Georgia O’Keeffe – Tate Modern, London

Die Tate Modern würdigt, ein Jahrhundert nach ihrem Debüt, die bedeutendste amerikanische Künstlerin der Moderne mit der größten Ausstellung die jemals ausserhalb der USA in einer Retrospektive gezeigt wurde. Mit über 100 Gemälden und Fotografien wird ein umfassendes Bild ihres Œuvres gezeigt. Also, auf nach London, denn das, was es in der Tate zu entdecken gilt, ist unbedingt sehenswert!

Schon seit vielen Jahren begeistert mich die Malerei der amerikanischen Künstlerin Georgia O’Keeffe (1887-1986). Das erste Mal begegnete ich ihrem Werk in den späten 1980er Jahren in der Frankfurter Schirn. Ein kleines Gemälde aus der Zeit in Abiquiú, New Mexico, faszinierte mich vom ersten Augenblick an. In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich intensiv mit ihrem Schaffen und ihrer Vita. Ich entdeckte einen Menschen der sich, trotz einiger signifikanter Einbrüche, kompromißlos und souverän seiner Kunst widmete. Und als einer ihrer größten Fans lasse ich es mir natürlich nicht entgehen, wenn ihre Werke irgendwo gezeigt werden.

Erste Bekanntheit erreichte sie 1916 durch eine Gruppenausstellung in der Galerie „291“ in New York. Deren Inhaber, Alfred Stieglitz, war nicht nur ein bedeutender Pionier der Fotografie, er wurde auch die Liebe ihres Lebens und späterer Ehemann. Stieglitz war der Einzige, der es zu jener Zeit wagte, moderne Künstler auszustellen. Ein Jahr später, 1917, folgte ihre erste Einzelausstellung, die allerdings nur drei Tage andauerte, da die USA in den Ersten Weltkrieg eintrat. Die Galerie wurde geschlossen. In jenem Jahr bat Stieglitz O’Keeffe darum, für ihn Modell zu stehen. Eine künstlerische Symbiose nahm ihren Lauf.

Obwohl Georgia O’Keeffe es abstritt, wurden vor allem ihre floralen Motive stets erotischen Bezügen zugeordnet. Eines ihrer Blumenbilder, das 1932 entstandene Gemälde Jimson Weed/White Flower No. 1 (unten links) wurde im November 2014 bei Sotheby’s für 44,4 Millionen Dollar versteigert. Damit ist sie die teuerste Malerin der Kunstgeschichte. Das Bild ziert auch den Katalog sowie das Ausstellungsplakat der Londoner Retrospektive.

Eine umfassende Sammlung ihrer Gemälde sowie Fotografien von Alfred Stieglitz, Ansel Adams und anderen zeichnen ein großartiges Bild vom Leben und Schaffen der Künstler. Die Ausstellung ist in folgende Bereiche unterteilt: Von ihren ersten Jahren und „291“, Abstraktionen und Gefühle, O’Keefe, Stieglitz und ihr Kreis, New Yorks Stadtlandschaften, Lake George, Blumen und Stillleben, New Mexico: Taos und Alcalde bis hin zu: Von der Ferne, nahebei: Die Skull Paintings.

Ich liebe ihre klare Farben- und Formensprache, die schnörkellose und mich immer wieder tief beeindruckenden Kompositionen, mit der sie den Betrachter für ihre Werke einnimmt. Ob es die Blumenbilder sind oder ihre späteren Gemälde mit Tierschädeln, Landschaftsmotiven aus ihrer Wahlheimat New Mexico, die New Yorker Stadtbilder oder Wolkenkompositionen, die sie, inspiriert durch ihre Flugreisen, in ihren späteren Jahren mit dem Pinsel auf die Leinwand zauberte. Ihr Stil, angesiedelt zwischen Figürlichem und Abstraktion, ist zeitlos und schlicht und einfach umwerfend.

Es ist schade, dass so wenig über weibliche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts bekannt ist. Umso bedeutender ist diese Ausstellung, wunderbar kuratiert von Tanya Barson, die einen tief in das Werk dieser großartigen Malerin eintauchen lässt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auch in O’Keeffes Biographie einzulesen. Diese beeindruckende Frau war ihrer Zeit um Lichtjahre voraus. In jeder Beziehung.

Georgia O’Keeffe, vom 6. Juli bis 30. Oktober 2016

Tate Modern
Bankside, London, SE1 9TG
Tel.: 0044 / 20 / 7887 8888

Öffnungszeiten:
So. bis Do. von 10.00 bis 18.00 Uhr
Fr. und Sa. von 10.00 bis 22.00 Uhr

Wie man zur Tate kommt, sieht man hier. Ich empfehle, je nachdem, wo man logiert, einen Spaziergang entlang des Themse-Ufers zu machen. Und wenn man schon vor Ort ist, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen und auch die anderen Galerien sowie  den Rundgang im Switch-House, im zehnten Stock, mit herrlichem Blick über London, erkunden. Es lohnt sich!

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