in der Hamburger Kunsthalle wurde nicht nur die Architektur des Hauses berücksichtigt und die Installationen auf die Gegebenheiten der Räume abgestimmt, auch einige der verwendeten Materialien kommen aus dem Hamburger Umland sowie aus Mexiko. Steine und deren organische Struktur haben für den Künstler eine ganz besondere Bedeutung. Was sich ein bisschen wie der berühmte „Rote Faden“ durch die Ausstellung zieht, sind die Befestigungen seiner teils doch sehr fragilen Installationen: Es sind Gurtbänder, in Gelb und Rot, die eigens für Dávila angefertigt werden, und die seinen Werken eine gewisse Komplexität verleihen.

Was mich begeistert hat, dass sind die Transparenz und Leichtigkeit, die bereits erwähnte Fragilität sowie die Diversität, die einem die Exponate in den lichtdurchfluteten Räumen immer wieder neu entdecken und erleben lassen – wie auch durch den Titel der Ausstellung „Die Feder und der Elefant“ deutlich wird. Man darf auch gespannt sein, wie sich die Lichtverhältnisse und die Reflexionen im Lauf eines Jahres bei der Betrachtung verändern. Ich freue mich darauf und werde bei meinen künftigen Besuchen immer wieder dort vorbeischauen.

Jose Dávila ist ein Künstler, der es wert ist entdeckt zu werden. Nach seinem Architekturstudium belegte er Kurse für Skulptur und Fotografie. So ist es nicht verwunderlich, dass in seinen Arbeiten spielerische Reflexionen, kritische Kommentare und offene Hommagen an die Kunst- und Architektur-Avantgarde des 20. Jahrhunderts zu erkennen sind. Zu deren namhaften Vertretern gehören u. a. Größen wie Richard Serra, Donald Judd oder Dan Flavin.

Ausgewählte Objekte wie das größte der Exponate „The riddles have been unriddled“, mit den gelben Spanngurten, verbleiben als Dauerleihgabe im Besitz der Hamburger Kunsthalle.

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg
Tel. +49(0)40-428131-200

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag von 10.00 bis 21.00 Uhr
Montags geschlossen

Happy Birthday, Cy Twombly!

Twombly (25. April 1928, in den USA) gehört schon seit langem zu meinem Lieblingskünstlern. Die einen mögen seine Kunst zwar als großformatiges Gekritzel sehen, andere jedoch entdecken darin – wie ich – die besondere Poesie, die immer wieder aus seinen Werken spricht. Egal, ob es seine Gemälde sind oder die wunderbaren Fotografien, stets mit einem Hauch Unschärfe, die einen wie aus der Zeit gerückt erscheinen. Für mich ist er der Poet unter den Malern.

Sein Oeuvre wird dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus zugerechnet. Wichtige Vertreter dieser Stilrichtung sind beispielsweise Jackson Pollock, Robert Motherwell, Jasper Johns oder Franz Kline. Einer seiner Freunde und Weggefährten war Robert Rauschenberg. Sie hatten sich Anfang der Fünfziger Jahre an einem College in den USA kennengelernt und lange ein Atelier miteinander geteilt.

Wenngleich Twomblys Werk meines Erachtens subtiler und leichter ist. Manchmal erinnern sie an wilde Kritzeleien, dennoch üben sie eine besondere Magie auf den Betrachter aus, wie man anhand der vorgestellten Bilder erkennen kann. Die vier unten entstammen den „Nine Discourses on Commodus“, entstanden im Jahr 1963, kurz nach der Ermordung John F. Kennedys. Sie sollen an unterschiedliche Episoden im Leben und Tod des Römischen Kaisers Commodus (161-192) mit all seiner Tragik, den Höhen und Tiefen erinnern. Leider hatte ich nicht alle fotografiert, aber ich hoffe, dass anhand des Gezeigten in etwa die Komplexität von Twomblys Ansinnen zu erkennen ist.

Das Centre Pompidou in Paris widmete dem im Juli 2011, in seiner Wahlheimat Rom verstorbenen Künstler, vom 30. November 2016 bis zum 24. April 2017, eine große Ausstellung. Ich hatte das Glück, im Dezember in seine Welt eintauchen zu können und freue mich, nun einige seiner Werke heute, an seinem Geburtstag, mit euch zu teilen.

Farbgewaltige Bilderwelten von starken Frauen und mehr, auf Arte

In der unter Art & Culture on TV bereits angekündigten 4-tlg. Reihe „Künstlerinnen“, Sonntagvormittags auf Arte, kuratiert heute Katharina Grosse, eine meiner Lieblingskünstlerinnen, eine imaginäre Ausstellung mit großartiger Kunst von Frauen.

Grosse gehört zu den erfolgreichsten Malerinnen Deutschlands. Ich liebe ihre großformatigen, oft raumfüllenenden und -übergreifenden Arbeiten (siehe auch „Eine Meditation in Farbe“), die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Installation sprengen. Mit ihren Sprayarbeiten verwandelt sie Innen- und Außenräume in komplexe und atemberaubende Farbwelten. Ihr Werk liefert einen neuen Ansatz für das, was Malerei sein kann – oder meines Erachtens unbedingt ist: ein unbegrenztes und wunderbares Feld vielfältiger Möglichkeiten.

In ihrer virtuellen Ausstellung (oben) stellt Grosse Künstlerinnen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor: Lieblingskünstlerinnen wie Isa Genzken, Maria Lassnig und Valie Export, Neuentdeckungen wie die lange in Vergessenheit geratene Georgiana Houghton oder die einzigartige Aborigine-Malerin Emily Kame Kngwarreye sowie jüngere Künstlerinnen wie Pamela Rosenkranz, Camille Henrot, Wangechi Mutu und die Neuseeländerin Judy Millar. Die Doku begleitet den Entstehungsprozess der Ausstellung und liefert Informationen über die vorgestellten Künstlerinnen.
Online ist der Beitrag in der Arte Mediathek in der Rubrik „Kunst & Kultur“ noch bis zum 17. Juni 2017 abrufbar oder man klickt gleich hier Katharina Grosse kuratiert

Und um 17.30 werden ebenfalls auf Arte, Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei, beleuchtet. Mehr unter Art & Culture on TV

 

 

 

Frauen in der Kunst

8. März – Weltfrauentag!

Ein willkommener Grund für mich, den Künstlerinnen, deren Werke mich in den vergangenen Jahren berührt haben, einen Beitrag zu widmen. Redet man von der großen Kunst, dann fallen einem sofort Namen wie Picasso, Gauguin, Monet, Matisse, Gerhard Richter oder Jeff Koons ein. Doch wo sind die Frauen in der Kunst? Sind sie auch so präsent wie die Männer? Leider nein. Ausstellungen sind eher selten und so pilgere ich, wenn möglich, in freudiger Erwartung dorthin, wo sie stattfinden, wie z.B. die großartige Schau der deutschen Malerin Katharina Grosse im Sommer 2016, im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, die große Georgia O’Keeffe-Ausstellung in 2016 in der Tate Modern, London oder aktuell, die wunderbar kuratierte Paula Modersohn-Becker Ausstellung in Hamburg, im Bucerius Kunst Forum, um nur drei zu nennen.

Eine Frau war es auch, die mich vor einigen Jahren wieder auf den Pfad der Kunst brachte: die herrlich schräge amerikanische Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (1898-1979). Durch sie und ihre atemberaubende Autobiografie (kann ich nur empfehlen) tauchte ich wieder in die Welt der Kunst ein und allem, was damit verbunden ist.

Malerinnen beeindruckten schon im 16. Jahrhundert mit ihrem Können. Zu den bekanntesten zählen die italienische Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola (1532-1625) sowie die ebenfalls aus Italien stammende Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593-1653). Sie gehörten zu den Besten ihrer Zeit. Nur zwei Jahrhunderte später setzte die Französin Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842) mit ihren hinreißenden Porträts Zeichen. Selbst Marie-Antoinette ließ sich von ihr malen. Vigée-Lebrun hat ein umfassendes Oeuvre hinterlassen, das in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu finden ist. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten sich bei den Impressionisten zwei herausragende Frauen, deren Werk ich sehr schätze durch: die französische Malerin Berthe Morisot (1841-1895) und die US-amerikanische Malerin und Graphikerin Mary Cassatt (1844-1926). In Deutschland erlangten die expressionistischen Malerinnen Gabriele Münter (1877-1962), langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky und die aus Russland stammende Marianne von Werefkin (1860-1938), Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky mit ihren prachtvollen Farben und Motiven Bekanntheit. Die Liste lässt sich – zum Glück – endlos weiterführen, ich nenne im Anschluss nur die, die mich am meisten berührt haben.

Danke an all die wunderbaren Künstlerinnen (auch jene, die nicht hier genannt sind):

Berthe Morisot (1841-1895), französische Malerin
Mary Cassatt (1844-1926), US-amerikanische Malerin und Graphikerin
Marianne von Werefkin (1860-1938), rusischen Malerin
Camille Claudel (1864-1943), französische Künstlerin
Suzanne Valadon (1865-1938), französische Malerin
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Deutsche Malerin
Gabriele Münter (1877-1962), deutsche Malerin
Marie Laurencin (1883-1956), französische Malerin
Sonia Delaunay-Terk (1885-1979), russisch-französische Malerin und Designerin
Anita Rée (1885-1933), deutsche Malerin
Georgia O’Keeffe (1887-1986), amerikanische Malerin
Sophie Teuber-Arp (1889-1943), deutsche Künstlerin
Frida Kahlo (1907-1954), mexikanische Malerin
Dora Maar (1907-1997), französische Fotografin und Malerin
Dorothea Tanning (1910-2012), amerikanische Malerin und Bildhauerin
Louis Bourgois (1911-2010), französisch-amerikanische Bildhauerin
Leonora Carrington (1917-2011), britisch-mexikanische Künstlerin
Sonia Sekula (1918-1963), Schweizer Malerin
Maria Lasnig (1919-2014), österreichische Künstlerin
Joan Mitchell (1925-1992), amerikanische Malerin
Yayoi Kusama (Jahrgang 1929), japanische Künstlerin
Nikki de Saint Phalle (1930-2002), französische Künstlerin
Annette Messager (Jahrgang 1943), französische Künstlerin
Marina Abramović (Jahrgang 1946), serbische Performance Künstlerin
Marlene Dumas (Jahrgang 1953), südafrikanische Künstlerin
Katharina Grosse (Jahrgang 1961), deutsche Malerin
Haegue Young (Jahrgang 1971), koreanische Künstlerin
Alicja Kwade (Jahrgang 1979), deutsche Malerin

 

3 tolle TV-Tipps in Sachen Kunst

Auf Arte gibt es heute (und in der Arte Mediathek) drei sehr unterschiedlich gelagerte, aber sehenswerte Beiträge. Es beginnt mit der ersten Folge der vierteiligen Dokureihe über Künstlerinnen. Auftakt macht die Amerikanerin Kiki Smith, dann folgt eine großartige Doku über den niederländischen Maler Jan Vermeer van Delf und zum Schluß noch eine Dokumentation über den polarisierenden deutschen Maler Otto Dix, mehr unter Arts & Culture on TV