Das Atelier Brancusi in Paris

Wie im vorherigen Beitrag bereits angekündigt, konnte ich mein Vorhaben bei meinem letzten Parisaufenthalt endlich in die Tat umsetzen und habe das Atelier des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brancusi (1876-1957) besucht. Nach dem TV-Beitrag auf Arte war ich erst recht neugierig auf das, was in dem flachen Gebäude, erbaut von Renzo Piano, links neben dem Haupteingang des Centre Pompidou vorzufinden ist. Und nach einem langen Spaziergang durch die heiße Stadt (über 33 Grad), war ich froh, in das helle und vor allem gut klimatisierte Atelier abtauchen zu können.

Im ersten Teil sind seine wunderbaren Arbeiten zu sehen. Brancusi hatte nach seinem Tod 1957, das komplette Atelier an den französischen Staat vermacht. Die aktuelle Variante, eine exakte Rekonstruktion des ursprünglichen Ateliers wurde 1997 auf dem Platz links vor dem Centre Pompidou erbaut. Es beinhaltet u. a. 137 Skulpturen, 87 Grundlagen, 41 Zeichnungen, zwei Gemälde und über 1600 Fotografie-Platten aus Glas und natürlich die Werkzeuge mit den Brancusi seine Skulpturen erarbeitete.

Die Räumlichkeiten selbst sind durch Glaswände geschützt, was mir dabei sehr gut gefallen hat, waren die rundum aufgestellten Bänke, so dass man sich setzen und die Vielzahl des Gezeigten in aller Ruhe auf sich wirken lassen konnte. Fast wie eine kleine Meditation in Sachen Kunst. Die Beschreibungen an den Seiten ähnelten wegen der Vielzahl dessen, was zu sehen war, eher Suchbildern, daher waren die Bänke eine willkommene Option, Werk und Formenvielfalt aufzunehmen und zu genießen.

Wenn man sich von den Objekten gelöst hat, geht es weiter zum eigentlichen Atelierbereich, wo u.a. sein Handwerkszeug, Skulpturen (fertige und sich in Arbeit befindende), Gemälde, Fotografien sowie der Rückzugsbereich des Künstlers vorzufinden sind.

Wer also auf Kunsttour in meiner Lieblingsstadt ist, dem kann ich einen Besuch in diesem kleinen, aber feinen Museum nur wärmstens empfehlen. Der Eintritt ist frei und der Eindruck dessen, was man geboten bekommt – unbezahlbar.

 

Atelier BrancusiIMG_5636

Täglich von 14.00 bis 18.00 – ausser dienstags – geöffnet!

Der Eintritt ist frei!

 

 

Neuland: Jose Dávila. Die Feder und der Elefant, in der Hamburger Kunsthalle

Vom 2. Juni 2017 bis zum 3. Juni 2018

Nach Haegue Yang ist der mexikanische Künstler Jose Dávila (geb. 1974, in Guadalajara) der Zweite, der eine ganzjährige Ausstellung in der Galerie der Gegenwart mit seinen Skulpturen und Installationen bestückt. „Neuland“ ist ein Ausstellungsformat der Hamburger Kunsthalle, dass es Künstlern ermöglicht, ihre Werke mit Hintergrund globaler Veränderungen über einen langen Zeitraum zu präsentieren. Die ausgestellten Werke werden eigens dafür konzipiert, so auch die sieben Exponate Dávilas, der übrigens das erste Mal in Deutschland ausstellt.

Zu seinen bevorzugten Materialen zählen alle Arten von Glas, von Plexi- bis Spiegelglas, für ihn ein absolut zeitgemäßes Material, als auch Marmor. Für die Exponate in der Hamburger Kunsthalle wurde nicht nur die Architektur des Hauses berücksichtigt und die Installationen auf die Gegebenheiten der Räume abgestimmt, auch einige der verwendeten Materialien kommen aus dem Hamburger Umland sowie aus Mexiko. Steine und deren organische Struktur haben für den Künstler eine ganz besondere Bedeutung. Was sich ein bisschen wie der berühmte „Rote Faden“ durch die Ausstellung zieht, sind die Befestigungen seiner teils doch sehr fragilen Installationen: Es sind Gurtbänder, in Gelb und Rot, die eigens für Dávila angefertigt werden, und die seinen Werken eine gewisse Komplexität verleihen.

Was mich begeistert hat, dass sind die Transparenz und Leichtigkeit, die bereits erwähnte Fragilität sowie die Diversität, die einem die Exponate in den lichtdurchfluteten Räumen immer wieder neu entdecken und erleben lassen – wie auch durch den Titel der Ausstellung „Die Feder und der Elefant“ deutlich wird. Man darf auch gespannt sein, wie sich die Lichtverhältnisse und die Reflexionen im Lauf eines Jahres bei der Betrachtung verändern. Ich freue mich darauf und werde bei meinen künftigen Besuchen immer wieder dort vorbeischauen.

Jose Dávila ist ein Künstler, der es wert ist entdeckt zu werden. Nach seinem Architekturstudium belegte er Kurse für Skulptur und Fotografie. So ist es nicht verwunderlich, dass in seinen Arbeiten spielerische Reflexionen, kritische Kommentare und offene Hommagen an die Kunst- und Architektur-Avantgarde des 20. Jahrhunderts zu erkennen sind. Zu deren namhaften Vertretern gehören u. a. Größen wie Richard Serra, Donald Judd oder Dan Flavin.

Ausgewählte Objekte wie das größte der Exponate „The riddles have been unriddled“, mit den gelben Spanngurten, verbleiben als Dauerleihgabe im Besitz der Hamburger Kunsthalle.

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg
Tel. +49(0)40-428131-200

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag von 10.00 bis 21.00 Uhr
Montags geschlossen

Von Frankreichs Künsten über Monet bis zu Kandinsky – am Sonntag im TV

Am 2. Adventssonntag gibt es gleich drei Leckerbissen in Sachen Kunst im Fernsehen. Der erste Tipp „Macht und Pracht – Frankreichs Künste im zweiten Kaiserreich“ beginnt um 17.35 Uhr auf Arte.

Das zweite französische Kaiserreich (1852-1870) war geprägt von einer Politik der Inszenierung. Nie zuvor hatte ein Regime so eifrig an seiner Selbstdarstellung gefeilt. Das von Dekadenz und Opulenz geprägte Leben der Pariser Oberschicht bedeutete für das kulturelle Leben eine Blütezeit: Die Herrschaft Napoleons des III. hinterließ nachhaltige Spuren in Kunst, Kultur, Architektur, Gesellschaft und Wirtschaft. Maßgeblich war dabei jedoch nur die offizielle Kunst. Unabhängige Kunstformen stießen in Inhalt und Form auf die Ablehnung der Académie des Beaux-Arts. Die von Baron Haussmann in kaiserlichem Auftrag realisierten Großbauprojekte modernisierten das Stadtbild und beeinflussten das soziale Leben in der Hauptstadt maßgeblich. Zum Glück, wie ich finde, denn das wohl schönste Stadtbild der Welt hat nun mal PARIS. Eine sehenswerte und sehr informative Dokumentation.

Mehr dazu morgen, um 17.35 Uhr auf Arte! Die Sendung ist in der Arte Mediathek unter Kunst & Kultur noch für sieben Tage, bis zum 11. Dezember 2016, abrufbar.

Auf ARD-Alpha sind ab 22.15 zwei Dokumentationen über zwei ganz besondere Künstler zu sehen: Claude Monet und Wassily Kandinsky.

22.15 – Zum 90. Todestag: Claude Monet und die Moderne

Wie war Monets (14. November 1840 – 5. Dezember 1926) Einfluss auf die Moderne? Während die breite Öffentlichkeit erst in den letzten beiden Jahrzehnten den „Seerosenbildern“ große Anerkennung zukommen ließ, hatten Künstler der Avantgarde schon ab 1950 die Bedeutung Monets für ihre eigene Entwicklung entdeckt: Die Pariser Orangerie, wo Monets späte Seerosenpanoramen ausgestellt sind, wurde gar zur „Sixtinischen Kapelle der Moderne“ – und gehört bei jedem meiner Parisbesuche zum Pflichtprogramm.

Der Film begibt sich auf die Suche nach der Person Monets und lässt u.a. in Erzählungen seiner Urenkel seine außergewöhnliche Persönlichkeit lebendig werden. Er folgt den Spuren des Künstlers in dessen Haus und Garten nach Giverny – ein Ausflugstipp, falls man gerade in der Gegend oder in Paris ist, den ich Monetfans und Gartenfreunden nur wärmstens ans Herz legen kann. Eine Sequenz des Films begibt sich auch in das geheimnisvolle Venedig, ein anziehender Ort für viele Maler. Zum Thema Venedig gibt es in Hamburg, im Bucerius Kunstforum gerade eine schöne und sehenswerte Ausstellung – noch bis zum 17. Januar 2017.

Tipp: Ab dem 22. Januar bis zum 28. Mai 2017 zeigt die Fondation Beyeler in Riehen anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens ein Ausstellung über Claude Monet. Mehr dazu unter diesem Link

Gleich danach, um 23.00 Uhr: Wassily Kandinsky – Die Welt hinter den Dingen

Kandinsky (16. Dezember 1866-13. Dezember 1944) war einer der außergewöhnlichsten Maler der Moderne. Erst im Alter von 30 Jahren beschloss der Moskauer Jurist und Ethnologe, sich ganz der Kunst zu widmen und von seiner Heimatstadt in die damalige Kunstmetropole München zu ziehen. Dort wird er ab 1908 den Aufbruch in eine neue Malerei wagen: er löst sich in seinen Bildern nach und nach vom gegenständlichen Malen und macht als einer der ersten den Schritt in die Abstraktion. Seine Gemälde, die in München und Murnau entstehen, sind ein Feuerwerk aus Formen und Farbklängen – Ausdruck seiner Empfindung und seines Blickes in die Welt hinter den Dingen.

Aktuell findet, noch bis zum 22. Januar 2017, in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel, eine grandiose Ausstellung über „Marc, Kandinsky & Der Blaue Reiter“ statt (von dort stammen auch die oben gezeigten Bilder).

Die Doku, die anlässlich der großen Kandinsky-Schau im Münchner Lenbachhaus entstand, zeigt Hauptwerke aus allen Schaffensperioden und folgt den Spuren des Künstlers: ins „Russenhaus“ nach Murnau, in sein „Meisterhaus“ in Dessau und in seine letzte Wohnung in Neuilly bei Paris. Historische Filmaufnahmen vermitteln nicht nur authentisch die Zeit der radikalen politischen Umbrüche, sondern zeigen einen Ausnahmekünstler, der als einer der Väter der abstrakten Kunst in die Geschichte eingegangen ist, beim Malen.

Es lohnt sich also aufzubleiben!

Toller TV-Beitrag über das Kunstmuseum Basel

Auf  3Sat lief am Sonntag die Sendung Museums-Check mit Markus Brock. Dieses Mal hatte er das Kunstmuseum in Basel besucht und einen ausführlichen Rundgang von alter zu neuer Kunst und der beeindruckenden Architektur der dazugehörenden drei Häuser gemacht. Da die Schweiz und vor allem auch Basel mit zu meinen Lieblingsorten gehören, vor allem, was Kunst betrifft, war es ein Genuss, die Sendung und die vertraute Umgebung zu sehen. Und das will ich meinen Followern nicht vorenthalten.

Für Kunstfans ist das eine absolut sehenswerte Sendung. Wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich zur Architektur vor Ort ein leicht gespaltenes Verhältnis habe. Siehe mein Beitrag über das Museum vom 21. August diesen Jahres. Aber nichtsdestotrotz steht die unglaubliche Kunstsammlung, die es dort zu bewundern gibt und die in wirklich schönen Räumlichkeiten präsentiert wird, im Vordergrund. Ich weiß nicht, wie lange die Sendung (dauert knapp 30 Minuten) noch online ist, daher schnell hier klicken und einen visuellen Ausflug zur Kultur und Basel machen.

Falls jemand gerade vor Ort ist:
Aktuell findet u. a. eine Ausstellung zum Thema „Der figurative Pollock“ statt.
Seit dem 02. Oktober und noch bis zum 22. Januar 2017
Mehr dazu unter: Kunstmuseum Basel

Kunstmuseum Basel

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Impressionen der Eingangshalle und dem Über- bzw. „Unter“gang in den Neubau © starkandart.com

Lange hatte ich gespannt auf die Wiedereröffnung des Museums gewartet. Bislang hatte ich auf der Durchreise in Basel immer nur das Hauptgebäude besucht, es aber leider nie in den Neubau geschafft. Umso neugieriger war ich auf das, was sich dort nun bietet.

Vorweg sei gesagt, dass ich schon immer ein Problem mit Monumentalarchitektur hatte. Meines Erachtens dient sie lediglich dazu, den Menschen klein zu machen im erhabenen Angesicht dessen, was um ihn herum ist – allerdings im Bereich Kunst und Kultur ein völlig falscher Ansatz – meiner Meinung nach. Bei einem Museum kann das durch die ausgestellte Kunst aufgehoben werden, wenn das Innere das Äußere überstrahlt. Und das tut es zum Glück im Kunstmuseum Basel und macht einen Besuch dort mit Sicherheit lohnenswert.

Da stand ich nun vor dem Portal, Tickets werden jetzt draussen verkauft, nicht mehr im Eingangsbereich. Als ich über den Innenhof ins Hauptgebäude kam, empfing mich – LEERE. Zuvor war links der Ticketverkauf, rechts hinten der Museumsshop und jetzt: Nichts, außer der farblosen Information. Im Inneren ist nach wie vor alles in Grau/Beige gehalten. Gut, dem war auch zuvor so, aber durch den Ticket- und Shopbereich, kam wenigstens etwas Farbe und durch die Menschen dort, Leben in den Raum. Ich weiß nicht, wie es anderen Besuchern damit geht, aber mich beschlich das Gefühl, als wäre man in einer menschenleeren Bahnhofshalle gelandet. Irgendwie kam ich mir etwas verloren vor.

Doch ich wollte die Barnett Newman-Ausstellung besuchen. Und natürlich die ständige Sammlung in der zweiten Etage, mit allen den wunderbaren Werken von Picasso, Klee, Leger, Modigliani, Mondrian, van Gogh etc. Auf dem Weg dahin begleitete mich trotz der Vorfreude erneut das Gefühl der Leere. Das riesige Treppenhaus wirkt nicht gerade einladend. Zuvor schon fühlte man sich fast erschlagen, doch großformatige Werke an den Wänden lockerten diesen Eindruck auf. Kunst hängt jetzt dort keine mehr. Das beklemmende Gefühl ist zum Glück passé sobald man die hellen und klar gestalteten Ausstellungsräume betritt.

Ich denke, so kontrovers wie Kunst beim Betrachter ankommt, so differenziert ist auch die Meinung über die Gebäude, die sie beherbergen. Was geblieben ist, dass sind auf jeden Fall die zauberhaften und hilfsbereiten Mitarbeiter und allem voran natürlich die großartige Kunst, die es dort in vielfältiger Weise zu bewundern gibt.

Mein Vorschlag fürs Treppenhaus und den Eingangsbereich: Macht die Wände bunter oder Weiß, hängt wieder Bilder und stellt Skulpturen auf und heißt die Besucher im Innenbereich mit Kunst willkommen! Warum gestaltet man diese großen und nüchternen Flächen nicht von Künstlern selbst? Kunst soll einladen, inspirieren, erlebbar sein und vor allem: Freude machen.

Doch nun zum Neubau!

Das Gebäude der Architekten Christ & Gantenbein ist in der Tat sehr beeindruckend. Kann man nicht anders sagen. Dennoch überkam mich auch hier im Innern der Eindruck, etwas erschlagen zu werden von der überdimensionalen kalten grauen Marmorwelt, die einem empfängt.

Geht man vom Hauptgebäude hinab in den Neubau, landet man zunächst in einer riesigen Halle, dem Foyer. Zum Glück belohnt einem in dieser Umgebung u.a. ein farbenfrohes, großformatiges Werk des amerikanischen Künstlers Frank Stella.

Frank Stella
Damascus Gate im Foyer des Kunstmuseums Basel I Neubau © Gina Folly

Natürlich kann man das Museum auch durch den Eingang an der Straße betreten. Was einem vielleicht das Monumentale auf den ersten Blick erspart.

Ganz anders jedoch die Ausstellungsräume: Licht und hell wird zeitgenössischen Künstlern im ersten Obergeschoss für ihre teils großformatigen Werke viel Raum gegeben. Sobald ich die magischen Bilder von meinem Lieblingsmaler, Mark Rothko und all die vielen anderen vom Twombly, Newman bis Warhol gesehen hatte, war ich dann auch wieder mit der Welt versöhnt!

Mein Fazit: Egal, wie man die Architektur der beiden Gebäude empfinden mag,
der großartigen Kunst wegen, sollte man sich einen Besuch im Kunstmuseum nicht entgehen lassen. Und so freue ich mich auch schon auf die Ausstellung „Der figurative Pollock“, die vom 2. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017, im Neubau zu sehen ist.

Kunstmuseum Basel / Galerie der Gegenwart / Neubau
St. Alban-Rheinweg 60
CH-4010 Basel
Öffnungszeiten:
Di., Mi., Fr.- So. 10–18 Uhr
Do. 10–20 Uhr
Mo. geschlossen