Sandro Botticelli auf ARTE

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Der Frühling, 1482, Sandro Botticelli  © Les Poissons Volants. Foto: ARTE France

Aus der Reihe „Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse“ – eine großartige Dokureihe über die Hintergründe großer Werke, steht heute das Gemälde „Primavera“ von Sandro Botticelli (1445-1510) im Fokus. Wer mehr über das Meisterwerk erfahren will, klickt hier!

Ernst Ludwig Kirchner und das Detroit Institut of Art – auf ARTE

Noch schnell eine kleine Erinnerung, ja, trotz des schönen Sonntagwetters, für zwei tolle Dokus in Sachen Kunst, die heute auf ARTE laufen: Vor 100 Jahren entstand das Bild „Frankfurter Westhafen“, des „Brücke“-Mitbegründers Ernst Ludwig Kirchner. Mehr über dessen Hintergründe sowie die tragische Entwicklung der bankrotten Stadt Detroit und ihrer Auseinandersetzung mit dem Detroit Institut of Art, ob der Verkauf dessen hochkarätiger Kunstsammlung die Lösung ihrer Probleme ist, finden sie hier… 

Georgia O’Keeffe – Tate Modern, London

Die Tate Modern würdigt, ein Jahrhundert nach ihrem Debüt, die bedeutendste amerikanische Künstlerin der Moderne mit der größten Ausstellung die jemals ausserhalb der USA in einer Retrospektive gezeigt wurde. Mit über 100 Gemälden und Fotografien wird ein umfassendes Bild ihres Œuvres gezeigt. Also, auf nach London, denn das, was es in der Tate zu entdecken gilt, ist unbedingt sehenswert!

Schon seit vielen Jahren begeistert mich die Malerei der amerikanischen Künstlerin Georgia O’Keeffe (1887-1986). Das erste Mal begegnete ich ihrem Werk in den späten 1980er Jahren in der Frankfurter Schirn. Ein kleines Gemälde aus der Zeit in Abiquiú, New Mexico, faszinierte mich vom ersten Augenblick an. In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich intensiv mit ihrem Schaffen und ihrer Vita. Ich entdeckte einen Menschen der sich, trotz einiger signifikanter Einbrüche, kompromißlos und souverän seiner Kunst widmete. Und als einer ihrer größten Fans lasse ich es mir natürlich nicht entgehen, wenn ihre Werke irgendwo gezeigt werden.

Erste Bekanntheit erreichte sie 1916 durch eine Gruppenausstellung in der Galerie „291“ in New York. Deren Inhaber, Alfred Stieglitz, war nicht nur ein bedeutender Pionier der Fotografie, er wurde auch die Liebe ihres Lebens und späterer Ehemann. Stieglitz war der Einzige, der es zu jener Zeit wagte, moderne Künstler auszustellen. Ein Jahr später, 1917, folgte ihre erste Einzelausstellung, die allerdings nur drei Tage andauerte, da die USA in den Ersten Weltkrieg eintrat. Die Galerie wurde geschlossen. In jenem Jahr bat Stieglitz O’Keeffe darum, für ihn Modell zu stehen. Eine künstlerische Symbiose nahm ihren Lauf.

Obwohl Georgia O’Keeffe es abstritt, wurden vor allem ihre floralen Motive stets erotischen Bezügen zugeordnet. Eines ihrer Blumenbilder, das 1932 entstandene Gemälde Jimson Weed/White Flower No. 1 (unten links) wurde im November 2014 bei Sotheby’s für 44,4 Millionen Dollar versteigert. Damit ist sie die teuerste Malerin der Kunstgeschichte. Das Bild ziert auch den Katalog sowie das Ausstellungsplakat der Londoner Retrospektive.

Eine umfassende Sammlung ihrer Gemälde sowie Fotografien von Alfred Stieglitz, Ansel Adams und anderen zeichnen ein großartiges Bild vom Leben und Schaffen der Künstler. Die Ausstellung ist in folgende Bereiche unterteilt: Von ihren ersten Jahren und „291“, Abstraktionen und Gefühle, O’Keefe, Stieglitz und ihr Kreis, New Yorks Stadtlandschaften, Lake George, Blumen und Stillleben, New Mexico: Taos und Alcalde bis hin zu: Von der Ferne, nahebei: Die Skull Paintings.

Ich liebe ihre klare Farben- und Formensprache, die schnörkellose und mich immer wieder tief beeindruckenden Kompositionen, mit der sie den Betrachter für ihre Werke einnimmt. Ob es die Blumenbilder sind oder ihre späteren Gemälde mit Tierschädeln, Landschaftsmotiven aus ihrer Wahlheimat New Mexico, die New Yorker Stadtbilder oder Wolkenkompositionen, die sie, inspiriert durch ihre Flugreisen, in ihren späteren Jahren mit dem Pinsel auf die Leinwand zauberte. Ihr Stil, angesiedelt zwischen Figürlichem und Abstraktion, ist zeitlos und schlicht und einfach umwerfend.

Es ist schade, dass so wenig über weibliche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts bekannt ist. Umso bedeutender ist diese Ausstellung, wunderbar kuratiert von Tanya Barson, die einen tief in das Werk dieser großartigen Malerin eintauchen lässt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auch in O’Keeffes Biographie einzulesen. Diese beeindruckende Frau war ihrer Zeit um Lichtjahre voraus. In jeder Beziehung.

Georgia O’Keeffe, vom 6. Juli bis 30. Oktober 2016

Tate Modern
Bankside, London, SE1 9TG
Tel.: 0044 / 20 / 7887 8888

Öffnungszeiten:
So. bis Do. von 10.00 bis 18.00 Uhr
Fr. und Sa. von 10.00 bis 22.00 Uhr

Wie man zur Tate kommt, sieht man hier. Ich empfehle, je nachdem, wo man logiert, einen Spaziergang entlang des Themse-Ufers zu machen. Und wenn man schon vor Ort ist, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen und auch die anderen Galerien sowie  den Rundgang im Switch-House, im zehnten Stock, mit herrlichem Blick über London, erkunden. Es lohnt sich!

Wie arbeitet ein Auktionshaus? – Ein Besuch bei AUCTIONATA in Berlin

Als Kunstsüchtige schaue ich immer mal gerne auf die Webseiten großer Auktionshäuser. Allerdings weniger um zu kaufen, eher um mich an den dort gezeigten Werken zu erfreuen. Man kann neue Künstler entdecken und erfährt vieles über ihre Bilder, Skulpturen etc., schließlich lernt man nie aus. So kam es auch, dass ich über einen Freund auf Auctionata, ein Berliner Online-Kunst- und Auktionshaus gestossen bin. Das junge Unternehmen mischt seit 2012 im Markt mit und ist steil auf dem Weg nach oben. Im Mai 2016 kam die Fusion mit Paddle 8, einem amerikanischen Auktionshaus mit Sitz in New York.

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Doch was geschieht eigentlich hinter den Kulissen? Wie kommen die Objekte dorthin? Wer ist für was verantwortlich und überhaupt… Da ich bei einer kleinen Lithographie selbst schwach geworden bin, machte ich mich also auf den Weg nach Berlin, um mein Objekt abzuholen und um dort einmal hinter die Kulissen zu schauen.

In einem schönen Rotklinkerbau in der Franklinstraße residiert das Unternehmen. Junge und gut gelaunte Mitarbeiter schwirren durch die Gänge, an den Wänden u.a. Bilder versteigerter Objekte. Wie ich von Alice Hinrichs aus der Pressestelle erfahre, sind es jedoch nicht meine geliebten Gemälde, die dort die Nase im Auktionssegment vorn haben sondern vor allem seltene Asiatika, Luxusautos und -uhren. Hinter verschlossenen Türen sitzen diverse Departments, die sich um die jeweiligen Bereiche kümmern,  u.a. auch darum, was letztendlich in den Verkauf kommt. Von rund 180 Anfragen täglich kommen nur etwa 30 Prozent der angebotenen Artikel in die engere Wahl für den Online Verkauf. Diese werden von rund 400 Experten weltweit geprüft, geschätzt und mit dem Anbieter ein Start- bzw. Verkaufspreis erarbeitet. Es folgt die Katalogisierung, das Fotoshooting, schließlich will der Kunde, der am Computer sitzt, das Werk auch mit allen wichtigen Details sehen…

…und schließlich die Beschreibung für die Auktion und den Katalog. In hellen lichten Räumen sitzen Kunsthistoriker und Redakteure hinter ihren Bildschirmen inmitten von Büchern über allerlei Wissenswertes im Bereich von Kunst- und Luxusartikeln. Ich komme mir vor wie im Schlaraffenland. Überall Artefakte, Gemälde und mehr. Interessenten bleiben über den Newsletter sowie die Website auf dem Laufenden und können sich dann für Auktionen anmelden. Wer will, hat die Möglichkeit, vor Ort dabei zu sein, aber im medialen Zeitalter ist es, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auch sehr spannend, das Geschehen live am Bildschirm zu verfolgen. Vor allem dann, wenn man selbst mitbietet. Auf internationaler Ebene wird rund zehn Stunden täglich versteigert. In Deutschland geschieht dies in zwei Filmstudios nahe Berlin, vier HD Kameras garantieren die bestmögliche Darstellung des Objekts. Wie das Ganze vonstatten geht, ist hier zu sehen, beim teuersten Objekt, das im Juni 2015 bei Auctionata bislang versteigert wurde: Eine Kaiserliche Chinesische Automatenuhr, wechselte in einer großen internationalen Auktion für 3,370.000 Euro den Besitzer. Doch nicht nur im TV-Studio kommen die Dinge unter den Hammer. Wie ich erfahre, können Luxusautos auch mal im Rahmen eines abendlichen Events an speziellen Locations oder wie jüngst, wertvolles Porzellan von KPM, direkt aus der Manufaktur in Berlin versteigert werden. Dank Splitscreen ist der Zuschauer / Interessent an beiden Orten gleichzeitig live dabei, kann das Wunschobjekt in Augenschein nehmen und bieten.

Ich will natürlich auch wissen, was die kuriosesten Objekte waren, die bei Auctionata versteigert wurden und staune nicht schlecht, als ich höre, dass dies ein Raumanzug für Hunde!!! war. Der kam aus einer Sammlung von Memorabilia aus der sowjetischen Raumfahrtgeschichte und wurde für satte 16.800 € an den Mann gebracht.

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Soviet Space Memorabilia, Canine pressurised space suit © Auctionata

Ebenfalls aussergewöhnlich war die Auktion eines überdimensionalen, noch intakten Eis des inzwischen ausgestorbenen Elefantenvogels. Erstaunlich, wofür Sammler ihr Geld ausgeben. Aber wenn es denjenigen glücklich macht, dann ist alles so, wie es sein soll.

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Riesiges intaktes Ei eines Elefantenvogels, Madagaskar, 17. Jh. © Auctionata

Schätzungen sind für Interessenten, die etwas zu verkaufen haben, kostenfrei. Der Gewinn eines Auktionshauses errechnet sich durch das Käuferaufgeld, das mit dem Erwerb eines Objektes anfällt. Das war bei meiner Lithografie zwar nicht so hoch wie bei der chinesischen Uhr, aber die Freude darüber ist bei beiden Bietern wohl gleich.

Ich werde also meiner Kunst treu bleiben und mich weiterhin auf der Website von Auctionata und anderen tummeln, das Vorgestellte genießen und vielleicht, wenn’s passt, auch wieder einmal zuschlagen.

Auctionata AG
Franklinstraße 13
10587 Berlin

Nachtrag: Wie einige vielleicht gelesen haben, musste das Auktionshaus im April 2017 Insolvenz anmelden. Schade, wie ich finde, denn ich habe dort sehr zuvorkommende und engagierte Mitarbeiter gesehen, denen ich von Herzen wüsche, dass sie ihre tolle Arbeit bei einem anderen Auktionshaus fortsetzen können.

Die Stiftung Sammlung Kurt Fried in Berlin, bei Ketterer Kunst

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Mark Rothko, Ohne Titel 1969, Öl und Gouache auf Papier auf Leinwand, 74,4 x 55,5 cm © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Oleg Kuchar, Ulm

Bei einem Berlinbesuch diese Woche konnte ich endlich mein lange geplantes Vorhaben, die Stiftung Sammlung Kurt Fried bei Ketterer Kunst in der Fasanenstraße anzuschauen, wahrmachen. Es war ein Genuss von A bis Z. Da ich des Öfteren die Webseiten großer Auktionshäuser besuche – man kann dort tolle Kunstwerke entdecken – stieß ich eben auch auf diese kleine, exquisite Ausstellung.

Kurt Fried (1906-81), war ein deutscher Publizist, Kunstsammler und Verleger der Schwäbischen Donau-Zeitung, der späteren Südwest Presse. Seine große Leidenschaft galt der Kunst, vor allem der Zeitgenössischen. Ende der 1950er Jahre eröffnete er in Ulm eine eigene Galerie, das „studio f“, das er bis zu seinem Tod selbst leitete. 1978 versah er das Ulmer Museum mit einer großzügigen Schenkung und ein wunderbarer Auszug dessen, 40 Exponate, sind noch bis zum 27. September 2016 in Berlin zu sehen.

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Gerhard Richter: Kurt Fried und Hans Jürgen Müller, 1966, Öl auf Leinwand, 50 x 65 cm © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Bernd Kegler

Schwerpunkt der gezeigten Auswahl ist die deutsche und amerikanische Kunstszene der 1950er und 60er Jahre sowie ein Exkurs in die 80er. Zu sehen sind Werke von Mark Rothko, Josef Albers, Horst Antes, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Max Bill, Antonio Calderara, Enrico Castellani, Lucio Fontana, Gotthard Graubner, Keith Haring, Robert Indiana, Ellsworth Kelly, Yves Klein, Franz Kline, Willem de Kooning, Roy Lichtenstein, Piero Manzoni, Almir da Silva Mavignier, Kenneth Noland, A.R. Penck, Karl Georg Pfahler, Otto Piene, Jackson Pollock, Gerhard Richter, Cy Twombly, Günther Uecker, Andy Warhol und Tom Wesselmann.

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Horst Antes, Grüne Figur, 1964, Gouache, farbige Wachskreiden, Tusche auf Papier, 42,8 x 30,8 cm © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Ingeborg Schmatz, Ulm

Die lichtdurchfluteten Räume der Galerie bilden einen schönen Rahmen, um – fast meditativ – in Kunst abzutauchen. Die überwiegend kleinformatigen Werke zeigen sich farbenfroh und lassen die Kernaussagen der jeweiligen Künstler deutlich werden. Ich kann diese Ausstellung nur wärmstens empfehlen. Wer vorab mehr davon sehen möchte, der kann sich auf der Webseite von Ketterer Kunst oder gleich hier die PDF-Datei mit den gezeigten Bildern herunterladen.

 

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Roy Lichtenstein, Yellow Sky, 1966, Kunstharzfarbe (Magna) auf Baumwolle, 91,5 x 172,5 cm  © Stiftung Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum. Foto: Reinhold Mayer, Ulm

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Der Genuss – unbezahlbar! Wer also gerade in Berlin ist, während der kommenden Berlin Art Week, vom 13. bis 18. September 2016, oder überhaupt, der / die sollte unbedingt einen Abstecher in die Fasanenstraße machen.

Ketterer Kunst
Fasanenstr. 70
10719 Berlin-Charlottenburg

Öffnungszeiten:
Mo. – Fr., von 10 bis 18 Uhr
Sa., von 11 bis 16 Uhr