Nazi Beutekunst und eine tolle Dokureihe ab morgen auf ARTE

Bevor ich mich den Nachberichten zur Art Basel und weiteren kunstsinnigen Highlights zuwenden will, hier schnell zwei wunderbare TV-Tipps, die natürlich auch online abrufbar sind: Als erstes wäre da eine vierteilige Dokureihe: „Kunst hassen, Kunst lieben…“ von Nicole Zepter – immer sonntags, mehr dazu unter Art & Culture on TV

Nazi Beutekunst - Die wiedergefundenen Meisterwerke
Rose Valland (l.) führte unter Lebensgefahr Buch über die Herkunft und weitere Bestimmung der Gemälde der Nazi Raubkunst und spielte dadurch bei den späteren Restitutionen eine wichtige Rolle © Archives du Ministère des affaires étrangères

Um 17.15 folgt eine großartige Doku über Nazi Beutekunst, die den Fall Gurlitt und die von den Nazis als entartete Kunst bezeichneten Werke beinhaltet. Die Geschichte der Beutekunst wird anhand von drei Bildern vor Augen geführt: „Dame in Blau vor einem Kamin“ von Henri Matisse, „Herbstsonne“ von Egon Schiele sowie „Der Gitarrenspieler“ von Georges Braque – mehr dazu unter Art & Culture on TV

Art Basel 2017

Heute, okay, es ist nach Mitternacht, also gestern, war der erste Tag der 48. Art Basel. Schon seit Wochenbeginn gibt die Kunst in allen Ecken der Stadt den Ton an. Der alljährlich stattfindende Art Basel Parcours rund um den Münsterplatz, der sowohl drinnen als auch draussen ortsspezifische Objekte vorstellt, ist bereit und einige Museen, wie das wunderbare Kunstmuseum, hatten ausnahmsweise auch schon am Montag geöffnet – so dass man sich auch dort die Zeit vertreiben konnte.

Im Vergleich zum letzten Jahr zeigte sich nicht nur das Wetter von seiner allerbesten Seite, auch die ausgestellte Kunst machte auf mich den Eindruck von Fröhlichkeit und einer farbenfrohen Leichtigkeit. Egal, ob es sich um Werke etablierter Größen handelt oder ob es die Arbeiten neuer junger Talente waren. Einen ersten Eindruck gibt es hier!

Noch bis Sonntag zeigen 291 Galerien aus 35 Ländern und sechs Kontinenten, was Künstler und Kunst zu bieten haben – von Werken des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischer Kunst. Einige weitere Highlights für mich waren heute diese Werke:

Das Wort ist wieder in Mode gekommen und wurde von einigen Künstlern wunderbar in Szene gesetzt. Ein tolles Ereignis war auch die Art Unlimited Halle. 76 großformatige Werke von Künstlern wie Otto Piene, Doug Aitken, Carl Andre, John Baldessari, Imi Knoebel, Jenny Holzer, Carlos Caraicoa und anderen zeigten Kunst zum Staunen, Träumen und Erleben – ob es der Lauf auf „rohen“ Eiern war, die Kochperformance im Pavillon von Subodh Gupta oder ein zauberhaftes begehbares Spiegelkabinett sowie inspirierende Videoinstallationen. Mehr zu meinen Impressionen von der Unlimited  Schau folgen diese Tage!

Updates und News erfahrt ihr direkt hier unter Art Basel 

Neuland: Jose Dávila. Die Feder und der Elefant, in der Hamburger Kunsthalle

Vom 2. Juni 2017 bis zum 3. Juni 2018

Nach Haegue Yang ist der mexikanische Künstler Jose Dávila (geb. 1974, in Guadalajara) der Zweite, der eine ganzjährige Ausstellung in der Galerie der Gegenwart mit seinen Skulpturen und Installationen bestückt. „Neuland“ ist ein Ausstellungsformat der Hamburger Kunsthalle, dass es Künstlern ermöglicht, ihre Werke mit Hintergrund globaler Veränderungen über einen langen Zeitraum zu präsentieren. Die ausgestellten Werke werden eigens dafür konzipiert, so auch die sieben Exponate Dávilas, der übrigens das erste Mal in Deutschland ausstellt.

Zu seinen bevorzugten Materialen zählen alle Arten von Glas, von Plexi- bis Spiegelglas, für ihn ein absolut zeitgemäßes Material, als auch Marmor. Für die Exponate in der Hamburger Kunsthalle wurde nicht nur die Architektur des Hauses berücksichtigt und die Installationen auf die Gegebenheiten der Räume abgestimmt, auch einige der verwendeten Materialien kommen aus dem Hamburger Umland sowie aus Mexiko. Steine und deren organische Struktur haben für den Künstler eine ganz besondere Bedeutung. Was sich ein bisschen wie der berühmte „Rote Faden“ durch die Ausstellung zieht, sind die Befestigungen seiner teils doch sehr fragilen Installationen: Es sind Gurtbänder, in Gelb und Rot, die eigens für Dávila angefertigt werden, und die seinen Werken eine gewisse Komplexität verleihen.

Was mich begeistert hat, dass sind die Transparenz und Leichtigkeit, die bereits erwähnte Fragilität sowie die Diversität, die einem die Exponate in den lichtdurchfluteten Räumen immer wieder neu entdecken und erleben lassen – wie auch durch den Titel der Ausstellung „Die Feder und der Elefant“ deutlich wird. Man darf auch gespannt sein, wie sich die Lichtverhältnisse und die Reflexionen im Lauf eines Jahres bei der Betrachtung verändern. Ich freue mich darauf und werde bei meinen künftigen Besuchen immer wieder dort vorbeischauen.

Jose Dávila ist ein Künstler, der es wert ist entdeckt zu werden. Nach seinem Architekturstudium belegte er Kurse für Skulptur und Fotografie. So ist es nicht verwunderlich, dass in seinen Arbeiten spielerische Reflexionen, kritische Kommentare und offene Hommagen an die Kunst- und Architektur-Avantgarde des 20. Jahrhunderts zu erkennen sind. Zu deren namhaften Vertretern gehören u. a. Größen wie Richard Serra, Donald Judd oder Dan Flavin.

Ausgewählte Objekte wie das größte der Exponate „The riddles have been unriddled“, mit den gelben Spanngurten, verbleiben als Dauerleihgabe im Besitz der Hamburger Kunsthalle.

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg
Tel. +49(0)40-428131-200

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag von 10.00 bis 21.00 Uhr
Montags geschlossen

Kunst und Kultur auf Arte

 

Ich will an dieser Stelle auf drei tolle Sendungen aufmerksam machen, die morgen Abend, am 31. Mai, ab 20.15 Uhr, auf Arte ausgestrahlt werden. Als altes Modemädchen komme ich nicht umhin, auch den Film über den genialen Yves Saint Laurent mit anzukündigen (zwar etwas zu lange geraten, dennoch sehenswert), schließlich ist Mode auch eine besondere Form der Kunst, allein, wenn man die großartigen Entwürfe Saint Laurents, wie z.B. die berühmten Mondrian-Kleider, berücksichtigt. Im Anschluss folgt dann um 22.40 Uhr eine Dokumentation über Filmikonen „Magnum Photos und das Kino“ und zu guter Letzt um 23.35 Uhr „Im Kunstrausch“, eine wirklich sehenswerte Dokumentation über den Kunstmarkt und dessen Entwicklung. Für mich war es spannend, diesen Beitrag zu sehen, gerade hinsichtlich der anstehenden Art Basel und dem damit verbundenen Geschehen vor Ort. Selbstverständlich werde ich dort sein und von den Geschehnissen berichten. Es wird bestimmt spannend, zumal das Rahmenprogramm als auch die Museenlandschaft in und um Basel herum wieder einiges zu bieten haben.

Weitere, ausführliche Infos zu den Sendungen findet ihr unter Art & Culture on TV, ebenso die Links direkt zu den Sendungen.

Vollkommenheit in Form und Farbe: Max Pechstein im Bucerius Kunst Forum, Hamburg

 


Mitten in der Stadt, neben Hamburgs schönem Rathaus, liegt das Bucerius Kunst Forum. Dieses zeigt seit dem 20. Mai 2017 die beeindruckende Ausstellung: „Max Pechstein. Künstler der Moderne“. Bis zum 3. September sind dort Werke verschiedener Schaffensphasen des Malers zu sehen. Das ehemalige „Brücke“-Mitglied ist den Expressionisten zuzurechnen, wobei sich auch Einflüsse anderer Kunstrichtungen in seinen Bildern erkennen lassen – wie es in einigen Exponaten spürbar ist. Meines Erachtens zeigen sich Ähnlichkeiten mit Henri Matisse, André Derain und Paul Gauguin, was Rückschlüsse auf seine Zeit in Paris schließen lässt, in Formensprache, Ausdruck sowie der berauschenden Farbigkeit.

Erstmals wird dem Schaffen Hermann Max Pechsteins (1881-1955) eine Einzelschau in Hamburg gewidmet. Sie würdigt den Künstler als wegweisenden Vertreter der Moderne und lässt sein vielschichtiges Werk vor dem Hintergrund unterschiedlicher biografischer und geografischer Schwerpunkte neu aufleben. Dargestellt in fünf chronologisch geordneten Kapiteln ist zu sehen, wie sich Pechsteins Stil mit jeder Station verändert und weiterentwickelt: Von Paris, Berlin und Dresden, Nidden auf der Kurischen Nehrung über Monterosso (Italien), Palau (Südsee) sowie Leba und Rowe in Ostpommern.

1906 lernte er in Dresden Erich Heckel kennen und schließt sich im selben Jahr der Künstlervereinigung „Die Brücke“ an. Obwohl Pechstein 1912 wegen nicht eingehaltener Absprachen bzgl. gemeinsamer Ausstellungen aus dieser Vereinigung ausgeschlossen wurde, war ihr Einfluss in seinem Werk noch lange danach spürbar.

Über die motivische Prägung unterschiedlicher Lebensmittelpunkte macht die Ausstellung deutlich, wie der Künstler wichtige Strömungen und Neuerungen in der Malerei erspürte und sie in seinem Werk verarbeitete.

Die über 70 Werke vermitteln, wunderschön in Szene gesetzt, einen Einblick in alle signifikanten Werkgruppen und Schaffensperioden Pechsteins von 1906 bis 1932. Präsentiert werden neben einer Vielzahl seiner beeindruckenden und farbenfrohen Gemälde auch Druckgraphiken, Zeichnungen, Aquarelle und Holzschnitte:

Es ist eine Ausstellung, die sich auf jeden Fall lohnt. Auch gerne ein zweites Mal. Sie ist, wie fast immer in diesem kleinen, exquisiten Museum auf den Punkt kuratiert. Der Besucher erfährt viel über den Maler und dessen Leben und erfreut sich mit Sicherheit an der Schönheit der Bilder in ihren kräftigen, leuchtenden Farben und den zauberhaften kleinen Aquarellen, die in teils pastelliger Farbigkeit begeistern. Für mich war es ein Besuch mit Gute-Laune-Faktor. Und es sind nicht wenige der gezeigten Werke, die ich auch gerne bei mir aufhängen würde. Hier einige meiner Lieblinge:

Max Pechstein. Künstler der Moderne
20. Mai bis 3. September 2017 

Bucerius Kunst Forum
Rathausmarkt 2
20095 Hamburg
Telefon: +49 (0) 40 / 36 09 96 0

Geöffnet: Täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr

 

 

 

 

 

„Entdecken durch Verhüllen“ – „Christo & Jeanne-Claude“ in der kunsthalle messmer in Riegel – noch bis 18. Juni 2017!

Große Kunst findet oft im Kleinen statt. Gekonnt vermittelt das seit Jahren Jürgen A. Messmer mit seiner idyllisch gelegenen kunsthalle messmer in einer alten Brauerei. Dabei hat er keine Scheu vor großen Namen und macht diese kunst- und kulturinteressierten Besuchern im südlichen Breisgau in Riegel am Kaiserstuhl, zugänglich. Ein Leckerbissen ganz besonderer Art ist derzeit die Ausstellung mit rund 100 Objekten, Zeichnungen und Collagen vom Meister der Verhüllung: Christo & Jeanne-Claude.

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Verhüllter Pont-Neuf, 1995, Paris. Foto: Wolfgang Volz © CHRISTO

Der als Christo Wladimirow Jawaschew am 13. Juni 1935 in Bulgarien geborene Künstler gewann mit seinen spektakulären Aktionen und Inszenierungen weltweit großes Ansehen. Jüngstes Objekt waren die im vergangenen Jahr geschaffenen, wunderschönen „Floating Piers“ auf dem Lago D’Iseo, in Italien.

 

Untrennbar mit Christo verbunden ist seine Frau Jeanne-Claude. Sie war die Liebe seines Lebens und teilte seine Leidenschaft und die Hingabe zur Kunst. Wie er wurde auch sie am 13. Juni 1935 geboren, verstarb jedoch bereits im November 2009 in New York. Beide lernten sich 1958 in Paris kennen. Im Lauf ihres gemeinsamen Lebens entwickelten sie zahlreiche spektakuläre Projekte rund um den Globus. Fällt sein Name, wird auch immer der von Jeanne-Claude genannt, vereint in alle Ewigkeit.

Wichtig für ihn: Er ist KEIN Verpackungskünstler. Er verhüllt und gibt dem, was dann nur zu erahnen ist, damit eine ganz besondere Dimension. „Offenbaren durch Verbergen“, wie Kunstkritiker und Journalist David Bourdon es treffend beschreibt. Christos Karriere kam Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre in Paris in Fahrt. Erste Verhüllungsobjekte waren damals ganz gewöhnliche Alltagsgegenstände wie Dosen, Flaschen, Stühle – einfach alles, was er finden konnte. Ende der Sechziger Jahre wurden die verhüllten Objekte größer, das erste Gebäude, dass unter seinen Stoffbahnen verschwand, war die Kunsthalle Bern im Jahr 1968. Es folgten „The Umbrellas“, 1980-83, in Kalifornien und Japan, der verhüllte Reichstag in Berlin, 1995 oder „The Gates“, 2005, im Central Park, New York, um nur einige zu nennen.

Das Besondere an Christos & Jeanne-Claudes Oeuvre ist für mich die absolute Unabhängigkeit des Künstlers. Er legt Wert darauf, alles selbst zu finanzieren. Dies geschieht unter anderem durch die Verkäufe von Skizzen, Zeichnungen etc. Was nach Beendigung einer Aktion übrig bleibt, wird ebenso verkauft oder recycelt. Allem voran steht der Gedanke der Nachhaltigkeit.

Die Ausstellung zeigt einige Raritäten neben wunderbaren Fotografien, u. a. vom Berliner Reichstag, 1995, von Wolfgang Volz, der auch als Projektmanager für Christo tätig war. Aktionen wie der verhüllte Reichstag in Berlin waren und sind eine logistische Herausforderung. Die Vorbereitungen dafür begannen bereits 1971, bis zur endgültigen Verhüllung 1995. Die Stoffe für seine Objekte werden übrigens in Deutschland hergestellt.

Das nächste Projekt, dass der Künstler in Planung hat, ist eine Mastaba. Standort Abu Dhabi. Sie soll sein Vermächtnis werden. Wer aber nicht bis zur Fertigstellung dessen warten will, dem empfehle ich einen Besuch in Riegel in der kunsthalle messmer. Der Südwesten Deutschlands lohnt sich immer, befindet er sich doch im Goldenen Dreieck mit der Schweiz und Frankreich – verbunden mit zahlreichen Museen, spektakulären Ausstellung und Vielem mehr.

Und für Picasso Fans wie mich, gibt es ab dem 24. Juni auch gleich die nächste großartige Ausstellung in der kunsthalle messmer: Picasso und die Frauen.

kunsthalle messmer
Grossherzog-Leopold-Platz 1
79359 Riegel am Kaiserstuhl
Tel.: +49 (0) 7642 / 92 01 62 – 0
info@kunsthallemessmer.de
Öffnungszeiten: Di. – So., 10.00 – 17.00 Uhr

 

Happy Birthday, Cy Twombly!

Twombly (25. April 1928, in den USA) gehört schon seit langem zu meinem Lieblingskünstlern. Die einen mögen seine Kunst zwar als großformatiges Gekritzel sehen, andere jedoch entdecken darin – wie ich – die besondere Poesie, die immer wieder aus seinen Werken spricht. Egal, ob es seine Gemälde sind oder die wunderbaren Fotografien, stets mit einem Hauch Unschärfe, die einen wie aus der Zeit gerückt erscheinen. Für mich ist er der Poet unter den Malern.

Sein Oeuvre wird dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus zugerechnet. Wichtige Vertreter dieser Stilrichtung sind beispielsweise Jackson Pollock, Robert Motherwell, Jasper Johns oder Franz Kline. Einer seiner Freunde und Weggefährten war Robert Rauschenberg. Sie hatten sich Anfang der Fünfziger Jahre an einem College in den USA kennengelernt und lange ein Atelier miteinander geteilt.

Wenngleich Twomblys Werk meines Erachtens subtiler und leichter ist. Manchmal erinnern sie an wilde Kritzeleien, dennoch üben sie eine besondere Magie auf den Betrachter aus, wie man anhand der vorgestellten Bilder erkennen kann. Die vier unten entstammen den „Nine Discourses on Commodus“, entstanden im Jahr 1963, kurz nach der Ermordung John F. Kennedys. Sie sollen an unterschiedliche Episoden im Leben und Tod des Römischen Kaisers Commodus (161-192) mit all seiner Tragik, den Höhen und Tiefen erinnern. Leider hatte ich nicht alle fotografiert, aber ich hoffe, dass anhand des Gezeigten in etwa die Komplexität von Twomblys Ansinnen zu erkennen ist.

Das Centre Pompidou in Paris widmete dem im Juli 2011, in seiner Wahlheimat Rom verstorbenen Künstler, vom 30. November 2016 bis zum 24. April 2017, eine große Ausstellung. Ich hatte das Glück, im Dezember in seine Welt eintauchen zu können und freue mich, nun einige seiner Werke heute, an seinem Geburtstag, mit euch zu teilen.

Farbgewaltige Bilderwelten von starken Frauen und mehr, auf Arte

In der unter Art & Culture on TV bereits angekündigten 4-tlg. Reihe „Künstlerinnen“, Sonntagvormittags auf Arte, kuratiert heute Katharina Grosse, eine meiner Lieblingskünstlerinnen, eine imaginäre Ausstellung mit großartiger Kunst von Frauen.

Grosse gehört zu den erfolgreichsten Malerinnen Deutschlands. Ich liebe ihre großformatigen, oft raumfüllenenden und -übergreifenden Arbeiten (siehe auch „Eine Meditation in Farbe“), die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Installation sprengen. Mit ihren Sprayarbeiten verwandelt sie Innen- und Außenräume in komplexe und atemberaubende Farbwelten. Ihr Werk liefert einen neuen Ansatz für das, was Malerei sein kann – oder meines Erachtens unbedingt ist: ein unbegrenztes und wunderbares Feld vielfältiger Möglichkeiten.

In ihrer virtuellen Ausstellung (oben) stellt Grosse Künstlerinnen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor: Lieblingskünstlerinnen wie Isa Genzken, Maria Lassnig und Valie Export, Neuentdeckungen wie die lange in Vergessenheit geratene Georgiana Houghton oder die einzigartige Aborigine-Malerin Emily Kame Kngwarreye sowie jüngere Künstlerinnen wie Pamela Rosenkranz, Camille Henrot, Wangechi Mutu und die Neuseeländerin Judy Millar. Die Doku begleitet den Entstehungsprozess der Ausstellung und liefert Informationen über die vorgestellten Künstlerinnen.
Online ist der Beitrag in der Arte Mediathek in der Rubrik „Kunst & Kultur“ noch bis zum 17. Juni 2017 abrufbar oder man klickt gleich hier Katharina Grosse kuratiert

Und um 17.30 werden ebenfalls auf Arte, Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei, beleuchtet. Mehr unter Art & Culture on TV

 

 

 

Frauen in der Kunst

8. März – Weltfrauentag!

Ein willkommener Grund für mich, den Künstlerinnen, deren Werke mich in den vergangenen Jahren berührt haben, einen Beitrag zu widmen. Redet man von der großen Kunst, dann fallen einem sofort Namen wie Picasso, Gauguin, Monet, Matisse, Gerhard Richter oder Jeff Koons ein. Doch wo sind die Frauen in der Kunst? Sind sie auch so präsent wie die Männer? Leider nein. Ausstellungen sind eher selten und so pilgere ich, wenn möglich, in freudiger Erwartung dorthin, wo sie stattfinden, wie z.B. die großartige Schau der deutschen Malerin Katharina Grosse im Sommer 2016, im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, die große Georgia O’Keeffe-Ausstellung in 2016 in der Tate Modern, London oder aktuell, die wunderbar kuratierte Paula Modersohn-Becker Ausstellung in Hamburg, im Bucerius Kunst Forum, um nur drei zu nennen.

Eine Frau war es auch, die mich vor einigen Jahren wieder auf den Pfad der Kunst brachte: die herrlich schräge amerikanische Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (1898-1979). Durch sie und ihre atemberaubende Autobiografie (kann ich nur empfehlen) tauchte ich wieder in die Welt der Kunst ein und allem, was damit verbunden ist.

Malerinnen beeindruckten schon im 16. Jahrhundert mit ihrem Können. Zu den bekanntesten zählen die italienische Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola (1532-1625) sowie die ebenfalls aus Italien stammende Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593-1653). Sie gehörten zu den Besten ihrer Zeit. Nur zwei Jahrhunderte später setzte die Französin Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842) mit ihren hinreißenden Porträts Zeichen. Selbst Marie-Antoinette ließ sich von ihr malen. Vigée-Lebrun hat ein umfassendes Oeuvre hinterlassen, das in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu finden ist. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten sich bei den Impressionisten zwei herausragende Frauen, deren Werk ich sehr schätze durch: die französische Malerin Berthe Morisot (1841-1895) und die US-amerikanische Malerin und Graphikerin Mary Cassatt (1844-1926). In Deutschland erlangten die expressionistischen Malerinnen Gabriele Münter (1877-1962), langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky und die aus Russland stammende Marianne von Werefkin (1860-1938), Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky mit ihren prachtvollen Farben und Motiven Bekanntheit. Die Liste lässt sich – zum Glück – endlos weiterführen, ich nenne im Anschluss nur die, die mich am meisten berührt haben.

Danke an all die wunderbaren Künstlerinnen (auch jene, die nicht hier genannt sind):

Berthe Morisot (1841-1895), französische Malerin
Mary Cassatt (1844-1926), US-amerikanische Malerin und Graphikerin
Marianne von Werefkin (1860-1938), rusischen Malerin
Camille Claudel (1864-1943), französische Künstlerin
Suzanne Valadon (1865-1938), französische Malerin
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Deutsche Malerin
Gabriele Münter (1877-1962), deutsche Malerin
Marie Laurencin (1883-1956), französische Malerin
Sonia Delaunay-Terk (1885-1979), russisch-französische Malerin und Designerin
Anita Rée (1885-1933), deutsche Malerin
Georgia O’Keeffe (1887-1986), amerikanische Malerin
Sophie Teuber-Arp (1889-1943), deutsche Künstlerin
Frida Kahlo (1907-1954), mexikanische Malerin
Dora Maar (1907-1997), französische Fotografin und Malerin
Dorothea Tanning (1910-2012), amerikanische Malerin und Bildhauerin
Louis Bourgois (1911-2010), französisch-amerikanische Bildhauerin
Leonora Carrington (1917-2011), britisch-mexikanische Künstlerin
Sonia Sekula (1918-1963), Schweizer Malerin
Maria Lasnig (1919-2014), österreichische Künstlerin
Joan Mitchell (1925-1992), amerikanische Malerin
Yayoi Kusama (Jahrgang 1929), japanische Künstlerin
Nikki de Saint Phalle (1930-2002), französische Künstlerin
Annette Messager (Jahrgang 1943), französische Künstlerin
Marina Abramović (Jahrgang 1946), serbische Performance Künstlerin
Marlene Dumas (Jahrgang 1953), südafrikanische Künstlerin
Katharina Grosse (Jahrgang 1961), deutsche Malerin
Haegue Young (Jahrgang 1971), koreanische Künstlerin
Alicja Kwade (Jahrgang 1979), deutsche Malerin

 

3 tolle TV-Tipps in Sachen Kunst

Auf Arte gibt es heute (und in der Arte Mediathek) drei sehr unterschiedlich gelagerte, aber sehenswerte Beiträge. Es beginnt mit der ersten Folge der vierteiligen Dokureihe über Künstlerinnen. Auftakt macht die Amerikanerin Kiki Smith, dann folgt eine großartige Doku über den niederländischen Maler Jan Vermeer van Delf und zum Schluß noch eine Dokumentation über den polarisierenden deutschen Maler Otto Dix, mehr unter Arts & Culture on TV