Besinnlich, sinnlich und sehr humorvoll: „Die Kerze“ im Museum Frieder Burda

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Oda Jaune, Untitled, 2011, ©starkandart.com

Passend zur dunklen Jahreszeit erhellt eines meiner Lieblingsmuseen, das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, die Kunstlandschaft des Südens mit dem Licht der Kerze. Viele namhafte zeitgenössische Künstler von Gerhard Richter über Marina Abramović, Thomas Demand, Jörg Immendorff, Oda Jaune (siehe links), Jeff Koons, Alicja Kwade, A. R. Penck, Thomas Ruff, Georg Baselitz u.v.a. mehr, haben dort ihre Spuren mit teils eigenwilligen und immer wieder bezaubernden und überraschenden Versionen einer Kerze hinterlassen.

Ausgangspunkt der von Helmut Friedel kuratierten Ausstellung ist „Die Kerze“, von Gerhard Richter. Insgesamt sind über 50 Gemälde, Skulpturen, Video- und andere Installationen sowie Fotografien zu sehen – vom Who’s Who der Kunstwelt.

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Gerhard Richter, Die Kerze, 1982 © starkandart.com

Wer weihnachtliche Stimmung erwartet – weit gefehlt. Zum Glück. Denn das, was es dort zu sehen gibt, ist äußerst erhellend und spannend. Versehen mit einem andern Blick auf einen jahrhundertealten Gebrauchsgegenstand, dessen eigentlicher Zweck, Licht ins Dunkel zu bringen, in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr in diesem Sinn gebraucht wird.

Besonders beeindruckend fand ich die Serie von Karin Kneffel (oben), einer Schülerin Gerhard Richters, die sich, wie Richter bei seinem Werk, in ebenfalls 100 x 100 cm messenden Bildern selbstbewusst und zauberhaft an die kreative Spur ihres Meisters heftet.

Die Kerze zeigt sich modern und, ja doch, teils besinnlich, aber auch poetisch. Meines Erachtens ist dies Nam June Paik mit einer zauberhaften Installation im Untergeschoss, genannt „One Candle“, 1988/89, besonders gut gelungen:

Doch es wird auch humorvoll – ganz klar, hier hat Jeff Koons knallbuntes Monumentalwerk Candle, von 2001, die Nase vorn, aber auch Jörg Immendorffs liebevolles „Negerchen mit Kerze“, von 1966. Wild und mitunter ganz schön sexy zeigen sich Werke u.a. von A.R. Penck oder Eric Fischl. Eine kleine Auswahl des Gezeigten gibt es hier:

In den hellen und klaren Räumen des Museums wird mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit viel Entdeckenswertes sowie einiges zum Staunen und zum Schmunzeln gezeigt. Grund genug, um sich auf die Reise zu machen und um die Kerze als Gegenstand oder Sinnbild in einem neuen Kontext für sich zu erfahren.

Ein ungewöhnliches Motto wurde hier auf leichte und kunstsinnige Weise interpretiert.

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Den Begleitkatalog zur Ausstellung kann ich ebenfalls sehr empfehlen. Er bietet einen wunderbaren Überblick dessen was gezeigt wird und ist unter diesem Link auch direkt im Shop zu bestellen, Kostenpunkt: 38,00 Euro. Darin wird u.a. das Thema, die Geschichte der Kerze in der bildenden Kunst, mit Beispielen der alten Meister bis hin zu Ernst Ludwig Kirchner und dem genialen Pablo Picasso von Katrin Schwarz und Georges Sturm, beschrieben und aufgezeigt. Und natürlich sind alle Exponate mit ausführlichen Beschreibungen zum jeweiligen Werk enthalten. Ein Buch, das man wirklich gerne zur Hand nimmt.

Ich finde, es ist eine wunderbare, vom Umfang her auf den Punkt kuratierte Ausstellung, die man mit Genuss erkundet und die ich jedem, der in Baden-Baden oder Umgebung weilt, nur wärmstens ans Herz legen kann. Und natürlich ist der Südwesten Deutschlands sowie immer einen Ausflug oder eine Reise wert.

Die Ausstellung geht noch bis zum 29. Januar 2017!

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b

76530 Baden-Baden

Öffnungszeiten:
Di. bis So., 10.00 bis 18.00 Uhr – an allen Feiertagen geöffnet!

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