Amedeo Modigliani in der Tate Modern, London, vom 23.11.2017 bis 2.4.2018

Die Tate Modern in London zeigt seit dem 23. November 2017 eine große Retrospektive des italienischen Malers Amedeo Modigliani (1884-1920). Schon Monate vorab hatte ich mich darauf gefreut – und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil! Die Ausstellung, kuratiert von Nancy Ireson, Simonetta Fraquelli und Annette King, ist großartig und lässt einem völlig in die Welt dieses Ausnahmetalents eintauchen.

 

Amedeo Modigliani wurde am 12. Juli 1884 in Livorno, Italien geboren. Schon früh macht sich bei ihm das zeichnerische Talent bemerkbar. Dieses vertiefte und verfeinerte er in italienischen Museen durch Studien der Künste, von der Antike bis hin zur Renaissance. Bis es ihn dann 1906, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in den damaligen Nabel der Kunstwelt, nach Paris zog, um dort neue Eindrücke, Techniken und Denkweisen zu erlernen und gewinnen. Er traf Künstler wie Pablo Picasso, Amadeo de Souza-Cardoso, Paul Cézanne, Chaïm Soutine und den Bildhauer Constantin Brâncuși, der 1909 ein Atelier neben dem von Modigliani bezog, und schloss mit einigen von ihnen enge Freundschaften.

 

In seiner Anfangszeit in Paris widmete er sich zunächst der Bildhauerei, ein Raum der Ausstellung ist daher ausschließlich seinen Büsten und Skulpturen gewidmet. Ab 1914 wandte er sich jedoch hauptsächlich der Malerei zu. Seine wunderbaren, für mich auch immer irgendwie melancholischen Porträts und Aktzeichnungen sollten ab dann Geschichte schreiben. Vor allem seine Akte: Denn Modigliani malte die Frauen so, wie die Natur sie schuf, inklusive Schambehaarung! Welch ein Skandal! Es gab zwar schon immer Aktdarstellungen, doch wurden diese stets ohne jegliche Körperbehaarung auf die Leinwand gebannt. Wie obszön die Bilder des Italieners zu jener Zeit auf den Betrachter wirken mussten – und wie wunderschön waren sie anzusehen. Wenn man vor diesen meisterhaften Gemälden steht, erkennt man erst, was für ein grandioser Künstler Modigliani war. Beim Betrachten hat man das Gefühl das, wenn man die Haut bzw. den Körper auf den Bildern berühren, diesen auch spüren könnte. Seine Farbpalette ist sehr vielschichtig und zeigt alle Nuancen an Hauttönen. Einige dieser Werke wirken fast dreidimensional, wenn man sich auf sie einlässt.

 

Gleich zu Beginn der Ausstellung taucht man zunächst in eine Art Orientierungsphase des Malers ein. Seine ersten Jahre in Paris sind unter anderem von Künstlern wie Picasso oder Cézanne beeinflusst. Bei einigen Bildern war ich erstaunt, dass sie von Modigliani waren, sie sahen aus wie Cézannes. Auch in ihrer Farbigkeit: Wie bei Cézanne dominieren in den Werken sowohl Grün- und Blautöne, auch die Anmutung der Motive ähnelt einander.

Als ich in einem Raum mit diversen Porträts stand und mich umschaute, wurde mir nach und nach bewusst, dass Modigliani eigentlich nur mit einer beschränkten Farbpalette malte: Weiß, Schwarz, Blutrot und einem ganz bestimmten Petrolblau und natürlich die Hauttöne. Doch aus diesen Farben hat er das Maximale an Nuancen herausgeholt und seine Figuren zum Leben erweckt. Auch die Ähnlichkeit mit den Porträtierten ist gleich ersichtlich. Eines seiner besonderen Kennzeichen neben den langgezogen Gesichtern, Hälsen etc., sind die „toten“ Augen in seinen Bildern. Obwohl sie nicht so wirken, ist es verwunderlich. „Wenn ich dir in die Seele blicken kann, dann male ich auch deine Augen“, soll er diesbezüglich einmal geäußert haben.

 

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges ging Modigliani, u.a. aus gesundheitlichen Gründen, nach Südfrankreich. Dort teilte er sich ein Haus mit dem Maler Chaïm Soutine. Seine Farbpalette erweiterte sich und die Farben des Midi übernahmen die Regie. In dieser Zeit entstanden wunderbare Kinderporträts und – für Modigliani eher ungewöhnlich – Landschaftsbilder (unten rechts). Insgesamt sind nur vier erhalten bzw. bekannt.

 

Zeitlebens von seiner Lungenkrankheit und später von schweren Alkoholproblemen begleitet, starb Modigliani am 24. Januar 1920 mit nur 35 Jahren in Paris. Nur zwei Tage später stürzte sich seine hochschwangere Frau und Muse Jeanne Hébuterne (oben links) in den Tod. Sie ist auf vielen der in der Ausstellung gezeigten Werke zu sehen.

Ein weiteres Highlight der umfangreichen Ausstellung wartet ziemlich am Schluss des Rundgangs: „The Ochre Atelier“. Mittels Virtual Reality kann man einen Besuch in Modiglianis letztem Studio machen. Die Karten dafür sind umsonst und werden am Eingang der Ausstellung ausgegeben. Da diese aufgrund der Besucheranzahl und der Zeiten begrenzt sind, ist es empfehlenswert, sich diese gleich zu sichern. Einen ersten Vorgeschmack bekommt man hier!

Es ist eine sehr gelungene und in ihren Themenbereichen perfekt aufgebaute Ausstellung. Wer sich vorab über den Maler und seine Akte informieren will, der kann dies bei Arte tun. Unter Art & Culture on TV findet ihr den TV-Tipp zur Dokumentation über Modigliani. Diese ist bis zum 10. März 2018 abrufbar.

Auch den Katalog zur Ausstellung (nur auf Englisch) kann ich wärmstens empfehlen.
Als Paperback kostet er £ 25.00, Hardcover £ 35.00.

TATE MODERN

Bankside
London SE1 9TG

Öffnungszeiten:

Donnerstags bis Sonntag 10.00–18.00

Freitag und Samstag 10.00–22.00

Eintritt (Erwachsene) £ 19.50 – £ 12.50 (inkl. Spende)

 

 

 

 

Gauguin – im Kino! Mit Verlosung!

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Wer sich ein bisschen mit Kunst auskennt, der weiß genau, mit welchen Bildern der französische Maler Paul Gauguin (1848-1903) bekannt wurde: Es waren meist jene, die sein Leben und seine Eindrücke von der Trauminsel Tahiti in Französisch-Polynesien wiedergaben, Gemälde voll Farbenpracht und geheimnisvollen Botschaften. Leider hat Gauguin zu Lebzeiten immer wieder um Anerkennung gekämpft. Diese wurde ihm, wie bei so vielen großen Künstlern, erst nach seinem Ableben und nachdem erkannt wurde, welche Rolle er in der Kunstgeschichte spielt, zuteil. Hier ein paar seiner Werke, die ich in der großen Sergei Schtschukin Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton in Paris gesehen habe – sie sind allesamt auf Tahiti entstanden. Eine Doku über den russischen Textilmagnaten gibt’s am nächsten Sonntag auf Arte. Mehr unter Art & Culture on TV

Wer gestern bei der Dokumentation auf Arte schon einmal in Gauguins Welt und Wesen eintauchen konnte, der kann es ab dem 2. November auch im Kino tun. Dann startet ein sehenswertes Biopic über den Künstler mit Vincent Cassel in der Rolle des berühmten Malers.

Unverstanden von seinen Mitmenschen und seinem europäischen Umfeld, zieht es Paul Gauguin Ende des 19. Jahrhunderts nach Tahiti. Aber auch dort führt er zunächst ein Leben in Einsamkeit, Hunger und Krankheit. Verstoßen von der französischen Gesellschaft und abgelehnt von den Menschen auf der Insel, führt er ein Leben in finanzieller Not und innerer Zerrissenheit. In Edouard Delucs Erstlingswerk spielt Vincent Cassel den Maler mit viel Ausdruckskraft und Sensibilität und bringt dessen innere Gebrochenheit und seinen ambivalenten Charakter gekonnt auf den Punkt.
Während seinen Erkundungstouren über die Insel trifft er auf die junge Eingeborene Tehura (Tuhei Adams), die seine Muse und auch Modell seiner bekanntesten Gemälde werden wird. Als freier Mann in der Wildnis – fernab der Politik und den Regeln eines zivilisierten Europas, entwickelt er einen völlig neuen Malstil – mit gewagten Farben und Motiven. Obsessiv als Künstler ist er getrieben von dem Wunsch, mit gesellschaftlichen Konventionen zu brechen und schafft in der Wildnis Tahitis für seine Zeit außergewöhnliche und bedeutende Kunstwerke.

Einen kleinen Vorgeschmack auf den Film gibt es hier: GAUGUIN – Und wer nun Lust auf einen lauschigen Kinoabend mit tollen Akteuren in einer Traumkulisse bekommt, der darf sich freuen:

StudioCanal hat 2 x 2 Karten zur Verfügung gestellt. Sie sind bundesweit einsetzbar.

Wer folgende Frage richtig beantwortet, hat die Chance auf einen wunderbaren Kinoabend:

„Wohin flüchtete sich Paul Gauguin, als er sich von Europa abwandte?“

Kleiner Tipp: Steht im Beitrag!

Die richtige Antwort geht bis Donnerstag, 2. November 2017, 24.00 Uhr,
mit dem Stichwort „Gauguin“ an: info@starketexte.de
  

Viel Glück!

Wichtig: Die Anschrift nicht vergessen! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der/die Gewinner werden umgehend benachrichtigt und die Karten per Post zugesandt.

Drei TV-Tipps fürs Wochenende: Von Georgia O’Keeffe über James Turrell bis Paul Gauguin…

Passend zur  Zeitumstellung, lohnt sich heute das Aufbleiben oder wer die Möglichkeit hat, das Aufzeichnen von drei tollen Dokumentationen. Zwei Highlights sind heute ab 23.25 auf 3Sat zu sehen, über Georgia O’Keeffe und James Turrell morgen geht es weiter mit Paul Gauguin, der ja gerade sehr im Trend ist – Biopic im Kino sowie eine große Ausstellung in Paris:  Seit dem 11. Oktober 2017 (noch bis 22. Januar 2018) ist im Grand Palais die Ausstellung „Gauguin – L’alchimiste“ zu sehen. Anlässlich dessen zeigt ARTE eine ansprechende Doku, in der das ungewöhnliche Leben des autodidaktischen Künstlers geschildert wird. In Trick- und Spielszenen taucht man in die Welt Gauguins (1848-1903) und seines ungewöhnlichen, viel zu kurzen Lebens ein. Mehr zu allen drei Sendungen unter Art & Culture on TV

Handwerk und Poesie – Der Maler Pierre Soulages

Der französische Künstler Pierre Soulages, Jahrgang 1919, gehört zu den letzten lebenden Legenden der abstrakten Kunst. Schwarz ist seine Farbe und wie kaum ein anderer vermag er es, dieser lichtschluckenden Nichtfarbe Intensität und Glanz zu verleihen, wie seine dem Abstrakten zuzuordnenden Werke zeigen. Mit 97 Jahren ist er immer noch voller Schaffensdrang. Ich hatte das Glück, einige seiner beeindruckenden Werke zu sehen, zuletzt das Rot/Schwarze oben bei einer ganz besonderen Ausstellung, der „Tokyo-Paris, Bridgestone Museum of Art, Collection Ishibashi Foundation“, in der Orangerie in Paris.
Auf Arte ist morgen um 17.30 eine wunderbare Doku über diesen Ausnahmekünstler zu sehen. Mehr zur Sendung und dem Maler findet ihr unter Art & Culture on TV

Happy Birthday, David Hockney!

Heute feiert einer der ganz Großen in der Kunstwelt seinen 80. Geburtstag: Der Brite David Hockney. Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit und ist mit seinem unverkennbaren Werk wirklich einzigartig.

David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery ©starkandartcom
David Hockney, Guest House Wall, 2000, Richard Gray Gallery © starkandart.com

Oft der Pop-Art zugerechnet, was er jedoch immer von sich wies, lassen sich bei ihm auch Einflüsse von Matisse, Picasso u. a. zuordnen. Seine Bilder sind realistisch, meist in leuchtenden Farben und lassen sich, kennt man beispielsweise die Motive seiner Heimat in Yorkshire, wunderbar nachempfinden.

Hockney studierte mit Weggefährten wie Regisseur Ridley Scott in London an der Royal Academy of Arts, die im vergangenen Jahr übrigens eine sensationelle Ausstellung mit 82 Porträts + 1 Still-Life zeigte. Wer gerade in Venedig ist, der hat das Glück, noch bis zum 22. Oktober 2017, diese wunderbare Ausstellung dort in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna zu besuchen. Ich hatte sie vergangenen September in London gesehen und war begeistert. Einige Beispiele daraus sind hier zu sehen:


Doch zurück zu Hockney. In den sechziger Jahren zog es ihn nach Kalifornien. Das freiere Leben dort zog ihn an. Er war damals bereits ein bekannter Künstler und experimentierte neben der Malerei auch mit Fotografie. Seine großartigen Gemälde aus dieser Zeit spiegeln die Vorstellungen vom Licht und der Landschaft an der US-Westküste wieder. Dort, in seinem Haus in Los Angeles entstanden auch seine berühmten Swimmingpool-Bilder, die ihn schließlich weltweit bekannt machten. Eines dieser kostbaren Werke hatte ich auf der vergangenen Art Basel gesehen. Es sollte für einen siebenstelligen Betrag den Besitzer wechseln.

Neben seinen Gemälden liebe ich seine Digitalprints. Die Leuchtkraft der Farben, die Sujets und dass er es dem Betrachter ermöglicht, in seine Bilder und die dort zu sehenden Landschaften einzutauchen ist etwas, das nicht vielen Künstlern gelingt.

In jungen Jahren war Hockney ein Rebell, ganz Dandy begann er früh seine Haare platinblond zu färben, was seinen Look unverwechselbar machte, Pop-Artist und Bohemien. Er ist ein Künstler, der mit der Zeit geht und die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks zu nutzen weiß, so entstehen viele seiner Werke heute am Computer oder auf dem iPad.

Die Tate in London ehrte ihn dieses Jahr bereits mit einer umfassenden Retrospektive. Diese ist nun, doppelt so groß, in meinem geliebten Paris, im Centre Pompidou, zu sehen. Bis zum 23. Oktober, hat man dort die Möglichkeit in Hockneys Werk einzutauchen und einen wunderbaren Blick über diese unglaublich schöne Stadt zu genießen. Ich empfehle jedoch, die Tickets vorab zu bestellen, da die Warteschlangen erfahrungsgemäß immer sehr lang sind.

Wer mehr über Hockney und sein Oeuvre erfahren und lernen will, dem kann ich am nächsten Sonntag, 16. Juli, um 17.30 Uhr, eine Dokumentation auf Arte nur wärmstens ans Herz legen. Mehr dazu unter Art & Culture on TV.

Nazi Beutekunst und eine tolle Dokureihe ab morgen auf ARTE

Bevor ich mich den Nachberichten zur Art Basel und weiteren kunstsinnigen Highlights zuwenden will, hier schnell zwei wunderbare TV-Tipps, die natürlich auch online abrufbar sind: Als erstes wäre da eine Dokureihe: „Kunst hassen, Kunst lieben…“ von Nicole Zepter – immer sonntags, mehr dazu unter Art & Culture on TV

Nazi Beutekunst - Die wiedergefundenen Meisterwerke
Rose Valland (l.) führte unter Lebensgefahr Buch über die Herkunft und weitere Bestimmung der Gemälde der Nazi Raubkunst und spielte dadurch bei den späteren Restitutionen eine wichtige Rolle © Archives du Ministère des affaires étrangères

Um 17.15 folgt eine großartige Doku über Nazi Beutekunst, die den Fall Gurlitt und die von den Nazis als entartete Kunst bezeichneten Werke beinhaltet. Die Geschichte der Beutekunst wird anhand von drei Bildern vor Augen geführt: „Dame in Blau vor einem Kamin“ von Henri Matisse, „Herbstsonne“ von Egon Schiele sowie „Der Gitarrenspieler“ von Georges Braque – mehr dazu unter Art & Culture on TV